Dienstag, 20. Mai 2008

Insel der Seeligen: "Global Peace Index" erklärt Island zum sichersten Land der Welt

  • Österreich im Ranking auf dem zehnten Platz gelandet
  • Kleine, stabile Länder eher als friedlich einzuschätzen

Der in London zum zweiten Mal veröffentlichte "Global Peace Index" der Economist Intelligence Unit (EIU) hat Österreich zum zehntsichersten Land der Welt gekürt. Heuer wurden insgesamt 140 Länder bewertet. Ausschlaggebend waren Faktoren wie die Anzahl von Häftlingen und die Militärausgaben. Island gilt als das sicherste Land der Welt, den Schluss der Liste bildet der Irak.

Österreich hat sich dank seiner geringen Zahl an "Toten durch interne Konflikte" im Vergleich zum vorigen Jahr verbessert. Im regionalen Ranking ergatterte die Alpenrepublik sogar den achten Platz, noch vor Deutschland und der Schweiz.

Je höher Bildung & Einkommen, desto friedlicher
International hat sich die Lage laut EIU seit vergangenem Jahr verbessert. Island, heuer zum ersten Mal dabei, drängte den Vorjahressieger Norwegen auf Platz drei, hinter Dänemark. Auch sonst ist Europa in den "Top Ten" stark vertreten, Irland, Portugal, Finnland und Luxemburg belegen die Plätze sechs bis neun. Insgesamt zeigt die Studie, dass kleine, stabile Länder, die Teil eines regionalen Blocks wie beispielsweise der EU sind, am ehesten als friedlich einzuschätzen sind. Einkommen und Bildung seien dabei entscheidende Maßstäbe für die Friedfertigkeit.

Island hat Anspruch auf Sitz im UN-Sicherheitsrat
Island sieht sich durch das Prädikat "Friedlichstes Land der Welt" in seinem Anspruch auf einen nicht-ständigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat bestätigt. Außenministerin Ingiborg Solrun Gisladottir sagte in einer Reaktion auf das Top-Ranking unter 140 Nationen, der Index bestätige die "zentralen Werte einer demokratischen Gesellschaft im Norden, die nie ein Militär gehabt habe und seit Hunderten von Jahren effektiv Frieden praktiziert" habe.

Sie hoffe, dass dieser Umstand bei der Kandidatur ihres Landes um den Sicherheitsratssitz auch von anderen Staaten anerkannt werde, so die Ministerin. Island bewirbt sich für die Jahre 2009 und 2010 im Wettbewerb mit Österreich und der Türkei um einen der zehn nicht-ständigen Sitze im Weltsicherheitsrat. Österreich landete in der Liste der friedlichsten Länder an zehnter, die Türkei nur an 115. Stelle. Die Entscheidung soll im Herbst dieses Jahres fallen.

Vor knapp vier Wochen hatte Island bei den Vereinten Nationen Protest eingelegt, nachdem UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "profil" gesagt hatte, er hoffe persönlich, dass Österreich den Zuschlag für den Sicherheitsratssitz erhalten werde. Ban Ki-moon ließ anschließend klarstellen, dass er diese Aussage als Privatperson und nicht in seiner Funktion als Generalsekretär der Vereinten Nationen gemacht habe.

Krisenstimmung: Russland auf Platz 131
Japan und Neuseeland sind die einzigen beiden G-8-Staaten, die es unter die ersten zehn geschafft haben, während die USA erst auf Platz 97 zu finden ist und Russland gar den 131. Platz belegt. Andere Schlusslichter sind Somalia, der Sudan, Afghanistan, Israel und der Tschad, wo die dort stationierte EUFOR-Friedenstruppe seit Anfang des Jahres auch aus österreichischen Bundesheersoldaten besteht.

Der Friedensindex wurde 2007 erstmals veröffentlicht und soll bis 2009 im Jahresabstand dreimal erscheinen, danach werde über die Häufigkeit endgültig entschieden. Der Index wird von Prominenten wie dem Dalai Lama, Erzbischof Desmond Tutu, Ex-US-Präsident Jimmy Carter und Königin Noor von Jordanien unterstützt. (APA/red)

20.5.2008 19:42