Dienstag, 20. Mai 2008

Eigener Sohn belastet Helmut O. schwer:
"Er hat gesagt, er plant, ihn umzubringen"

  • 23-jähriger Sohn lässt kein gutes Haar am Vater
  • DNA-Verfälschung: Söhne mussten Speichel abgeben

Beim Prozessauftakt um den Giftanschlag auf den Bürgermeister von Spitz an der Donau (Bezirk Krems), Hannes Hirtzberger, ist der Angeklagte Helmut O. am Landesgericht Krems von seinen Söhnen schwer belastet worden. So erklärte etwa ein 23-Jähriger, sein Vater sei "schon lange auf Hirtzberger böse" und mit diesem "verfeindet", weil ihn der Ortsvorsteher bei der Umwidmung seines Grundstückes behindert habe. Und weiter: "Er hat gesagt, dass er irgendwann plant, ihn umzubringen." Helmut O. bestritt, die Tat verübt zu haben und gab an, auch kein Motiv gehabt zu haben. Die Verhandlung wird fortgesetzt, dann soll es auch ein Urteil geben.

Der Vater habe ihn "im Vertrauen" wissen lassen, "dass noch Rechnungen zu begleichen sind, bevor er stirbt", gab der 23-Jährige zu Protokoll. Die Drohung gegen den Bürgermeister habe sein Vater "einige Male dezidiert" ausgesprochen, so der Zeuge. Seinem Vater sei Derartiges "prinzipiell sehr wohl zuzutrauen. Dafür kenne ich ihn gut genug", meinte der Sohn.

Helmut O. habe den 23-Jährigen nach der Tat im Februar in einem Wiener Studentenheim besucht. Er sei damals mit hohem Fieber im Bett gelegen und habe den Besucher daher abwimmeln wollen, was jedoch nicht gelang, so der Zeuge. Helmut O. sei nach dem Betreten des Zimmers sofort "auf die Sache mit Hirtzberger" zu sprechen gekommen und habe die Befürchtung geäußert, dass man ihm den Giftanschlag in die Schuhe schieben wolle, mit dem er nichts zu tun habe.

Speichel des Sohnes erbeten
Sein Vater habe ihn im Hinblick darauf zu einer "Vorsichtsmaßnahme" gedrängt und ihn aufgefordert, in ein eigens mitgebrachtes leeres Marmeladeglas zu spucken, offenbarte der 23-jährige Sohn: "Er hat gesagt, ich soll das vollspucken oder halb voll halt, damit er sich das reinhauen kann, um die DNA-Spur zu verfälschen, wenn er bei der Polizei einen Mundhöhlenabstrich abgeben muss. Ich war ziemlich schockiert." Sein Vater habe ihn jedoch "so lange penetrierend genervt, dass ich gesagt hab', ich will meine Ruhe haben, ich will nur mehr ins Bett. Ich hab's daher gemacht".

Der 23-Jährige wollte das Glas samt Inhalt später zurück haben und fuhr daher mit seinem Bruder zu dem Beschuldigten. Dem Zeugen zufolge soll Helmut O. seinen Kindern beschieden haben, er habe "das Glas schon weggeworfen". In Wahrheit hatte Helmut O. laut Anklage am 19. Februar der Polizei eine DNA-Probe hinterlassen, die mit dem Speichel von einem seiner Söhne kontaminiert war, um - so Staatsanwalt Friedrich Kutschera - mit einem verfälschten Beweismittel von sich abzulenken. Auf der Innenseite einer Grußkarte, die dem Mon Cheri beigelegt war, mit dem vermutlich der Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger mit Strychnin vergiftet wurde, hatten die Ermittler einen genetischen Fingerabdruck des Heurigenwirten sichergestellt.

Eingespielt per Video wurde auch eine Einvernahme des zweiten Sohnes des Beschuldigten. Der 22-Jährige gab dabei an, auch er sei von seinem Vater gebeten worden, in ein Marillenglas zu spucken um den Mundabstrich zu manipulieren. Der Sohn lehnte dies aber ab.

Plausible Mischspur
Die These, dass der Angeklagte Helmut O. am 19. Februar der Polizei eine DNA-Probe hinterlassen hatte, die mit dem Speichel von einem seiner Söhne kontaminiert war, wurde von der Sachverständigen Christa Nussbaumer untermauert. Es sei "plausibel", dass an der sichergestellten Mischspur aus dem Mund von O. auch genetisches Material eines seiner Söhne dabei gewesen sei. Die Mischspur erkläre sich aus den genetischen Abdrücken des Beschuldigten und des 23-Jährigen, führte Nussbaumer an.

Der 56-Jährige stritt ab, überhaupt ein Motiv für einen Anschlag auf Hirtzberger zu haben: "Wir kennen uns seit 35 Jahren, sind miteinander per Du! Er war mein Anwalt, ich habe ihn auch meinem Vater als Anwalt empfohlen. Sie können keinen Hass von mir auf den Bürgermeister konstruieren!" Helmut O. weiters: "Ich habe den Bürgermeister nicht vergiftet! Ich habe nichts hinter dem Scheibenwischer an seinem Pkw deponiert!", bekräftigte der 56-Jährige.

"Wie kommt die DNA von ihrem Sohn in ihrem Mund?", lautete eine Frage des Gerichts. "Ich sage gegen meine Kinder nicht aus", so die Antwort des Beschuldigten. Wie seine DNA auf die Grußkarte gelangt sei, die offensichtlich der präparierten Praline beigelegt wurde? Dazu meinte Helmut O. sinngemäß, dass es sehr einfach sei, die DNA von jemandem zu beschaffen, um diesen zu belasten, "wenn man's drauf anlegt". Er deutete an, man habe sich offenbar in seinem Lokal seine DNA beschafft, um den Verdacht auf ihn zu lenken. (APA/red)

20.5.2008 12:03