Großes Interesse an Erdbeben-Waisen: Hotlines der Behörde in China laufen heiß
- Insgesamt rechnet man mit 1000 bis 2000 Waisen
- Dringlicher Kinderwunsch wegen Ein-Kind-Politik

·Fünf Mio. Obdachlose
und über 70.000 Tote
Ausmaße des Erdbebens
werden immer deutlicher
Das verheerende Erdbeben in Sichuan lässt die Telefone beim chinesischen Jugendfonds CCTF (China Children and Teenagers' Fund) heißlaufen. Viele Chinesen wollen eines der hunderten Kinder adoptieren oder in Pflege nehmen, die durch die Naturkatastrophe zu Waisen geworden sind.
Die Jugendbehörde hat drei 24-Stunden-Hotlines (auf Chinesisch und Englisch) eingerichtet, doch gibt es nach chinesischen Medienberichten derzeit kaum ein Durchkommen. In nur zwei Tagen hätten sich 500 adoptionswillige Paare gemeldet, die meisten davon leben in Peking.
1000 bis 2000 Wasien
Offiziell ist von einigen dutzend Erdbeben-Waisen die Rede, doch dürfte die Zahl viel höher liegen. Mehrere Waisenhäuser in der Erdbebenprovinz hätten ihre Kapazitäten auf jeweils über 100 Betten erhöht, berichtete die englischsprachige Tageszeitung "China Daily". Der Pressesprecher der staatlichen Jugendbehörde, Zhang Hefeng, rechnet mit 1000 bis 2000 Kindern unter 15 Jahren, die Waisen geworden sind oder ihre Eltern zumindest vorübergehend verloren haben.
Ein-Kind-Politik
Das große Interesse an den Adoptionen hängt auch mit der strikten Ein-Kind-Politik in China zusammen. Viele Eltern wünschen sich ein zweites Kind, doch haben die Behörden bereits klargestellt, dass kinderlose Paare absoluten Vorrang bei den Adoptionen haben werden. So wie das Pekinger Ehepaar Li. Herr Li erzählte "China Daily", dass er und seine Frau bisher der beruflichen Karriere den Vorrang gegeben und auf eigene Kinder verzichtet hätten. Angesichts des Leids der Erdbeben-Waisen hätten sie sich aber entschieden, "unsere Interessen zurückzustellen. Es geht uns finanziell gut, und wir können gut für Kinder sorgen."
Vorerst werden die Kinder nur zur Pflege vergeben. Über die Adoptionsansuchen wird erst in mehreren Monaten - nach Abschluss der Bergungsarbeiten - entschieden, wenn klar ist, dass die Kinder keine nahen Verwandten mehr haben. Für Pflegeeltern gelten in China strenge Anforderungen. Infrage kommen nur Personen im Alter von 25 bis 60 Jahren, die ein geregeltes Einkommen haben, unbescholten und gesund sind und bereits Erfahrung im Umgang mit Kindern haben. Darüber hinaus muss die Pflegefamilie aber auch "harmonisch" sein, gute Beziehungen zu den Nachbarn pflegen und keine "unerwünschten Hobbys" haben.
(apa/red)
