Austrias Blanchard glaubt an Landsmänner:
"Frankreich hat das größte Talent bei EM"
- 35-Jähriger: "Technisch und taktisch sind sie perfekt"
- Lyon-Stürmer Benzema "auf einer Stufe mit Ronaldo"

·Juve-Star Trezeguet
rauft sich die Haare
EURO muss auf nächste
Tormaschine verzichten
·Domenech glaubt
an sich am meisten
Frankreichs Teamchef vom EM-Titel überzeugt
·Franzosen bringen den Hahn nicht mit
Gallischer Hahn ist Maskottchen der "Bleus"
Selbst hat er die Schuhe nie für die "Equipe Tricolore" geschnürt. Dennoch ist Jocelyn Blanchard ein Experte im französischen Fußball. Der Mittelfeldmann spielte in seiner Heimat unter anderem für den FC Metz (1995 -1998) sowie als Kapitän für den RC Lens (1999 - 2003). Seine Landsleute hält der Austria-Kapitän bei der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz trotz der schweren Vorrunden-Gruppe C mit Weltmeister Italien, den Niederlanden und Rumänien für die absoluten Topfavoriten.
"Frankreich hat für mich das größte Talent von allen", begründete Blanchard. Mit der Klasse der Franzosen könne am ehesten die junge Generation Spaniens mithalten. Als weitere EM-Titelkandidaten nannte der 35-Jährige Italien, Deutschland und Portugal. "Aber wenn Frankreich seine Harmonie findet, sind sie schwer zu schlagen. Das Team ist auf allen Positionen unglaublich gut besetzt." Vor allem die Qualität der Stürmer spreche für den Weltmeister von 1998.
Bei Kalibern wie Thierry Henry, Nicolas Anelka und Lyon-Jungstar Karim Benzema hätte es sich Teamchef Raymond Domenech sogar leisten können, auf Juventus-Goalgetter David Trezeguet zu verzichten. "Trainer zu sein ist kein leichter Job. Man muss auf die Stürmer setzen, die zusammenpassen", erklärte Blanchard. Wichtig sei ausschließlich die Effektivität. "International bekommst du nicht zehn Chancen in einem Spiel, sondern vielleicht zwei oder drei."
"Auf einer Stufe mit Ronaldo"
Angetan hat es Blanchard vor allem der 20-jährige Benzema, der 20 Saisontore für Lyon erzielt hat und um den längst Europas Topclubs buhlen. "Er ist schon einer der vier oder fünf besten Stürmer der Welt", meinte der Austria-Kapitän. Und er hat noch Entwicklungspotenzial. "Er hat eine gute Familie und einen guten Club. Er wird noch große Fortschritte machen", versprach Blanchard. "Für mich steht er auf einer Stufe mit Ronaldo."
Benzema ist das jüngste Produkt der französischen Fußball-Schule, die auch Blanchard durchlaufen hat. Ab zwölf Jahren werden die jungen Talente in Sportschulen ausgebildet, ab 16 in den sogenannten "Centres de formation", über die jeder Proficlub verfügen muss. Dort werden die Jugendlichen im Rahmen eines Drei-Stufen-Modells sehr früh mit Leistungsdruck konfrontiert. Denn ein Jahr in der untersten Kategorie hat die Eliminierung zur Folge.
Dadurch wird der Schritt ins Profi-Geschäft erleichtert. "Mit 18 Jahren kennt der Spieler alles, er weiß alles. In diesem Alter sind die Spieler in Frankreich viel weiter als in Österreich", bestätigte Blanchard. Das liegt auch an den Trainern. In den französischen Akademien wird auf hochqualifiziertes Personal gesetzt. "Technisch und taktisch sind die Franzosen perfekt. Nur mit jungen Spielern gewinnt man aber kein Turnier", versicherte Blanchard.
Lange Saison einziger Nachteil
Es gehe um die Mischung, die Integration von Routiniers wie Thuram oder Makelele. Domenechs wichtigste Aufgabe sei es, im kurzen Camp in Tignes und Clairefontaine für Zusammenhalt zu sorgen. Als einzigen Nachteil für die "Bleus" sieht Blanchard die lange Saison. "Kein Land hat so viele Spieler bei internationalen Topclubs wie Frankreich. Für die gibt es keine Regeneration", erinnerte der Mittelfeldspieler, der sich auf ein hochklassiges Turnier einstellt. "Das Niveau ist bei einer EM immer höher als bei einer WM." (apa/red)
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