Umweltminister Pröll im NEWS-Interview: Über Kanzler-Fehltritte und seine Flugreisen
- "Gusenbauers Fehltritte schwächen die Regierung"
- Umweltminister verflog 2007 die meisten Flugmeilen

·Schlechtes Image
der Regierung bleibt
Umfrage zeigt schlechte Werte für SPÖ und ÖVP
·Umweltminister Pröll ist der Spitzenflieger
Kein Regierungsmitglied sammelt mehr Flugmeilen
Bilder sagen mehr als tausend Worte: Im New Yorker Museum of Modern Art betrachtete die schwarze Zukunftshoffnung Josef Pröll auffallend lange die Erklärung zur Ausstellung des dänischen Künstlers Olafur Eliasson mit dem symbolträchtigen Titel "Take your time". Der ÖVP-Vizechef kommentiert das, nicht ohne Ironie: "Manches braucht eben seine Zeit." Im NEWS-Interview am Rande des UNO-Umweltgipfels nimmt der VP-Regierungskoordinator ausführlich zur unklaren Führungsfrage in der ÖVP, zu seiner Rolle als "ewiger Zukunftshoffnung" sowie zum vermeintlichen Friedensschluss in der großen Koalition Stellung.
NEWS: Sie sind der Minister, der 2007 die meisten Flugmeilen von allen verflog. Ist das nicht merkwürdig, gerade als Umweltminister?
Pröll: Gegenfrage: Welches Theater hätten die Grünen wohl aufgeführt, wenn ich als Umweltminister darauf verzichtet hätte, 2007 am Welt-Klimagipfel in Indonesien teilzunehmen, oder nicht zur UNO-Nachhaltigkeitskonferenz geflogen wäre oder künftig einfach darauf verzichten würde, zu den EU-Umweltministerräten zu reisen? Klar ist: Als bisher einziges Ressort sind wir dazu übergegangen, unsere Fernreisen klimaneutral abzuwickeln. Ich halte die Kritik der Grünen für populistisch und kurzsichtig.
NEWS: Bundeskanzler Gusenbauer hat den österreichischen Abgeordneten via Argentinien ausgerichtet, dass sie faul seien. Haben Sie eine ähnliche Botschaft an Ihre Kollegen in Wien?
Pröll: Ich halte es für schlecht, dass man Derartiges vom Ausland her ausrichtet. Wenn er dieser Ansicht ist, sollte er diese Diskussion in Österreich führen. Trotzdem, denke ich, handelt es sich um eine klare Themenverfehlung des Bundeskanzlers: Ich weiß von den Abgeordneten, wie viel sie leisten. Diese Abqualifizierungen haben sie sich nicht verdient. Ich halte auch diesen Sager Gusenbauers für entbehrlich.
NEWS: Das heißt, Sie glauben auch nicht mehr an den sogenannten Friedensschluss in der Koalition?
Pröll: Die Einigung vor Ostern war sehr positiv. Jetzt ist jeder gefordert, das Arbeitsprogramm auch umzusetzen. Aber solche Fehltritte von Gusenbauer schwächen nicht nur den Kanzler, sondern auch die Regierung insgesamt.
NEWS: Die von Ihnen geforderte Homo-Partnerschaft vor dem Standesamt hat ihr Chef Wilhelm Molterer klar abgelehnt. Ändert das etwas an Ihrer Meinung?
Pröll: Das ist eine Frage, die gelöst werden muss. Und sie wird auch gelöst werden. Die Homo-Partnerschaft vor dem Standesamt ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. Ich akzeptiere natürlich andere Meinungen, aber meine Position ist hier ganz klar. Ich habe das vorgeschlagen und stehe auch heute dazu. Für mich ist das auch eine Charakterfrage: Wenn ich etwas verspreche, muss ich auch dabei bleiben.
NEWS: Sind Sie wirklich zufrieden mit den nicht gelösten Führungsfragen der ÖVP? Wer bestimmt denn in der ÖVP? Exkanzler Schüssel scheint weiter den Ton anzugeben, Molterer ist formaler VP-Chef, und dann gibt es noch Sie. Glauben Sie ernsthaft, dass die ÖVP so zukunftsfit ist?
Pröll: Nach der letzten Nationalratswahl wurde ein klarer Personalwechsel vollzogen. Die Rollen wurden klar vergeben. Molterer ist Parteichef, Schüssel ist Klubobmann, und ich bin einer von vier Obmann-Stellvertretern. Wir werden mit dieser Führung bei der nächsten Wahl unseren Führungsanspruch auch umsetzen und wieder Nummer eins werden.
NEWS: Nach der Tirol-Wahl könnte es eine Regierungsumbildung geben. VP-Innenminister Günther Platter könnte nach Tirol wechseln. Haben Sie dann Ambitionen auf den Innenministerposten?
Pröll: Ich denke, dass van Staa am 9. Juni weiterregieren wird. Solche Spekulationen sind für mich überflüssig. Ich bin Umwelt- und Landwirtschaftsminister. Und meine Prioritäten sind klar. Der, der nur mit Karriereplanung beschäftigt ist, scheitert oft an seinem Ehrgeiz.
Lesen Sie das vollständige Interview im aktuellen NEWS Nr. 21/2008!
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