Dienstag, 13. Mai 2008

Spießrutenlauf für Journalisten in Burma:
Wer auffällt, wird umgehend ausgewiesen

  • Eines der gefährlichsten Länder für Berichterstatter
  • 2007: 15 einheimische Medienleute festgenommen

Zu erkennen sind sie angeblich an ihren dicken Handys. Spione können an jeder Ecke lauern, so auch in den Hotels der Hafenstadt, wo mittlerweile viele Journalisten arbeiten. Burma, seit 46 Jahren durch eine Militärregierung vom Rest der Welt isoliert, ist ein Spitzelstaat. Wer auffällt, wird umgehend zum Flughafen gebracht und ausgewiesen.

Einen Sinn für freie Presse gibt es in Burma nicht. Reporter, die sich auf den Weg in das für alle Ausländer gesperrte Katastrophengebiet machen, müssen mit erheblichem Ärger rechnen. Einige wenige haben es geschafft.

Von freiem Internetzugang und Blogs können die Burmesen nur träumen. Ausländische Journalisten erfahren wieder, wie schwer die Recherche ohne moderne Kommunikation ist. Schnell etwas googeln - das geht in Burma nicht. Der Wikipedia-Eintrag über die unter Hausarrest eingesperrte Oppositionsführerin, Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, lässt sich natürlich ebenso wenig wenig öffnen wie die Seite von CNN. Satellitentelefone auszupacken ist heikel, den Notizblock auch. E-Mail-Programme von Anbietern wie Yahoo und AOL sind gesperrt.

"Der Katastrophe absolut gewachsen"
Örtliche Medien sind auch keine Quelle für das, was wirklich im Land vor sich geht. In der Staatszeitung "Neues Licht von Burma" - so etwas wie zu DDR-Zeiten das "Neue Deutschland" - ist täglich zu lesen, dass das Land der Katastrophe absolut gewachsen sei. Eine Karikatur stellt Zyklon "Nargis" und "Saboteure von innen und außen" als schwarze Schattenfiguren dar. Unlängst titelte das Blatt damit, dass der Machthaber General Than Shwe und seine Frau zur Abstimmung über die neue Verfassung gegangen sind. Diese Woche inspizierten Generäle auf unscharfen Schwarz-Weiß-Fotos die Transporte von Hilfsgütern.

Wie weit die Bespitzelung wirklich geht, lässt sich nur schwer abschätzen. Als ratsam gilt, nur sehr diskret zu recherchieren und die Einheimischen nicht in Gefahr zu bringen. Wenn sie beim Gespräch mit Ausländern beobachtet wurden, droht ihnen ein Verhör der Stasi-ähnlichen Aufpasser in jedem Bezirk. Taxifahrer tauen nach einer Weile auf und wettern munter gegen die Regierung. Sie schwärmen offen von Suu Kyi, die sie "the Lady" nennen. Journalisten sind auf die Taxifahrer angewiesen, um herumzukommen. "Wir fahren die Leute, aber wir fragen nicht nach, wo genau sie hinwollen", sagt ein Taxifahrer in Rangun.

Eines der gefährlichsten Länder für Berichterstatter
Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" führt Burma als eines der gefährlichsten Länder für Journalisten auf. Bei dem Aufstand der Mönche waren im vergangenen Jahr 15 einheimische Reporter festgenommen worden, die es gewagt hatten, von der offiziellen Linie abzuweichen. Einer wurde nach Angaben der Organisation unter dem Verdacht festgenommen, dem Exil-Radiosender "Demokratische Stimme Burmas" ein Interview gegeben zu haben. Der japanische Fotograf Kenji Nagai wurde beim Filmen der Demonstrationen im vergangenen September erschossen.

Manchen Berichterstatter beflügelt offenbar das Wissen, in einem irrwitzigen Überwachungsstaat gelandet zu sein. Ein CNN-Reporter ließ sich mit wackeliger Kamera dabei filmen, wie er durch ein Treppenhaus hetzte, weil er Verfolger hinter sich glaubte. Er müsse jeden Tag das Hotel wechseln, berichtete er verstohlen in die Kamera. Ein anderer berichtete atemlos, er habe sich unter größter Gefahr ins Katastrophengebiet vorgekämpft. Dort sei er nun gestrandet, berichtete er dramatisch, "und das mit nur zwei Schokoriegeln in der Tasche!" (apa/red)

13.5.2008 12:38