Freitag, 16. Mai 2008

Angst vor Seuchen nach Beben-Desaster: Leichen müssen schnell begraben werden

  • Erstmals in China-Geschichte: Ausländische Helfer
  • Staatschef Hu Jintao in die Provinz Sichuan geflogen

Nach dem verheerenden Erdbeben in China mit möglicherweise bis zu 50.000 Toten wächst die Seuchengefahr. Die Regierung mahnte, dass die Leichen möglichst schnell und abseits von Wasserquellen oder bewohnten Gebieten beerdigt werden sollten. Nach der Katastrophe in der südwestchinesischen Provinz Sichuan wurden noch tausende Verschüttete unter den Trümmern vermisst. Offiziell bestätigt sind bisher rund 20.000 Tote.

Die Überlebenschancen schwinden mit jeder Stunde. Mehr als 100.000 Menschen sind verletzt. Es mangelte an Medikamenten, Blutkonserven, Trinkwasser und Nahrung. Nach Ministerpräsident Wen Jiabao, der die Bergungsarbeiten koordiniert, ist auch Staats- und Parteichef Hu Jintao in die südwestchinesische Provinz Sichuan geflogen. Unterdessen haben Soldaten und Polizisten alle 58 betroffenen Bezirke in dem Katastrophengebiet erreicht, wie staatliche Medien meldeten.

Seuchengefahr wächst
Die Seuchengefahr rückte immer weiter in den Mittelpunkt. Regierungschef Wen Jiabao mahnte, dem Ausbruch von Epidemien besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Das Parteiorgan "Renmin Ribao" (Volkszeitung) verbreitete einen Aufruf: "Wir müssen gegenüber den potenziellen Gefahren höchst wachsam sein und vorbeugende Maßnahmen ergreifen." Vizegesundheitsminister Gao Qiang sagte, die Rettung von Leben habe in der ersten Phase nach der Katastrophe Vorrang, doch müssten jetzt die hygienischen Bedingungen, die Seuchenkontrolle und Vorbeugung besondere Beachtung finden.

"Wir brauchen dringend Leichensäcke"
Die Behörden wurden aufgerufen, die Lage genau zu beobachten, um sofort den möglichen Ausbruch von Seuchen festzustellen. Auch die mehr als 100.000 Soldaten, die bei den Bergungsarbeiten helfen, wurden zur Wachsamkeit aufgerufen. Ein hoher Parteifunktionär der schwer betroffenen Präfektur Aba, Bai Licheng, sagte, die hohen Temperaturen beschleunigten die Zersetzung der Leichen. Nach einem Besuch in dem schwer zerstörten Ort Yingxiu sagte Bai Licheng, die Leichen lägen auf dem Boden und schlechter Geruch liege bereits in der Luft. "Wir brauchen dringend Leichensäcke."

Ausländische Helfer
Erstmals in der Geschichte Chinas arbeiten auch ausländische Bergungsteams im Katastrophengebiet. Als erste kamen japanische Spezialisten. China hat weitere Angebote aus Südkorea, Singapur, Taiwan und Russland angenommen, Rettungsmannschaften zu schicken. Auch die Vereinten Nationen haben ihre Hilfe angeboten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach den Familien der Opfer angesichts dieser "schrecklichen Tragödie" sein tiefstes Beileid aus.

Zehntausende Obdachlose
Einige zehntausend Obdachlose verbrachten die vierte Nacht unter Planen im Freien. 50.000 Decken und 37.700 Zelte sind in Sichuan eingetroffen. Weitere 75.000 Zelte sollen folgen, berichtete das Verwaltungsministerium. Rund 10.000 medizinische Helfer aus Sichuan und anderen Provinzen sowie von Militär und Polizei seien im Einsatz. Mehr als 130.000 Soldaten sind mobilisiert. Die Regierung hat mehr als 670 Millionen Yuan (62 Millionen Euro) als Soforthilfe zur Verfügung gestellt.

(apa/red)

16.5.2008 08:07