Samstag, 24. Mai 2008

Im Wahlkampf mit Barack Obama on Tour:
Kampagne lebt vom Charisma des Politikers

  • FORMAT begleitete US-Kandidaten bei Auftritten
  • PLUS: Barack Obamas "Change" für die Wirtschaft

Ein Kandidat, der mehr Zuseher anzieht als das Finale der Superbowl: 75.000 kamen, um Barack Obama in Portland, Oregon, zu hören. Auf den Wiesen des Waterfront Park, auf Motorbooten, Kajaks und kleinen Yachten am Columbia-Fluss warten Wähler auf ein politisches Freiluftkonzert. "Dies ist der spektakulärste Rahmen für die spektakulärste Menschenmenge", beginnt Obama. "I love you, man", schreit ihm einer aus der Menge zu.

Es ist ein anderes Amerika, zu dem der demokratische Präsidentschaftsanwärter hier spricht. Oregon ist grün, Umweltschutz ein Schlüsselthema. Portland betreibt als eine der wenigen Städte der USA eine konzise Stadtplanung. Es gibt Radfahrer, eine hohe Akademikerrate und Wähler, die ausschließlich per Post wählen. Der Irakkrieg befremdet hier stärker als anderswo, weil Rüstungsfirmen und große Militärbasen fehlen.

Tosenden Beifall erntet Obamas Plan, sich gegen den Genozid in Darfur einsetzen zu wollen. "Wir werden bei den Rechten und Freiheiten von Bürgern wieder führend sein", fährt er fort. Die Menge jubelt, er setzt zu seiner Botschaft der Veränderung an. "Schwarz, weiß, hispanisch, asiatisch, indianisch, jung, alt, reich, arm, homosexuell, heterosexuell", zählt er auf, alle würden sie unter seiner Präsidentschaft zusammenkommen. Hier, im Staat mit den vielen Starbucks-Demokraten - gebildet, liberal, beruflich erfolgreich -, wird dies erfreut beklatscht. In North Carolina hatte er einige Wochen zuvor die sexuellen Ausrichtungen noch ausgelassen: So "neu" ist der New South der USA dann doch wieder nicht.

Publikum in Charlotte begeistert
"Ihr seid ja ein lebhafter Haufen", rief Obama da dem übermütigen Südstaaten-Publikum in Charlotte zu. Wie bei einer Sonntagsmesse nickten die Köpfe des Publikums zu dem repetitivem Pathos. "Wir können nicht warten", sagt Obama. "Wir können nicht warten", murmeln viele Zuhörer. Die Veranstaltung gerät zu einer Feier seines politischen Talents. Wenn er "wir, das amerikanische Volk" schmettert, erntet er frenetischen Jubel. Er erinnert die Leute an Kennedy und sagt: "Das ist es, was starke Präsidenten machen." Standing Ovations.

Die ganze Reportage im aktuellen FORMAT 21/08!

24.5.2008 07:35