AUA und ÖIAG bei Al Jaber "abgestürzt": Verhärtete Fronten lassen Einstieg erlahmen
- Al Jaber fühlt sich von ÖIAG "hinters Licht geführt"
- AUA weist Irreführung des Investors klar zurück

·AUA ohne Al Jaber
"keine Katastrophe"
Analysten: Fluglinie nicht auf Investor angewiesen
·Ötsch muss laut ÖIAG
nicht zurücktreten
Al Jaber fühlt sich jedoch
"in die Irre geführt"
·Luftfahrt: "Karten werden neu gemischt"
AUA-Chef Alfred Ötsch
im NEWS-Interview
·Nach Turbulenzen plant AUA Kurswechsel
Neuer Strategie-Partner ist nicht ausgeschlossen
·AUA: Offen für neue Investitionspartner
Fluglinien-Boss Ötsch im Interview mit NEWS
Der Einstieg des arabisch-österreichischen Investors Al Jaber bei der Austrian Airlines (AUA) ist de facto geplatzt. Eine Frist zur Vorlage einer geforderten Bankgarantie lief um Mitternacht ungenutzt aus, zudem hat sich Al Jaber erstmals seit Beginn der Investitionsverhandlungen selbst zu Wort gemeldet - mit massiven Vorwürfen gegen AUA-Hauptaktionär ÖIAG. ÖIAG-Chef Peter Michaelis habe eine per Handschlag geschlossene Vereinbarung gebrochen, damit gelte für ihn der Ende April bekanntgegebene Rückzug, teilte Al Jaber mit.
Eine von der AUA in der Früh bekannt gegebene Verlängerung der Frist für die Vorlage einer Bankgarantie durch Al Jaber bis zum 21. Mai hat damit nach Ansicht von Experten wohl "nur noch kosmetische Bedeutung". Denn der Investor sieht sich durch die Vorkommnisse nicht mehr an seine ursprüngliche Finanzierungszusage gebunden. Damit habe die von der AUA verlängerte Frist für die Bankgarantie "keine Relevanz mehr", sagte ein Sprecher Al Jabers.
AUA weist "Irreführung" verhement zurück
Nach den bisherigen Vertragsvereinbarungen sollte Al Jaber 150 Mio. Euro in die AUA investieren. Da er sich aber durch die Vorlage eines unerwartet schlechten Quartalsverlustes von 60 Mio. Euro "arglistig in die Irre geführt" fühlte, betrachtet er seinen "Vorvertrag" für die Investition als ungültig. Die AUA wies erneut den "in mehreren Schreiben" geäußerten Vorwurf der Irreführung vehement zurück. Eine gerichtliche Anfechtung, "die erforderlich wäre", sei nicht erfolgt, betonte die AUA, die die Vorwürfe zugleich "auf das Schärfste zurückwies". Man gehe deshalb "von gültigen Verträgen aus". Die AUA kündigte Klagen gegen Al Jaber an, möglich seien Klagen auf Erfüllung oder Schadenersatz.
Ötsch: Geplanter Einstieg ein "Theater"
AUA-Chef Alfred Ötsch erklärte, er rechne nicht mehr mit dem Einstieg Al Jabers. Die Vorgänge um den geplanten Einstieg des Investors, der schließlich doch nicht kam, bezeichnete Ötsch erstmals selbst als "Theater". Die AUA verhalte sich "vertragstreu", "um unsere Ansprüche nicht zu schmälern". Die AUA werde ihr Expansionsprogramm in den Nahen Osten auch ohne Al Jaber durchziehen, so Ötsch. Er denke nicht an Rücktritt.
Al Jaber: Vom ÖIAG "hinters Licht geführt"
Al Jaber gibt der ÖIAG die Schuld am Nichtzustandekommen des Deals. Man hätte sich gern an der AUA beteiligt, "wir stellen allerdings fest, dass die ÖIAG kein Interesse an unserem Investment und damit an der Selbstständigkeit der AUA hat", erklärte der Investor. Al Jaber fühlt sich von AUA und ÖIAG auch durch die angebliche Nichteinhaltung eines paktierten "Vier-Punkte-Programms" unter Vermittlung durch Finanzminister Wilhelm Molterer "hinters Licht geführt". Es habe mit ÖIAG-Vorstand Michaelis seit dem Tag der AUA-Hauptversammlung am 7. Mai keine Gespräche mehr gegeben. Al Jaber habe "aus den Medien" erfahren, "dass Dr. Michaelis den Deal für geplatzt erklärt hat". (apa/red)

