Zenit St. Petersburg im UEFA-Cup-Himmel:
Russen bezwingten im Finale Rangers mit 2:0
- Bayern-Dompteure als würdiger Sevilla-Nachfolger
- Final-Debütant steckt sogar Feuer-Alarm locker weg

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Sieger, Verlierer und Neutrale waren nach dem Schlusspfiff des 37. Endspiels im Fußball-UEFA-Cup einer Meinung: Zenit St. Petersburg ist verdienter und würdiger Nachfolge des FC Sevilla, der zuletzt zweimal in Serie die Trophäe gewonnen hat. Der russische Meister schlug vor 47.726 Zuschauer im City-Stadion von Manchester den 51-fachen schottischen Titelträger Glasgow Rangers durch späte Tore von Igor Denisow (72.) und Konstantin Syrjanow (94.) 2:0 und holte als Final-Debütant den Cup zum zweiten Mal nach ZSKA Moskau (2005) ins Land.
"Ich bin überglücklich, solche Pokale wie diesen gewinnt man im Leben nicht so oft. Und ich bin stolz - mit der Art und Weise wie wir gespielt haben. Wir haben uns das wirklich verdient", sagte Zenit-Trainer Dick Advocaat, nachdem seine Schützlinge dem Verein den größten Erfolg und auch ihm den ersten Europacup-Triumph ausgerechnet gegen seinen Ex-Arbeitgeber (1998 bis 2002) beschert hatten. Es war kein hochklassiger Showdown, aber die Russen bestätigten gegen die lange Zeit dichte "blaue" schottische Mauer ihre technische und spielerische Versiertheit.
Rangers härterer Gegner als Bayern
Dennoch sprach Advocaat, den angeblich der einstige Wiener Star-Trainer Ernst Happel "entdeckt" haben soll, davon, dass die Rangers für seine Mannen die höhere Hürde als der im Halbfinale eliminierte FC Bayern dargestellt hätten. "Es war schwerer, das Finale zu gewinnen. Denn jeder hatte erwartet, dass wir gegen die Münchner verlieren würden. Die Erwartungen gegen Glasgow waren viel höher. Aber meine Spieler sind sehr gut mit dieser Situation umgegangen", meinte der 60-jährige "kleine General".
Rangers-Fans lösten Feuer-Alarm aus
Regisseur Andrej Arschawin und Co., die auf dem Weg nach Manchester u.a. noch Villarreal CF, Olympique Marseille und Bayer Leverkusen ausgeschaltet hatten, steckten auch eine unruhige Nacht vor dem Endspiel weg. Drei Rangers-Fans hatten in ihrem Hotel den Feueralarm ausgelöst. "Wir stürmten alle aus unseren Zimmern, glaubten es brennt", berichtete Torhüter Wjatscheslaw Malafejew über die Schrecksekunden, die keine 24 Stunden später in Jubelgesänge übergingen. Jetzt seien alle erleichtert, zufrieden und glücklich.
Seit dem Einstieg von "Gazprom" als Haupteigentümer des früheren Stalin-Vereins im Oktober 2006 gelang im Vorjahr der zweite Liga-Titel nach 1984 und jetzt die Premiere im Europacup. Aufwärts soll es auch in Zukunft gehen. Daher appellierte Advocaat, der pro Jahr drei bis vier Millionen Euro kassieren soll, dass im Hinblick auf die nächste Champions League der Verein seine besten Spieler halten müsse. Er führte das Beispiel des Slowaken Martin Skrtel an, der im Jänner ging und zu Liverpool FC wechselte. "Wir müssen das Team halten, um rotieren zu können, und mit drei, vier neuen Spielern noch besser machen."
Passiven Rangers fehlte Kreativität
Zenit, 2004 und 2005 Bezwinger der nicht mehr "existierenden" Paschinger in der UEFA-Cup-Qualifikation, erhält als Siegesprämie von der UEFA 2,5 Millionen Euro, die lange Zeit viel zu passiven Verlierer kassieren 1,5 "Mille". Das Geld ist aber kein Trost für die sportlichen Schmerzen der Schotten. Statt des vierfachen Saison-Erfolgs, ist jetzt nur noch das nationale Triple möglich. In der ersten Hälfte wäre Zenit besser gewesen, gab Rangers-Coach Walter Smith zu. "Nach der Pause kamen wir besser ins Spiel, kassierten aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt das 0:1."
"Vielleicht hat uns am Ende ein wenig die Kreativität gefehlt, um das ganz große Ziel zu erreichen. So einer wie der Mann, der heute als Spieler des Spiels gewählt wurde, hat uns gefehlt", sagte der 60-Jährige, der damit Arschawin meinte, der das vorentscheidende 1:0 mustergültig vorbereitet hatte. Kurz nach diesem Tor wurde der Ex-Austrianer Sasa Papac ausgewechselt, weil Smith auf totale Offensive umgestellte, die Flucht nach vorne antrat. Es nützte nichts. Dennoch nahm Smith sein Team in Schutz: "Sie haben in 18 Europacup-Spielen fantastische Leistungen erbracht."
Nun muss er sie vor allem für den Gewinn des nationalen Triples am Ende einer langen Saison nochmals aufrichten. "Wir sind sehr enttäuscht, hierher gereist, um die Trophäe mitzunehmen. Ich glaube, es war ein enges Spiel, aber der Gegner hat den Sieg verdient. Die Russen haben ihre Chancen eiskalt genützt", resümierte der 38-jährige Rangers-Innenverteidiger David Weir mit hängendem Kopf. Auf dem Weg ins Endspiel hatte der Europacup-Gewinner der Cupsieger von 1972 u.a. die Österreicher-Vereine Panathinaikos Athen (Ivanschitz) und Werder Bremen (Harnik) eliminiert. (apa/red)
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