Freitag, 16. Mai 2008

Starker Euro, hoher Ölpreis & Finanzkrise:
Die Wirtschaftslage in der FORMAT-Analyse

  • Europas Wirtschaft muss der Stärke des Euro trotzen
  • Weltweite Finanzkrise ist offenbar noch nicht zu Ende

Die Konjunktur schwächelt. Finanzkrise, hohe Rohstoffpreise und der starke Euro drücken auf das Wirtschaftswachstum. Stagnierende Reallöhne führen zu einem Käuferstreik.

Die nächsten 20 Jahre sind Europas Jahrzehnte. Davon ist Wolfgang Eder überzeugt. "Die Kreativität und Forschungskompetenz in der EU der 27 wird unterschätzt. Im Vergleich mit den USA sind wir hier in einem konstanten Aufholprozess, das bescheinigen mir auch unsere amerikanischen Investoren", sagt der Vorstandschef des Stahlerzeugers voestalpine.

Weil sich die Unternehmen so flexibel auf die Entwicklungen der Rohstoffpreise und Wechselkurse einstellen könnten, seien auch der hohe Ölpreis und der starke Euro kein großes Problem. "Noch vor ein paar Jahren sagte man, wenn der Ölpreis über 50 Dollar geht, ist die Wirtschaft kaputt. Jetzt ist er über 100, und die Wirtschaft läuft immer noch", so Eder. Beim Euro sei das ähnlich.

Euro macht Druck auf Industrie
Das ist in einer gesamthaften Betrachtung sicher der Fall. In einigen Branchen drücken die teure Energie und der starke Euro allerdings schon jetzt auf die Margen - etwa im Maschinenbau und bei manchen Erzeugern hochwertiger Konsumgüter wie Swarovski. Auch die Auftragseingänge haben sich über die gesamte Industrie hinweg eingebremst.

Gar nicht zu reden von den Verbrauchern, die den aktuellen Konjunkturzyklus überhaupt ausgelassen haben. Im Vorjahr legte der private Konsum real nur um 1,4 Prozent zu. Heuer und im nächsten Jahr soll er um 1,6 Prozent steigen. Die Kaufzurückhaltung ist nicht verwunderlich: Die Reallöhne haben im vergangenen Jahr mit einem Plus von 0,1 Prozent quasi stagniert, und auch im Jahr 2006 sind sie - trotz guter Konjunktur - nur um 0,5 Prozent gestiegen.

Finanzkrise noch nicht ausgestanden
Die Finanzkrise greift über. Die Frage, die sich Volkswirte, Banker und Unternehmer derzeit am häufigsten stellen, ist: Wie stark wird sich die von den USA ausgehende Bankenkrise auf Industrie und Dienstleister auswirken? "Ob die Finanzkrise schon ausgestanden ist, ist schwer abzuschätzen. Für eine Entwarnung ist es noch zu früh", sagt RZB-Firmenkundenvorstand Karl Sevelda (siehe Interview auf Seite 44). Man dürfe aber den psychologischen Effekt nicht unterschätzen. Wenn man ständig über Krisen spricht, kämen sie auch. "Durch die Verteuerung der Kredite spüren die Unternehmen aber sehr wohl schon jetzt direkte Effekte." Auch Gerüchte über Finanzierungsprobleme von großen internationalen Private-Equity-Fonds wollen nicht verstummen. Noch sind nicht alle Informationen auf dem Tisch, bei welchen Banken diese Fonds ihre - meist zu kurzfristigen - Kredite laufen haben.

Gar nicht rosig sieht auch Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV), die Lage: "Es kann keine Rede davon sein, dass man schon wieder zur Tagesordnung übergehen kann." Weltweit seien in der Krise enorme Mengen an Kapital vernichtet worden. "Die Verluste werden uns noch viele Quartale beschäftigen."

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16.5.2008 14:56