Mittwoch, 21. Mai 2008

US-Militär darf in Burma keine Hilfe leisten:
Regime verweigert weiterhin Hilfsleistungen

  • Burmas Junta schürt paranoide Ängste vor den USA
  • UNO: 1,4 Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe

Die burmesische Militärjunta öffnet das vom Zyklon "Nargis" verwüstete Land nur äußerst restriktiv für ausländische Hilfe. Mehr als zweieinhalb Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm haben die Machthaber den Vereinten Nationen erste Hubschrauberflüge in das Katastrophengebiet erlaubt, sie weigern sich aber weiter, ausländische Helfer und tausende Tonnen Hilfsgüter über Schiffe ins Land zu lassen. Die Hilfe der US-Streitkräfte werde abgelehnt, da die USA das Land einnehmen und die burmesischen Ölquellen unter ihre Kontrolle bringen wollten, schrieb das Sprachrohr des Regimes, "The New Light of Myanmar".

Vor der Küste des südostasiatischen Landes kreuzen Schiffe der amerikanischen, französischen und britischen Marine mit Hilfsladungen an Bord. Allein die vier US-Kreuzer könnten 14 Hubschrauber, Landeboote und Amphibienfahrzeuge für den Einsatz in schwer erreichbaren Gebieten des Irrawaddy-Deltas bereitstellen. Nach UNO-Schätzungen brauchen mindestens 1,4 Millionen Menschen dringend Hilfe. Von den zweieinhalb Millionen Zyklon-Opfern seien bisher nur 500.000 erreicht worden, erklärten die Vereinten Nationen. Die offizielle Zahl der Todesopfer des Zyklons liegt bei 78.000. Zusätzlich gelten 56.000 Menschen als vermisst.

Ban Ki-moon auf dem Weg nach Burma
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon ist auf dem Weg nach Burma in Thailand eingetroffen. Er hat am Freitag einen Termin beim burmesischen Juntachef General Than Shwe in der neuen Hauptstadt Naypyidaw, 350 Kilometer nördlich der Metropole Rangun, wie UNO-Nothilfekoordinator John Holmes in Bangkok berichtete. Zwei Schreiben des Generalsekretärs und mehrere telefonische Kontaktversuche waren nach Angaben der Vereinten Nationen unbeantwortet geblieben.

Ban sagte in New York kurz vor seiner Abreise nach Thailand, dass die burmesische Regierung den Einsatz von neun Hubschraubern des Welternährungsprogramms (WFP) genehmigt habe. Er ging nach eigenen Worten davon aus, dass auch die Erteilung von Visa für ausländische Helfer beschleunigt würde.

Während US-Hilfe an Land von der Junta abgelehnt wird, fliegen täglich Frachtmaschinen vom Typ C-130 Hercules fünfmal mit Hilfsgütern von Bangkok nach Rangun. Dort wird die Ladung an die Regierung übergeben, die die Verteilung der Güter nicht aus der Hand geben will. Die wirtschaftlichen Schäden gibt das Militärregime mit mehr als zehn Milliarden Dollar (6,5 Milliarden Euro) an, weshalb sie eine Geberkonferenz einberufen hat. Die Kontrolle über eventuelle Spenden will sich die Regierung offenbar selbst vorbehalten.
(Schluss) er/sm
(apa/red)

21.5.2008 13:04