Wahldebakel für Premier Brown: Schwere Partei-Niederlage bei Parlaments-Nachwahl
- Erdrutschsieg der Konservativen in Labour-Hochburg
- Britisches Wahlergebnis als Unmutsbekundungen?

·GB: Wahlschlappe für Premier Gordon Brown
Niederlage der Partei
bei Parlaments-Nachwahl
Eine erneute Wahlniederlage verschärft die Krise der britischen Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown: Nach der schweren Schlappe bei der Kommunalwahl Anfang Mai setzte sich auch bei einer Nachwahl zum Unterhaus in Crewe und Nantwich der Kandidat der oppositionellen Konservativen mit deutlicher Mehrheit durch. Das veröffentlichte Ergebnis galt als besonders niederschmetternd.
Der Wahlkreis im Nordwesten Englands galt seit 25 Jahren als Labour-Hochburg und war als absolut sicher eingestuft worden. Der konservative Parteichef David Cameron sagte in London, die erneute Niederlage sei "das Ende von New Labour".
Der siegreiche Tory-Kandidat Timpson erntete dem Auszählungsergebnis zufolge rund 49,5 Prozent der Stimmen - deutlich mehr als die Labour-Kandidatin Tamsin Dunwoody, die nur rund 30,6 Prozent erhielt. Bei der letzten Unterhauswahl hatte Dunwoodys Mutter Gwyneth diesen Wahlkreis noch mit einer Mehrheit von rund 7.000 Stimmen gewonnen, was den Umschwung in der öffentlichen Meinung zusätzlich verdeutlicht. Gwyneth Dunwoody, die den Wahlkreis seit 1983 gehalten hatte, starb im April im Alter von 77 Jahren. Was bei der dadurch erforderlich gewordenen Nachwahl nun folgte, ist der erste Tory-Wahlsieg über Labour in einer Nachwahl seit 1982 - und der erste Sieg der Konservativen in diesem Wahlbezirk seit dessen Gründung 1983.
"Ende von New Labour"
Parteichef Cameron hob hervor, dass in Crewe tausende Wähler für seine Partei gestimmt hätten, die vorher nie die Konservativen gewählt hatten. Der Urnengang habe "das Ende von New Labour" eingeläutet. Für die kommenden Monate kündigte Cameron an, "ein großes Bündnis für den Wandel in unserem Land" zu schmieden, "um unserem Land eine bessere Regierung zu verschaffen".
Unmutsbekundungen
Auf die Mehrheitsverhältnisse im Unterhaus hat das Nachwahlergebnis keinerlei Einfluss - Labour liegt weiterhin mit gut 60 Mandaten vor allen anderen Parteien in Führung. Zudem gelten Nachwahlen grundsätzlich als Unmutsbekundungen, die sich bei nationalen Wahlen nicht im selben Ausmaß wiederholen. Aber sollte sich bei der spätestens 2010 abzuhaltenden Unterhauswahl der Trend von Crewe und Nantwich wiederholen, würden die Konservativen fast fünfmal so viele Wahlkreise gewinnen wie Labour. Auch in den Meinungsumfragen liegen die Tories derzeit landesweit 20 Prozentpunkte vor Labour.
Brown unter Druck
Auch dürfte der Triumph der Konservativen neuerliche Rufe nach einem Rücktritt Browns laut werden lassen. Der Premierminister steht seit den verlorenen Kommunalwahlen auch in seiner eigenen Partei stark unter Druck. Dabei hatte die Labour-Partei das schlechteste Wahlergebnis seit Jahrzehnten erzielt und den Bürgermeisterposten in London verloren.
Gründe für Wahlschlappe
Brown erklärte, die Wähler hätten offensichtlich ihrer Sorge über die derzeit hohen Lebenshaltungskosten Ausdruck verschafft. Steigende Preise für Nahrungsmittel, Benzin, Gas und Elektrizität hätten die Menschen in Großbritannien verunsichert. Er werde sich deshalb stärker denn je für eine Verbesserung der Wirtschaftslage einsetzen, betonte Brown. Zuvor war bekanntgeworden, dass das britische Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal 2007 und im ersten Quartal 2008 um lediglich 0,4 Prozent gestiegen war - der niedrigste Wert seit drei Jahren.
(apa/red)
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