Ausschreitungen erschüttern Johannesburg:
Fremdenfeindliche Unruhen und Gewaltakte
- Ausländer werden verjagt, Behausungen angezündet
- Südafrikas Polizei ist immer noch nicht Herr der Lage

·Gefangen in Spirale aus Hass & Brutalität
Südafrika: Banden jagen und morden Simbabwer
In der südafrikanischen Metropole Johannesburg wird angesichts der anhaltenden fremdenfeindlichen Gewalt der Ruf nach Eingreifen des Militärs immer lauter. Mittlerweile schlossen sich Vertreter von Hilfsorganisationen und Experten sozialwissenschaftlicher Institute der Forderung der Opposition an. Auch der Ministerpräsident der Johannesburg und Pretoria umfassenden Provinz Gauteng sprach sich indirekt dafür aus.
Die Gewalt hat inzwischen auch den Südwesten der Stadt erfasst. Im Joe Slovo-Armenviertel wurden mindestens ein Mensch getötet und zwei weitere bei Plünderungen schwer verletzt. Marodierende Banden durchsuchten systematisch ganze Viertel, Ausländer wurden verjagt und ihre Behausungen angezündet. Die Polizei nahm Dutzende Menschen wegen Raubes, Vergewaltigungen und anderer Delikte fest. Bei der außerhalb Johannesburgs gelegenen Stadt Springs kam es im Gugulethu-Everest-Armenviertel zu fremdenfeindlicher Gewalt.
"Die Leute dort wurden angegriffen - obwohl es aber nicht so schlimm war wie in anderen Gebieten. Viele flohen zur Polizeiwache", sagte ein Sprecher. Nicht bestätigen konnte er einen Bericht der Zeitung "The Mercury", wonach es auch in der Provinz KwaZulu-Natal an der Ostküste zu ausländerfeindlichen Attacken auf Mosambikaner gekommen ist.
Tausende Menschen auf der Flucht
Die Flucht hunderter Ausländer in Polizeiwachen, Kirchen und Gemeindesäle hielt unvermindert an. Dort drängen sich rund 11.000 verängstigte Menschen, die vom Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen notdürftig versorgt werden. Seit dem Ausbruch der Gewalt vor rund einer Woche im Township Alexandra sind mehr als zwei Dutzend Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden. Die Kapazität der Krankenhäuser reichte nach Angaben der Zeitung "The Star" nicht mehr für die Aufnahme der Verletzten aus.
Die Tageszeitung "The Sowetan" berichtete, dass ein wütender Mob das Haus eines Unternehmers aus dem Johannesburger Vorort Actonville in Brand gesetzt hat. Der Bauunternehmer habe im Verdacht gestanden, ausländische Arbeiter zu beschäftigen. Er sei in den Flammen ums Leben gekommen. Nach Angaben eines Polizeisprechers kamen die Täter aus nahe gelegenen Armenvierteln.
Polizei fordert Verstärkung an
Unterdessen hat die Polizei - die von sich selbst behauptet, die Lage unter Kontrolle zu haben - Verstärkung von Eliteeinheiten angefordert. Die Ausschreitungen richten sich gegen Zuwanderer aus Nachbarländern. Südafrikas Präsident Thabo Mbeki hatte in einem dringenden Appell zur Einstellung der Gewalt aufgerufen. In einer Erklärung sprach er von einer nicht zu akzeptierenden Anarchie und betonte: "Bürger anderer Staaten des afrikanischen Kontinents und darüber hinaus sind Menschen wie wir und verdienen es, von uns mit Respekt und Würde behandelt zu werden."
Umweltminister Marthinus van Schalkwyk warnte in Kapstadt vor nachhaltigen Schäden für die Tourismusindustrie. Besonders Afrikaner, die das Land zunehmend als Reiseziel entdeckten, könnten durch Fernseh- und Radioberichte über die Gewaltakte abgeschreckt werden, sagte der Minister. "Wir sind ziemlich besorgt über die Auswirkungen dieser Übergriffe." Mehr als acht Millionen Besucher reisten vergangenes Jahr nach Südafrika, das 2010 Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft ist.
(APA/red)
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