Montag, 12. Mai 2008

Der junge Zauberer ist groß geworden:
Ronaldo spielt die Saison seines Lebens

  • Unglaubliche Trefferquote für Manchester United
  • Anfänge in einfachen Verhältnissen auf Madeira

41 Saisontore in 47 Pflichtspielen für Manchester United, 31 davon alleine in der Premier League. Die Zahlen sprechen für sich. Cristiano Ronaldo hat das Image des trickreichen, aber ineffektiven Fußball-Zauberers längst abgelegt. Der 23-jährige Portugiese hat seine Reifeprüfung spätestens in der laufenden Saison bestanden, in der er ManU neben dem Meistertitel auch ins Finale der Champions League geführt hat. Der Stern des Flügelspielers war bereits 2004 bei der Heim-EM in Portugal aufgegangen. Vier Jahre später ist er der Superstar der EURO 2008.

Aufgewachsen war der kleine Ronaldo in einer Welt abseits von Glanz und Glamour, in ärmlichen Verhältnissen auf der Insel Madeira vor der marokkanischen Küste. Der Ehrgeiz und die Chance auf eine fundierte fußballerische Ausbildung trieben den damals schmächtigen Burschen mit elf Jahren auf das Festland - in die Akademie von Sporting Lissabon. Dort hatte er es gelernt, sich durchzubeißen. Wegen des ob seiner Herkunft eigenartigen Dialekts hatte er nicht nur eine Auseinandersetzung mit den Teamkollegen.

Fergusons Goldgriff
Mittlerweile lacht er darüber. 2003 war ManU-Trainer Alex Ferguson in einem Testspiel auf den Portugiesen aufmerksam geworden, nachdem im Jahr davor bereits ein Transfer zu Liverpool gescheitert war. Der Transfer - Manchester bezahlte 17,6 Mio. Euro für den damals 18-Jährigen - sollte sich als Goldgriff herausstellen. Niemand bei United denkt heute mehr an David Beckham, der einst wie Ronaldo das rote Trikot mit der Nummer 7 getragen hatte. Prominente Vorgänger waren auch George Best und Eric Cantona gewesen.

Dabei war Ronaldo noch vor zwei Jahren auf der Insel nur knapp der Ächtung entgangen. Der Grund: Im WM-Viertelfinale gegen England (3:1 i.E.) hatte er vehement die Rote Karte für seinen ManU-Teamkollegen Wayne Rooney gefordert. Entsprechende Reaktionen der englischen Presse blieben nicht aus. Die Zeichen standen auf Abschied, doch Ronaldo versöhnte die United-Fans mit Leistung. Im Vorjahr führte er ManU mit 17 Ligatoren zum Meistertitel, bei der Wiederholung 2007/08 stellte er die Marke noch einmal deutlich in den Schatten.

Der Beste der Welt?
Dabei ist der Frauenschwarm alles andere als ein klassischer Strafraumstürmer. Ronaldo lebt von seiner Geschwindigkeit, seiner Technik und seinen unnachahmlichen Dribblings. Die Beidbeinigkeit ermöglicht es ihm, sowohl auf dem rechten, als auch auf dem linken Flügel zu spielen. "Er ist ein unglaublicher Fußballer, vielleicht der beste der Welt", sagt Ferguson über seinen Musterschüler, der bei der jüngsten Wahl zum Weltfußballer hinter dem Brasilianer Kaka und dem Argentinier Lionel Messi Platz drei belegt hatte.

Dafür wurde Ronaldo wie im Vorjahr von sämtlichen zuständigen Gremien zum besten Spieler der Premier League gewählt - und Ferguson zur Kasse gebeten. Der Coach verlor 2007 eine Wette über 400 Pfund (500 Euro), weil er es dem Flügelflitzer nicht zugetraut hatte, mehr als 15 Saisontore zu erzielen. Mittlerweile haben sich die Engländer sogar an den früher als zu verspielt und wenig zielorientiert geltenden Spielstil Ronaldos gewöhnt - und an dessen unrühmliche Eigenart, sehr gerne und leicht zu Boden zu gehen.

Führungsspieler im Nationalteam
Im Nationalteam ist Ronaldo nach dem Rücktritt von Luis Figo trotz junger Jahre bereits zum Führungsspieler avanciert. In bisher 54 Länderspielen erzielte der vielseitige Angreifer 20 Tore, acht davon alleine in der EM-Qualifikation. Bei der Endrunde in Österreich und der Schweiz will er vor vier Jahren im Finale gegen Griechenland (0:1) Versäumtes nachholen. "Wir können den Titel holen", meinte Ronaldo, den seine Eltern 1985 nach dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan benannt hatten.

Sein Vater Dinis Aveiro verstarb im September 2005 - ein schwerer Schlag für Ronaldo, der in Manchester zurückgezogen und im Kreis seiner Familie lebt. In seiner Heimatstadt Funchal auf Madeira betreibt der Modellathlet, der unter anderem als Werbeträger für Nike, Pepe Jeans und Suzuki fungiert, mittlerweile eine Modeboutique unter dem Label "CR7". Dort, wo der schmächtige Junge mit dem außergewöhnlichen Talent einst von der großen Karriere geträumt hatte. Sein Ziel: "Ich will der beste Fußballer der Welt werden." Für viele ist er es bereits.

(apa/red)

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12.5.2008 11:45