Donnerstag, 15. Mai 2008

Irak-Projekt Auslöser des AUA-Dilemmas:
Scheich plante Verbindung Bagdad - Westen

  • Projekt wurde von AUA-Führung aber abgelehnt
  • Sicherheitsrisiko aufgrund des Krieges zu groß

Der saudi-arabische Geschäftsmann Mohamed Bin Issa Al Jaber hatte offenbar hochfliegende Pläne mit der Austrian Airlines (AUA). Es sei ihm nicht nur um eine Beteiligung an der AUA, sondern vielmehr um eine "Wiedergeburt" der kriegsbedingt am Boden liegenden irakischen "Iraqi Airways" gegangen. AUA-Boss Alfred Ötsch bestätigte den Wunsch, "mit AUA-Maschinen eine Verbindung aus Bagdad mit dem Westen herzustellen". Das habe die AUA abgelehnt.

Kriegsbedingt liegt die nationale irakische Fluglinie Iraqi Airways ebenso wie der Flughafen Bagdad schon länger am Boden. Im Zuge des Wiederaufbaus des Landes sollten die Fluglinie und der schwer zerstörte Flughafen mit Milliarden offenbar wieder flott gemacht werden. An dem Projekt ist auch Al Jaber beteiligt. Seine Idee: Da die Iraqi Airways ihre gesamte - ohnehin total veraltete - Flotte schon im zweiten Golfkrieg an geheime Standorte im Ausland - hauptsächlich Jordanien - verlagert hatte, hat sie keine Maschinen. Offenbar sollte hier die AUA einspringen, sie sollte rund zehn Flugzeuge bereitstellen und/oder selbst bis zu acht Destinationen im Irak anfliegen, schreibt "Die Presse".

Ötsch bestätigt die Idee: "Es wurde der Wunsch an uns herangetragen, mit AUA-Flugzeugen und -Besatzung ab Herbst eine Verbindung aus Bagdad heraus mit dem Westen herzustellen. Das haben wir abgelehnt. Über weitere Zusammenhänge können wir keine Aussagen tätigen, weil wir um Vertraulichkeit gebeten wurden", hieß es.

Zu großes Sicherheitsrisiko
Dem Plan, quasi als "Geburtshelfer" für die Iraqi Airways zu fungieren, wollte und konnte Ötsch allein wegen des Sicherheitsrisikos nicht zustimmen, heißt es im Bericht weiter. Die AUA selbst hat ihre im Jänner 2007 aufgenommenen Flüge in die nordirakische Stadt Erbil im Sommer 2007 aus Sicherheitsgründen wieder eingestellt. Erst im April 2008 wurde die Route wieder ins Programm genommen.

Derzeit rüste der Irak seinen Luftverkehr mit US-Hilfe wieder auf. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass die Bereiche Bodenabfertigung, Wartung und Catering zu jeweils 60 Prozent privatisiert werden sollen, um damit rund 100 Mio. Dollar (65 Mio. Euro) in die Kassen zu bekommen. Ende März orderte der Irak bei Boeing und Bombardier 50 Flugzeuge im Wert von knapp sechs Mrd. Dollar.

Milliardenprojekt mit Flughafen Wien?
Bei einem weiteren Milliardenprojekt gehe es um eine Flughafen-City mit Hotels, Einkaufszentren und Appartement-Häusern in Bagdad nach dem Vorbild des Mega-Airport von Dubai. Gerüchten zufolge soll Al Jabers rechte Hand, Generali-Manager Klaus Edelhauser, deshalb schon beim Flughafen Wien vorgefühlt haben. Das stellt Flughafen-Boss Herbert Kaufmann jedoch in Abrede: "Es gibt keine Verhandlungen, Bagdad ist für uns kein Thema", wird Kaufmann zitiert.

Erst vor Kurzem ist der seit Monaten geplante Einstieg von Al Jaber mit 150 bzw. 200 Mio. Euro bei der AUA gescheitert. Der Investor hatte bereits Ende April erklärt, er ziehe seine geplante Investition zurück. Der Grund: Er sei durch die Vorlage eines unerwartet schlechten Quartalsergebnisses - ein Verlust von 60 Mio. Euro - "in die Irre geführt" worden. Formal ist noch eine kleine Tür offen: Die AUA hat die Frist für die Vorlage einer notwendigen Bankgarantie bis zum 21. Mai verlängert. (apa/red)

15.5.2008 22:22