Mittwoch, 14. Mai 2008

Bayern-Dompteure treffen auf Rangers:
Advocaat will mit Zenit UEFA-Cup-Sieg holen

  • Russen stehen zum ersten Mal in europäischem Finale
  • Rangers haben zweiten Europacup-Triumph im Visier

Wer tritt die Nachfolge des FC Sevilla an, der 2006 und 2007 den Fußball-UEFA-Cup gewonnen hat? Diese Frage wird heute im City-Stadion von Manchester (20.45 Uhr) von Zenit St. Petersburg und den Glasgow Rangers im Endspiel geklärt. Das Duell ist eine Premiere, denn bisher standen einander diese Vereine noch nie im Europacup gegenüber.

Während die Russen auch noch nie zuvor ein europäisches Finale erreichten haben, kämpfen die Schotten zum vierten Mal um eine UEFA-Krone, die sie am 24. Mai 1972, also vor fast genau 36 Jahren, im Europacup der Cupsieger, gewannen. Damals setzten sich die Rangers im bisher einzigen schottisch-russischen Europacup-Vergleich mit Dynamo Moskau 3:2 durch. Wenn das kein gutes Omen ist? Den zweiten Streich der Rangers möchte ein "kleine General" namens Dick Advocaat verhindern.

Dick Advocaat plant Sieg gegen Ex-Klub
Der Niederländer, der als erster Nicht-Schotte die Rangers von Sommer 1998 bis Dezember 2001 betreut und 1999 und 2000 Liga bzw. Cup-Titel gefeiert hatte, greift ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein von der Insel nach dem größten Erfolg seiner Karriere. "Gegen die Rangers im Finale anzutreten, habe ich mir schon zu Saisonbeginn gewünscht. Wir sind nur noch ein Spiel entfernt, Geschichte zu schreiben. Es ist wie ein Wunder, was derzeit in St. Petersburg passiert", sagt der Weltenbummler.

"Jeder in Europa spricht darüber, wie Zenit spielt. Das ist sensationell", betont der 60-Jährige, der spätestens seit dem 4:0-Heimtriumph über den Favoriten FC Bayern München in vieler Munde ist. Dank der Millionen aus dem Gazprom-Konzern formte der südkoreanische WM-Trainer von 2006 und langjährige Bondscoach eine schlagkräftige, technisch versierte Truppe, die vom großen Erfolgen träumt und an jenen von ZSKA Moskau (2005 im UEFA-Cup-Endspiel gegen Sporting Lissabon 3:1) anschließen möchte.

Internationaler Titel fehlt in Trophäensammlung
"Auf die Champions League müssen wir aber noch ein paar Monate warten", sagte Advocaat mit einem Lächeln. Nicht nur im Land der Zaren, sondern auch in Schottland und in seiner Heimat reichte es zu nationalen Titelehren, der internationale Coup fehlt dem kleinen Mann mit dem großen Fußball-Sachverstand aber noch. Ein Triumph im UEFA-Cup wäre für den angeblich einst vom Wiener Ernst Happel entdeckten Advocaat eine große Genugtuung. "Spielen wir so wie gegen die Bayern, haben wir eine gute Chance."

In Manchester muss der Niederländer, der sich seine Dienste in St. Petersburg pro Jahr mit drei bis vier Millionen Euro honorieren lässt, jedoch auf Pawel Pogrebnjak wegen einer Gelbsperre verzichten. "Ich bin niedergeschlagen, weil ich nur zuschauen kann", sagte der Stürmer, dem die Torjägerkrone gemeinsam mit dem italienischen Bayern Luca Toni (je 10 Treffer) aber sicher ist. Die Mauertaktik der Rangers, in der mit Sasa Papac ein Ex-Austrianer steht, will Advocaat mit "gutem Spielaufbau und individueller Klasse meiner Spieler" aushebeln.

Rangers kamen über Champions League in Uefa-Cup
Der 51-fache schottische Meister, der als Champions League-Aussteiger in den Bewerb kam, hat in den bisherigen acht UEFA-Cup-Spielen erst zwei Tore kassiert und auf dem Weg nach Manchester u.a. die Österreicher-Vereine Panathinaikos Athen (Ivanschitz) und Werder Bremen (Harnik) eliminiert. Sollte Feldherr Walter Smith der größte Erfolg seiner Laufbahn gelingen, wären die "Blauen" der erste schottische Verein, der seit dem FC Aberdeen (1983 unter Alex Ferguson im Cupsieger-Bewerb) einen europäischen Coup landet.

Smith, der von Ferguson viel gelernt hat, und die Rangers, die heuer vier Titel abräumen könnten, wissen aber um die Schwere der finalen Aufgabe. "Das ist das schwerste Spiel der Saison. Zenit verfügt über ein starkes Team mit sehr schnellen Spielern. Trotzdem haben wir die Möglichkeit, etwas Unglaubliches zu schaffen", sagte Carlos Cuellar. Der spanische Innenverteidiger war erst vor einem Jahr von CA Osasuna gekommen und wurde gleich auf Anhieb zum "Scottish Football Writers"-Player of die Year gewählt.

Glasgow hofft auf "blaues" Happy End
Hinter Cuellar steht Neil Alexander im Tor. Der 30-Jährige war vor zwölf Monaten noch auf der Bank des englischen Zweitligisten Cardiff City gesessen, dann zu Ipswich Town gewechselt und erst im Jänner als Ersatzmann in den Ibrox Park geholt worden. Nun steht er im UEFA-Cup-Endspiel. "Das war ein unglaubliches Jahr, das hätte ich mir in den kühnsten Traumen nicht vorstellen können. "Wir werden mehr zu tun bekommen, aber wenn wir in der Abwehr gut stehen, könnten unsere Stürmer vielleicht durch ein Tor das Spiel entscheiden", hofft er auf ein Fußball-Märchen mit "blauem" Happy End. (apa/red)

14.5.2008 07:19