Nach Schuldspruch in Causa Hirtzberger:
Verurteilter und Anwalt planen Anfechtung
- 20 Jahre Haft sind für den Staatsanwalt zu wenig
- Justiz weist Meldungen von Morddrohungen zurück

·20 Jahre Haft wegen versuchten Mordes
Klarer Schuldspruch
im Mon-Chéri-Prozess
·Bruder des Opfers
'zweifellos erleichtert'
Jurist mit Strafausmaß aber nicht einverstanden
Der wegen des heimtückischen Giftanschlags auf den Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger zu 20 Jahren Haft verurteilte Helmut O. verhält sich "kooperativ, ruhig und angepasst". Das gab Oberst Peter Steiner, der Leiter der Justizanstalt Krems, bekannt. Der 56-Jährige, der sich in der Haft mustergültig verhält, habe "seinen Tagesablauf ganz normal in Angriff genommen".
Dabei wäre dem Heurigenwirt im Hinblick auf die mitternächtliche Urteilsverkündung sogar ein späterer "Weckruf" zugestanden worden. Helmut O. verzichtete darauf, um sich auf den vormittäglichen Besuch seines Verteidigers Nikolaus Rast vorzubereiten, der den einstimmigen Schuldspruch wegen versuchten Mordes bekämpfen wird.
Auch unmittelbar nach der Urteilsverkündung habe sich Helmut O. ruhig verhalten, berichtete Oberst Steiner. Bevor er in seine Zelle abgeführt wurde, nahm sich noch eine Psychologin seiner an. "Schon während der Beratung der Geschworenen sind ihm unsere Fachdienste und erfahrene Justizwachebeamte zur Verfügung gestanden, die mit ihm gesprochen und ihn während der Wartezeit begleitet haben", so der Anstaltsleiter. Sowohl in diesem Zeitraum als auch unmittelbar nach seiner Verurteilung habe sich "keine krisenhafte Situation ergeben".
Keine Morddrohungen gegen Helmut O.
Gerüchte, wonach Helmut O. im Vorfeld seiner Verhandlung Morddrohungen erhalten haben soll, wies Steiner zurück: "Das ist in keinster Weise richtig. Mir sind weder schriftliche noch sonstige Drohungen bekannt."
Nachdem das Strafverfahren in die zweite Instanz gehen wird - über die vom Verteidiger und der Anklagebehörde angekündigten Rechtsmittel muss der Oberste Gerichtshof (OGH) entscheiden -, bleibt der 56-Jährige bis zum endgültigen Abschluss des Verfahrens in Krems in U-Haft. Sollte der OGH das Urteil bestätigen, wird er zur Verbüßung der über ihn verhängten Freiheitsstrafe in eine ordentliche Justizvollzugsanstalt (JVA) verlegt.
In seinem Fall würde sich dafür die Strafvollzugsanstalt Stein anbieten: Diese ist als Unterbringungsort für sogenannte Kapitalverbrecher bekannt. Außerdem liegt sie gerade einmal 16,78 Kilometer vom "Klosterhof" in Spitz an der Donau entfernt - dem Ort, an dem Helmut O. als Besitzer des alt eingesessenen Betriebs zuletzt ordentlich gemeldet war.
20 Jahre für Staatsanwalt zu wenig
Staatsanwalt Friedrich Kutschera ist mit den 20 Jahren Haft für Helmut O. nicht einverstanden. Bereits unmittelbar nach der Urteilsverkündung hatte der Ankläger Berufung gegen die Strafhöhe angekündigt. Er werde das Rechtsmittel "in jedem Fall ausführen", bekräftigte Kutschera: "Helmut O. hat lebenslang verdient."
Er finde, dass in diesem Fall einzig und allein die Höchststrafe schuld- und tatangemessen sei, gab Kutschera zu bedenken. "Die besondere Heimtücke der Tat, die besonders sorgfältige Tatvorbereitung und die katastrophalen Folgen für das Opfer kann man einfach nicht außer Acht lassen", so der Staatsanwalt.
Der beliebte Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger hatte am 9. Februar 2008 eine mit einer an sich mehrfach tödlichen Dosis Strychnin präparierte Mon Cheri-Praline gegessen, die ihm laut nicht rechtskräftigem Urteil Helmut O. zukommen ließ, um sich - so der Tenor der Anklage - am Ortsvorsteher für die verzögerte Umwidmung seiner Grundstücke in Bauland zu revanchieren. Helmut O. bestreitet das aufs Entschiedenste.
Hirtzberger bleibt Pflegefall
Hirtzberger wird dem renommierten Gerichtsmediziner Christian Reiter zufolge bis an sein Lebensende ein Pflegefall bleiben. In Folge der Vergiftung sind laut Reiter "schwere, irreparable Schäden des Gehirngewebes" aufgetreten: "Es ist mit einer lebenslangen Behinderung zu rechnen." Nach Darstellung der Ehefrau des Bürgermeisters, Renate Hirtzberger, liegt ihr Mann, der derzeit im Klinikum St. Pölten behandelt wird, in einer Art Wachkoma. Es gehe ihm "sehr schlecht".
(APA/red)
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