20.5.2008 15:48

Säulenhalle des Parlaments als Bolzplatz:
"Auch die Politker freuen sich auf die EURO"

  • Fairness, Toleranz, Respekt und Teamgeist als Motto
  • Soccer-Event als Signal für eine friedliche EURO 2008

In einer Nacht- und Nebel-Aktion vor 30 Jahren sollen junge Abgeordnete im österreichischen Parlament verbotenerweise dem Fußball hintergejagt sein. Diesmal ist im Hohen Haus ganz offiziell gekickt worden. Auf einem aufgebauten Court mit Naturrasen in der Säulenhalle baten die drei NR-Präsidenten Barbara Prammer, Michael Spindelegger und Eva Glawischnig-Piesczek 18 Tage vor der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz zu einem Lehrspiel für Fair Play und gegen Rassismus.

Die Veranstaltung, die auf einer Idee von Glawischnig-Piesczek basierte, stand unter dem Motto "Fußball verbindet! Fußball versteht sich!" und hatte das Ziel, Fairness, Teamgeist, Toleranz, Respekt über die Grenzen von Hautfarbe und Klassen, Fraktionen und Ideologien hinweg zu tragen. "Mit dieser Aktion wollen wird viele Botschaften aussenden. Vorfreude auf das EM-Turnier vermitteln, die Erwartung fairer Spiele, eines freundlichen und friedlichen Festes", betonte Prammer, die als Hausherrin Fairness auch in der Politik einforderte.

Da wie dort dürfe man nicht mit dem Finger auf andere zeigen, Rassismus habe keinen Platz, das Fair Play müssen im Mittelpunkt stehen. Prammer, die auch Präsidentin des Wiener Instituts für internationalen Dialog und Zusammenarbeit ist ("Fair Play heißt dort 'Viele Farben. Ein Spiel'), lud in ihrer Ansprache, der auch viele Parlamentsbesucher lauschten, gleich interessierte Fußball-Fans zum Besuch des Parlaments ein. "Die haben es während der EM-Turniers ja nicht weit, unser Haus liegt in der Fan-Meile."

Signal für friedliche EURO
Spindelegger sah das ungewöhnliche Soccer-Event als Signal für die EURO, die nicht eine "Schlacht um einen Titel, sondern ein friedlicher Wettbewerb" werden möge. Glawischnig-Piesczek schlug eine rhetorische Brücke vom Fußball als "Volkssport Nr. 1" zum Parlament als dem "Haus der Volksvertretung". Da wie dort gehe es um das Gemeinsame, um Teamgeist und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg, ja der Fußball sei gar "eine Philosophie". Vom Fußball könne man lernen, Gemeinsames über Trennendes zu stellen, anderen Menschen gesellschaftliche Chance zuzuspielen.

Der Grün-Politikerin und dritte NR-Präsidentin war als einzige des Präsidiums in fußballähnlicher Adjustierung - auf dem Rücken ihres roten Trikots war der Schriftzug "Fußballgöttin" zu lesen - erschienen. Nicht erschienen war der für den Sport zuständige Bundeskanzler Alfred Gusenbauer. Der Regierungschef musste wegen Erkrankung absagen. In seiner Vertretung zitierte Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka einen berühmten Trainer, der einmal gesagte habe, dass Fußball keine Frage von Leben oder Tod, sondern viel wichtiger sei.

FIFA-Schiedsrichter Stuchlik leitete Promi-Match
"Wenn man nichts gegen Rassismus und Doping tut, wird der Sport in seinen Grundfesten erschüttert werden", mahnte der Marathonläufer, der sich den "Fair Play"-Gedanken als Motto der EURO wünscht. Den vielen Worten vieler Leute folgte dann auf dem 6 x 20 m großen Soccer-Court ein Spiel (2 x 15 Minuten) zwischen einer Prominenten-Auswahl mit Schöttel, Pfeffer, Hofmann, Martinez sowie Frauen des ASK Erlaa und DSV Wien 04 gegen ein MigrantInnen-Team, das sich aus Aktiven des FavAC, Vienna Türkgücü, Maccabi Wien, New African Football Academy und Prater SV zusammensetzte.

Das vom Wiener FIFA-Schiedsrichter Fritz Stuchlik ohne Probleme und fehlerlos geleitete Spiel endete übrigens mit einem gerechten 4:4 (1:1), wobei das Resultat natürlich keine Rolle spielte, sondern das Fair Play und das Miteinander im Mittelpunkt standen. Zu den interessierten Zuschauern zählten Rapid-Präsident Rudolf Edlinger, der sich vorstellen konnte, dass vor 30 Jahren unter NR-Präsident Anton Benya im Hohen Haus gekickt worden ist, Ex-Teamkeeper Michael Konsel, BZÖ-Chef Peter Westenthaler, ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig, EM-Regierungsbeauftragter Heinz Palme, EM-Turnierdirektor Christian Schmölzer und FARE-Europa-Vertreter Michael Fanizadeh (Football Against Racism in Europa).

Spielverderber FPÖ
Die Veranstaltung für Fair Play und gegen Rassismus hat keine einhellige Zustimmung der im Nationalrat vertretenen Partien gefunden. FPÖ-NAbg. Karlheinz Klement sprach in einer Aussendung von einer "Verhöhnung des Parlamentarismus, wenn aufgrund eines Fußballspieles in der Säulenhalle des Parlaments im Familien-Ausschuss nicht ordentlich gearbeitet werden kann."

Es sei zu erheblichen akustischen Störungen gekommen, so dass es aufgrund der großen Lautstärke nicht möglich gewesen sei, zu arbeiten, erklärte Klement, der eine parlamentarische Anfrage an Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ankündigte. Der Freiheitliche Politiker will wissen, "ob es erstens zulässig ist, die parlamentarische Arbeit auf diese Art negativ zu beeinflussen und zweitens, wie hoch die Kosten dieser sinnlosen Veranstaltung waren."

(apa/red)


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20.5.2008 15:48
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