Donnerstag, 15. Mai 2008

Regen verschärft Lage in Burma weiter:
UNO verärgert über Verhalten der Diktatur

  • Erst ein Viertel der Opfer konnten versorgt werden
  • Ban betont den humanitären Aspekt der Hilfsaktion

Für Hunderttausende Zyklon-Opfer in Burma ist kein Ende des Elends in Sicht: Nach dem verheerenden Wirbelsturm vor knapp zwei Wochen nähert sich nun vom Meer her eine Schlechtwetterfront mit sturzflutartigen Regenfällen.

Die einheimischen Helfer, die sich im verwüsteten Flussdelta als einzige um die Überlebenden kümmern dürfen, bereiten sich nach Angaben des Roten Kreuzes "auf das Schlimmste" vor.

Erst ein Viertel der Opfer versorgt
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind fast zwei Wochen nach dem verheerenden Zyklon erst ein Viertel der Opfer notdürftig versorgt worden. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes leben allein in der zerstörten Stadt LaButta noch 10.000 Menschen auf der Straße oder unter Bäumen. Hilfsorganisationen gehen inzwischen von mindestens 100.000 Toten aus. Bis zu zwei Millionen Menschen brauchen dringend Zelte, Decken und Medikamente. Die Militärregierung spricht offiziell weiter von gut 60.000 Toten und Vermissten.

Erste Hilfslieferungen
In Rangun traf unterdessen der erste Flug mit 20 Tonnen Hilfsgütern aus Deutschland ein. Darunter waren vier Wasseraufbereitungsanlagen. Die Techniker, die die Maschinen am schnellsten einsatzfähig machen könnten, durften allerdings nicht einreisen. Sie haben wie Hunderte andere Katastrophenexperten bisher keine Visa bekommen.

Frust bei Vereinten Nationen
Bei den Vereinten Nationen in New York wuchsen Ärger und Frust über den Widerstand der Militärjunta gegen ausländische Helfer. "Die Größenordnung dieser Situation erfordert eine verstärkte Mobilisierung von Ressourcen und Hilfskräften", erklärte Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, John Holmes, werde persönlich nach Burma reisen, um die Junta zu einer Öffnung zu bewegen. Das hatte schon Thailands Regierungschef Samak Sundaravej vergeblich versucht. Er unterhält freundschaftliche Beziehungen zu der Militärjunta und war eigens in die abgelegene Hauptstadt Naypyidaw geflogen. "Sie bekräftigen, dass sie keine ausländische Hilfe brauchen", sagte er anschließend.

Der UN-Botschafter Birmas, Kyaw Tint Swe, warnte davor, die Situation "zu politisieren". "Wir wollen lediglich humanitäre Hilfe leisten", bekräftigte der dafür zuständige EU-Kommissar Louis Michel vor der Weiterreise nach Burma in Bangkok.

Zwölf Zentimeter Regen
Meteorologen haben für die Südküste Burmas für die kommenden Tage bis zu zwölf Zentimeter Regen vorausgesagt. "Das Land ist schon völlig gesättigt, das Wasser kann nicht abfließen, mehr Leute werden erneut vertrieben und die Gefahr der Ausbreitung von Krankheiten wächst", sagte Joe Lowry von der Rotkreuz-Föderation in Bangkok. Er war gerade aus Rangun zurückgekehrt.

(apa/red)

15.5.2008 18:01