Erdbeben wirken bedrohlicher als Stürme:
Seismische Aktivität auch vor unserer Tür
- "Psychologischer Aspekt der Vorhersagbarkeit"
- Wirtschaftsmacht China ist greifbarer als Burma
Der Zyklon "Nargis" in Burma, das Erdbeben in China - bei beiden handelt es sich um schlimme Naturkatastrophen, dennoch werden sie in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen. Obwohl die Zahl der Toten durch den verheerenden Wirbelsturm weitaus größer ist, löst das Beben in der südchinesische Provinz Sichuan mehr Aufmerksamkeit aus.
Das habe in erster Linie mit dem "psychologischen Aspekt der Vorhersagbarkeit zu tun", sagte Peter Vitouch, Professor für Medienpsychologie an der Universität Wien. "Ein Erdbeben ist so gut wie nicht vorhersagbar, man muss immer Angst haben, dass so etwas auch bei uns passieren könnte", ist er überzeugt. Sturmwarnungen gebe es oft Tage zuvor, in Bezug auf Burma "könnte man auch sagen, die Menschen sind vorgewarnt gewesen, es ist vor allem die Schuld der Regierung, die nicht reagiert hat", meinte Vitouch. Ebenso könnte man sich hierzulande einen Zyklon viel weniger gut vorstellen als ein Erdbeben, das auch schon einmal "direkt vor der Haustüre" in Italien vorkomme.
Unterschiede würden aber auch durch die prinzipiellen Wahrnehmung der Länder entstehen, ist der Medienpsychologe überzeugt: Während China als aufstrebende Wirtschaftsmacht tituliert wird, haben die Österreicher zu Burma "oft keine Bilder im Kopf, daher entsteht auch eine geringere Solidarisierung." Auch durch die Olympischen Spiele habe "das Land der aufgehenden Sonne" einen klaren Aufmerksamkeitsfokus.
Nicht außer Acht zu lassen im "Vergleich" zwischen den beiden Katastrophen seien auch die Opfer: Während in Burma hauptsächlich Einwohner unter den Toden sind, traf es in China auch viele Ausländer. "Wenn österreichische oder westliche Touristen miteinbezogen sind, ist der Nachrichtenwert der sozialen Nähe erfüllt und der Vorfall rückt naher." Auch die fehlenden Bilder machen die Katastrophe von Burma weniger interessant: "Weniger Bilder, weniger Aufmerksamkeit", fügte Vitouch hinzu.
(apa/red)
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