14.5.2008 14:36

Für Trapattoni zählt Italien zu Favoriten:
Zielorientierung könnte größter Trumpf sein

  • Defensivapostel: "Das Ziel ist immer das Ergebnis"
  • "Maestro" sieht zahlreiche Konkurrenten um den Titel

Er gilt nicht ohne Grund als Defensivapostel. Giovanni Trapattoni zählt das italienische Fußball-Nationalteam wegen seiner Zielorientierung zu den Favoriten der EURO 2008. "Das ist unsere Mentalität. Das Ziel ist immer das Ergebnis", erklärt der ehemalige Salzburg-Trainer, der die "Squadra Azzurra" von 2000 bis 2004 betreut hatte. "Bei einem Turnier ist diese Einstellung sehr wichtig."

Mit jenem Team, das Trapattoni mit mäßigem Erfolg zur WM 2002 nach Japan/Südkorea (Achtelfinal-Aus) und zur EM 2004 nach Portugal (Vorrunden-Aus) geführt hatte, hat die aktuelle "Squadra" aber nur sehr wenig zu tun. "Der Unterschied ist groß, weil ich damals eine altgediente Mannschaft übernommen habe. Ich habe mit der Erneuerungsarbeit beginnen müssen", erinnerte der 69-Jährige. "Ich habe keinen Spieler gehabt wie Luca Toni."

EM-Abschneiden 2004 schmerzt "Trap" noch immer
Statt diesem war 2004 Antonio Cassano zum tragischen Helden avanciert. Der Stürmer traf im abschließenden EM-Gruppenspiel gegen Bulgarien zum wertlosen 2:1, weil Schweden und Dänemark mit einem 2:2 ins Viertelfinale eingezogen waren. Der Schmerz des Scheiterns sitzt auch bei Trapattoni noch tief - eine Hypothek, die ihn nicht mehr in seiner Heimat arbeiten lässt. "Jeder erinnert sich an das schlechte Ergebnis. Das ist eine Erfahrung, die ich gemacht habe."

Trapattoni hätte laut eigenen Angaben schon in den 70er Jahren Teamchef werden können, hatte aber in weiser Voraussicht abgelehnt. "Es gibt die Geschichte. Als ich 40 Jahre war, hätte ich schon Nationaltrainer werden können. Aber das war noch nicht meine Zeit. Das wäre zu früh gewesen. Du musst zum Nationalteam gehen, wenn du alt bist, wenn du mehr Erfahrung hast", sagte der meistdekorierte Clubtrainer Europas über den "Schleudersitz", auf dem im Moment der 44-jährige Roberto Donadoni sitzt.

"Maestro" holte heutige Spieler ins Team
Einige Spieler, die heute beim Weltmeister sehr wichtige Rollen bekleiden, habe aber er selbst ins Nationalteam geholt, erinnerte Trapattoni. Neben Fabio Grosso und Daniele De Rossi nannte der "Maestro" vor allem Mittelfeldspieler Mauro Camoranesi von Juventus Turin. Als weitere Schlüsselspieler bezeichnete er Bayern-Stürmerstar Toni sowie Andrea Pirlo. "Er ist ein ganz besonderer Spieler", sagte Trapattoni über den Milan-Regisseur. "Auf seiner Position wahrscheinlich einer der besten der Welt."

Defensive als großer Trumpf
Ganz großer Trumpf der Italiener sei aber ihre Mentalität. Die Mannschaft ist sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst. Trapattoni formulierte es so: "Wenn du kein Poet bist, darfst du auch kein Gedicht schreiben." Oder anders: "Wenn du gegen Cassius Clay (Muhammad Ali) kämpfst, dann kannst du es auch nicht mit ihm aufnehmen. Sonst gehst du K.o.. Aber du kannst gegen ihn gewinnen, wenn du es richtig anlegst. So machen es wir Italiener." Defensive ist gegen spielerisch stärkere Gegner Trumpf.

Für die härtesten EM-Konkurrenten des Weltmeisters hält Trapattoni Deutschland, Spanien, Frankreich, die Niederlande und auch Österreichs Auftaktgegner Kroatien. "Kroatien kommt immer mit einer guten Einstellung zu solchen Turnieren", begründete "Trap". "Die Gruppen von Deutschland und Italien sind sicher die schwierigsten." Der WM-Dritte Deutschland trifft in Gruppe B neben den Kroaten auf Österreich und Polen, Italien in Gruppe C auf Vizeweltmeister Frankreich, die Niederlande und Rumänien.

(apa/red)

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