Montag, 19. Mai 2008

Nachbeben und Regen erschweren Hilfe:
5 Millionen Menschen weiterhin obdachlos

  • Staatschef Hu Jintao dankt Ausland für Unterstützung

Starke Nachbeben und Regenfälle haben das Schicksal der Überlebenden im Erdbebengebiet der südwestchinesischen Provinz Sichuan zusätzlich erschwert. Ein neues Beben der Stärke 6,1 versetzte die Menschen erneut in Panik. In der Provinzhauptstadt Chengdu flüchteten viele Menschen auf die Straßen. Die Regenfälle lösten Erdrutsche aus. Viele notdürftig mit Planen errichtete Unterkünfte konnten dem Regen nicht trotzen. Rund fünf Millionen Menschen sind obdachlos.

Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao bedankte sich beim Ausland für die Unterstützung. Mehr als 200 Katastrophenhelfer aus Japan, Russland, Taiwan, Südkorea und Singapur im Einsatz, berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua. Am Samstagabend hätten russische Helfer eine 61 Jahre alte Frau noch rund 127 Stunden nach dem Beben lebend aus den Trümmern geborgen. Zahlreiche Staaten haben Hilfslieferungen und Rettungsteams angeboten. Mehr als 100.000 chinesische Soldaten sind im Erdbebengebiet im Einsatz und organisieren die Hilfe.

Bei einem deutsch-chinesischen Benefizkonzert in der südwestchinesischen Metropole Chongqing sind mindestens 110 Millionen Yuan, umgerechnet zehn Millionen Euro, an Spenden für die Erdbebenopfer zusammengekommen. Nach der Katastrophe war das Konzert kurzfristig mit der Stadt und dem örtlichen Fernsehen im Rahmen der seit einer Woche in Chongqing laufenden Veranstaltung "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung" organisiert worden. Das Konzert wurde live übertragen und die Zuschauer konnten spenden.

Feuchtwarmes Wetter erhöht Seuchengefahr
Nach einem Treffen mit Rettungsmannschaften in Sichuan rief Chinas Präsident dazu auf, die hygienischen Bedingungen zu verbessern, um den Ausbruch von Krankheiten zu verhindern. Mehr ärztliches Personal müsse ins Katastrophengebiet entsandt werden. Mehrere Tage nach dem Erdbeben wächst bei feuchtwarmem Wetter die Seuchengefahr. Viele Leichen können nicht schnell genug beerdigt oder eingeäschert werden. Bei einem Treffen des Krisenstabes unter Leitung von Regierungschef Wen Jiabao in Peking wurde die Lieferung von weiteren Nahrungsmittelhilfen, darunter Mehl, Speiseöl und Trinkwasser sowie Finanzhilfe für die Opfer beschlossen. Für die Waisenkinder, Alten oder Behinderten im Erdbebengebiet müssten angemessene Vorkehrungen getroffen werden, hieß es auf dem Treffen.
(apa/red)

19.5.2008 07:45