Dorfklub Hoffenheim startet ins Abenteuer
Bundesliga: "Es ist ein endlos geiles Gefühl"
- Aufstieg für Rangnick "mit gar nichts zu vergleichen"
- 30.000-Personen-Stadion aus dem Boden gestampft

·Ibertsberger & Özcan
erobern Deutschland
Hoffenheim schafft den Aufstieg in die Bundesliga
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Die TSG 1899 Hoffenheim hat mit Trainer Ralf Rangnick den Durchmarsch von der Regionalliga in die erste deutsche Bundesliga geschafft und damit ein Fußball-Märchen früher als geplant verwirklicht. Der Verein aus dem mit 3.300 Einwohnern kleinsten Dorf, das je mit einer Mannschaft in der höchsten Spielklasse antrat, sicherte sich durch den 5:0-Heimsieg über die SpVgg Greuther Fürth den zweiten Tabellenplatz der 2. Liga und damit den Aufstieg.
Das Märchen im Nordwesten Baden-Württembergs - der Ortsteil Hoffenheim liegt in der Gemeinde Sinsheim, 22 km südöstlich der Stadt Heidelberg - haben auch zwei Österreicher mitgestaltet. Der Vorarlberger Torhüter Ramazan Özcan und der Salzburger Verteidiger Andreas Ibertsberger waren erst im Winter verpflichtet worden und besitzen gültige Verträge bis 2011 bzw. 2010. Mit Jürgen Säumel (Sturm Graz) soll laut Medien ein dritter Ösi geholt werden.
Öczan machte Nacht zum Tag
"Es ist mein erster Aufstieg und ein endlos geiles Gefühl. Wir fahren nun drei Tage mit der Mannschaft auf Ibiza. Danach versuche ich, abzuschalten und mich dann auf die erste Bundesliga zu konzentrieren. Ich wusste, dass dieser Verein Potenzial hat und mein Traum hat sich erfüllt", jubelte Özcan, der im Frühjahr vom Ersatzmann von Red Bull Salzburg zum Publikumsliebling der Blauen avancierte und mit seinen Kollegen nach vollbrachtem Aufstieg die Nacht zum Tag gemacht hatte.
Dass aus einer Vision Realität wurde, hat die Region dem Milliardär Dietmar Hopp zu danken. Der Mäzen, der in Österreich einem Frank Stonach oder Richard Trenkwalder als Beispiel, wie man es macht, dienen könnte, hatte sein Projekt bereits 1991 gestartet. Da beschloss der SAP-Mitbegründer, seinem Heimatverein nach dem Abstieg aus der Bezirksliga finanziell unter die Arme zu greifen.
Stadion für 30.000 Zuschauer in Bau
2004 wurden die verpflichteten bzw. die bereits da gewesenen Spieler zu Vollprofis. Hopp, der seine aktive Fußballer-Karriere frühzeitig beendet hatte, bestand allerdings darauf, dass jeder Akteur parallel eine Ausbildung oder ein Studium zur eigenen Zukunftssicherung absolvieren muss. Jetzt, da das Hopp-Stadion mit 6.350 Plätzen längst zu klein geworden ist, wird in Sinsheim an der Autobahn eine reine Fußball-Arena aus dem Boden gestampft.
"Dafür wird kein einziger Steuer-Cent verwendet", versicherte der überglückliche "Bauherr" Hopp, der sich das 30.000 Zuschauer fassende Stadion 40 Millionen Euro kosten lässt. Die Arena soll bis 2009 fertig sein. Erst vor Saisonbeginn hatte der Mäzen erst 20 Millionen in die Mannschaft für neue Spieler investiert, das war der zweitgrößte Aufwand im Land hinter Meister FC Bayern. Ralf Rangnick, der Hoffenheimer "Baumeister", war im Juni 2006 als Cheftrainer verpflichtet worden und beantwortete drei Fragen nach vollbrachter Tat.
dpa: Sie sind bereits mit dem SSV Ulm und Hannover 96 aufgestiegen. Was bedeutet der Bundesliga-Aufstieg mit Hoffenheim für Sie?
Rangnick: "Das kann man mit gar nichts vergleichen. Ich persönlich stufe diesen Aufstieg am höchsten ein. Als wir hier angefangen haben vor zwei Jahren, hatten wir gute Rahmenbedingungen, aber es war nichts da. Irgendwelche Schlaumeier, die Vergleiche mit Red Bull Salzburg oder mit Chelsea anführen, die haben es einfach nicht geschnallt, dass wir in der dritten Liga angefangen haben. Ich selbst wollte keine Zeit in einer Liga verplempern, wenn es nicht nötig ist.
Das war nicht überheblich gemeint. Es ist doch klar, dass ich den Schritt in die Regionalliga nicht mache, um erst in fünf oder sechs Jahren wieder oben zu sein. Und es gab einige, die uns den Erfolg nicht gegönnt haben, das macht es umso wertvoller."
dpa: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Rangnick: "Uns ist es gelungen, aus immer wieder neuen Spielern eine extrem gute Einheit zu formen. Erfolg basiert auf verschiedenen Dingen. Erfolg ist nicht planbar, aber ich denke, dass Leistung planbar ist. Ohne den ganzen Stab an Mitarbeitern, die medizinische Abteilung, ohne Manager Jan Schindelmeiser wären wir nicht da oben."
dpa: Wie schätzen Sie die Perspektive des Vereins in der Bundesliga ein?
Rangnick:"Wir müssen uns in der neuen Liga erst mal wieder zurechtfinden und uns etablieren. Ich glaube, dass es in den Spielen für uns nicht unbedingt viel schwerer wird. Technisch starke Spieler haben eher die Möglichkeit, ein Spiel aufzuziehen. Aber wir haben nicht so viele Spieler, die schon mal in der ersten Liga gespielt haben, und es ist noch einmal eine andere Nummer. Für uns kann es nur darum gehen, dass wir uns von den Abstiegsrängen fernhalten. Wir haben jetzt drei Monate Zeit, um bundesligatauglich zu werden."
(apa/red)
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