Mittwoch, 14. Mai 2008

Psychopharmaka harmloser als ihr Ruf: Schmerz- & Beruhigungsmittel gefährlicher

  • Im Hustensaft: Inhaltsstoff Codein macht süchtig
  • Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer

Die meisten Psychopharmaka, die zur langfristigen Behandlung seelischer Erkrankungen eingesetzt werden, machen weder körperlich noch psychisch abhängig. So entwickle sich beispielsweise bei Antidepressiva und Neuroleptika auch bei einer Anwendung über viele Jahre keine Sucht, versicherte jetzt Ursula Havemann-Reinecke von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde. Zu den am häufigsten missbrauchten Medikamentengruppen gehörten dagegen Schlafmittel, Schmerzmittel, Beruhigungsmittel und Aufputschmittel.

"In etwa 80 Prozent der Fälle von Medikamentenabhängigkeit nehmen die Betroffenen Benzodiazepine ein, die zu den Beruhigungsmitteln zählen", erklärt die Expertin. Aber auch das Schmerzmittel Codein, das auch in einigen Hustensäften enthalten sei, habe ein hohes Suchtpotenzial. Bei solchen Medikamenten könnten Stress im Beruf, familiäre Konflikte, Lust- und Antriebslosigkeit oder Schlaflosigkeit schnell zu einem problematischen Konsum führen.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland bis zu 1,9 Millionen Menschen von Arzneimitteln abhängig. Der problematische Gebrauch von Wirkstoffen steigt laut Havemann-Reinecke mit dem Alter an. Frauen seien beinahe doppelt so häufig davon betroffen wie Männer. "Die Betroffenen wenden sich bei der Beschaffung der Arzneimittel häufig an mehrere Ärzte und Apotheker", erläuterte die Ärztin für Neurologie und Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Göttingen. Oft werde die Abhängigkeit daher erst dann auffällig, wenn psychische und körperliche Folgeerscheinungen aufträten. (APA/red)

14.5.2008 16:03