Freitag, 23. Mai 2008

"Er klammerte sich an düstere Gedanken": Eine Freundin des Axtmörders im NEWS-Talk

  • Katharina Nenning kannte das Ehepaar sehr gut
  • "Reinhard war berechnend und hatte eine kalte Art"

Katharina Nenning war in den Neunzigern mit Reinhard und Barbara St. im Parlament tätig und kannte beide sehr gut. Nun erzählt die gemeinsame Freundin im NEWS-Interview, warum Reinhard schon immer als komisch galt, wie gegensätzlich das Ehepaar war und was für Gedanken Reinhard schon früher hatte.

NEWS: Wo haben Sie Reinhard St. kennen gelernt?

Katharina Nenning: Im Parlament, wo ich als Mitarbeiterin für mehrere Abgeordnete tätig war und auch er - frisch von der Uni - Anfang der Neunzigerjahre für einige SP-Mandatare tätig gewesen ist.

NEWS: Was für ein Typ war er?

Nenning: Ein komischer Kauz, der klassische Junggeselle, der immer in Filzpatschen angeschlichen kam. Bubengesicht, rote Backen und große, staunende Augen. Einer, der es sich in seinem Büro heimelig gemacht hatte, sehr belesen war und mir als Freigeist erschien, der am liebsten geschützt im Hintergrund blieb. Er wirkte gehemmt im Auftreten, ich konnte ihn mir nie mit einer Frau vorstellen, jedoch freundlich und humorvoll. Wenngleich mir schon damals seine berechnende, distanziert-kalte Art und gefühllose mechanische Abhandlung bei der Beschreibung von Dingen auffiel.

NEWS: Wie hat er Barbara kennen gelernt?

Nenning: Dass sich Barbara, die auch im Parlament arbeitete, quasi so ein "Würstchen" zum Partner nahm, überraschte uns. Die Initiative ging von ihr aus, denn er wäre viel zu schüchtern gewesen. Ich wusste, dass er schon damals Bordelle aufsuchte, von einer Freundin hat er jedoch nie berichtet. Als sie ganz "frisch" zusammen waren, erzählte sie, dass sie zwischen sich und Reinhard einen Teddy zum Schlafen legte, was ich mir bei Reinhard, der mir emotional gestört schien, gar nicht vorstellen konnte. Barbara hatte aber anscheinend eine Vorliebe für eher gehemmte Typen, da sie schon zuvor solche Partner hatte.

NEWS: Wie sah die Beziehung der beiden schließlich aus?

Nenning: Barbara war die Dominante, Aktive, die alles checkte. Sie konnte gut einteilen, planen und stand mitten im Leben, eine Madame von Welt, im Gegensatz zum introvertierten Reinhard. Barbara war sehr auf finanzielle Sicherheit bedacht, schon vor der Beziehung fragte sie ihn, natürlich halb im Spaß, halb ernst: Na, Reinhard, was hast denn schon zusammengespart?

NEWS: Während sie also Karriere machte, blieb er dort, wo er begonnen hatte?

Nenning: Genau. Er sagte, sein Traum sei es, ewig bei freier Zeiteinteilung im Parlament tätig zu sein und nebenbei zu lesen und zu studieren. Während andere diesen Job als Sprungbrett sahen, strebte er nie mehr an. Umso untypischer schien, dass er heiratete und nach Hietzing zog. Denn bis dahin gefiel er sich in der Rolle des schludrig dahertrottenden Bohemiens.

NEWS: Und wie wird so einer zum Zocker an der Börse, der mit hochriskanten Spekulationen Geld verdienen will?

Nenning: Er mag Druck gespürt haben, erfolgreicher zu sein. Aber letztlich dürften wohl Größenwahn und Realitätsverlust zu den Spekulationen und der Verschuldung geführt haben, vielleicht weil eine psychische Erkrankung bei ihm schon länger latent vorlag.

NEWS: Deshalb rottete er schließlich seine gesamte Familie aus?

Nenning: Seine Aussage, die Familie müsse sterben, um ihr "die Schmach" zu ersparen, erscheint mir als Wahn. Ich kann mir dieses brutale, eiskalte, unfassbare Vorgehen anders nicht erklären. Reinhard schien sich schon früher mitunter an düstere, dunkle Gedanken zu klammern, doch dass aus dem "schrulligen" Kauz ein Axtmörder wurde, macht mich sprachlos.

Mehr zum spektakulären Axtmörder-Fall lesen Sie im aktuellen NEWS 21/08!

23.5.2008 20:22