Dienstag, 20. Mai 2008

Abramowitsch-Freund trifft auf "Sir" Alex:
Ex-Sportdirektor gegen den Langzeittrainer

  • Ferguson ist seit 22 Jahren bei Manchester erfolgreich
  • Avram Grant coacht als erster Israeli einen Inselklub

6. November 1986. Der Eiserne Vorhang teilt Europa, wenige Monate zuvor hatte Russlands Präsident Michail Gorbatschow erstmals von "Glasnost" gesprochen. Der Schotte Alex Ferguson wird Trainer beim Renommierclub Manchester United. 22 Jahre später ist Ferguson nicht nur der längstdienende Coach bei einem europäischen Topverein, sondern auch zehnfacher englischer Meister. Am Mittwoch greift er nach seinem zweiten Titel in der Champions League.

Im Finale in Moskau sitzt dem Langzeittrainer ein Aufsteiger gegenüber. Als persönlicher Freund von Eigentümer Roman Abramowitsch war Avram Grant im Juli 2007 als Sportdirektor zu Chelsea gekommen. Im September folgte der 53-jährige israelische Ex-Teamchef dem umstrittenen Portugiesen Jose Mourinho als Trainer nach. Nach anfangs mäßigem Erfolg war dem ersten israelischen Trainer in der Premier League bereits rauer Wind entgegengeweht.

Mit einem starken Ligafinish scheint Grant, der mit einem hochdotierten Vierjahresvertrag ausgestattet ist, die Öffentlichkeit aber versöhnt zu haben. Im Gegensatz zu Ferguson, einst Torjäger bei den Rangers in seiner Heimatstadt Glasgow, hatte der Israeli selbst nie professionell Fußball gespielt. Die Trainerkarriere begann der Sohn eines Holocaust-Überlebenden aus Polen als 18-jähriger Nachwuchstrainer bei Hapoel Petah Tikva. Mit 32 war Grant dort bereits zum Cheftrainer avanciert, es folgten Meistertitel mit Maccabi Tel Aviv und Maccabi Haifa.

Ferguson steht für Erfolg
Der Name Ferguson wiegt aber bedeutend schwerer - er steht wie kein anderer für Erfolg und Loyalität. "Manchester United ist der einzige Club, der mich von Aberdeen wegbringen konnte." Mit diesen Worten hatte der neue ManU-Trainer 1986 als Nachfolger von Ron Atkinson sein Amt angetreten. Zwei Jahre davor hatte er nach dem schottischen Double mit Aberdeen auch Angebote von Arsenal und Tottenham gehabt, aber ausgeschlagen. Im Jahr davor hatte er den Europacup der Cupsieger gewonnen, 1986 betreute er bei der WM in Mexiko das schottische Nationalteam.

Die größten Triumphe aber folgten mit United. Dabei war Ferguson 1989 bereits mit schweren Anfeindungen konfrontiert worden. "Drei Jahre voll von Ausreden", stand auf einem Transparent in Old Trafford zu lesen. Doch ManU wurde für seine Geduld belohnt. Zwischen 1993 und 1997 unterbrachen nur die Blackburn Rovers eine imposante Meisterserie, 1999 folgte das legendäre "Treble".

"Sir" Alex hat noch lange nicht genug
Dennoch bezeichnet Ferguson jene Mannschaft, die er am Mittwoch gegen Chelsea ins Rennen schickt, als die vielleicht beste, die er jemals betreut hat. Dabei hatte er einst Superstars wie Paul Ince, Eric Cantona oder David Beckham unter seinen Fittichen gehabt. "Der Fußball hat sich weiterentwickelt. Diese Mannschaft hat großes Potenzial", erklärte der 66-Jährige, der nicht ans Aufhören denkt. "Ich muss die Leute weiterhin ein bisschen belästigen."

Für seine Spieler ist Ferguson Vaterfigur und Autoritätsperson zugleich. Kompromisse geht der Erfolgscoach aber keine ein. "My way or the highway" - dieser Zugang hat schon zahlreiche große Namen aus Manchester vertrieben, zuletzt Stürmerstar Ruud van Nistelrooy. Ferguson versteht es allerdings, immer neue Talente mit ihrer Aufgabe bei United wachsen zu lassen - und das schon seit dem 6. November 1986. Damals machte der eineinhalb Jahre alte Cristiano Ronaldo auf Madeira gerade seine ersten Gehversuche. (apa/red)

20.5.2008 14:30