Diphterie und Cholera: Überlebende von
"Nargis" kämpfen nun mit Seuchengefahr
- Caritas: "Lage viel dramatischer, als angenommen"
- "Ärzte ohne Grenzen" sind in Burma angekommen

·In Burma beginnt Rennen gegen die Zeit
1,5 Millionen Menschen durch Seuchen bedroht
·Hilfsgüter nun über Landweg eingetroffen
Etikettenschwindel: Junta beschlagnahmt Pakete
·Referendum trotz Unwetterkatastrophe
Internationale Kritik wegen Volksabstimmung
·BILDER: Zyklon fegte über die Küste Burmas
Wirbelsturm forderte tausende Todesopfer
·Hilfsgüter & Spenden dringend benötigt
INFO: Hier können Sie für Zyklon-Opfer spenden
·GRAFIK: Der Weg des Sturms durch Burma
Zyklon zog Spur der Verwüstung durch Land
·Verheerende Stürme der letzten Jahre
Immer wieder werden die Küsten heimgesucht
·Wirbelstürme: Taifun,
Zyklon und Hurrikan
Bezeichnung variiert nach
Ort, an dem sie auftreten
·Myanmar vs. Burma: Eine kurze Aufklärung
Der Namensdiktatunfug der burmesischen Junta
In Burma wächst gut eine Woche nach dem tödlichen Zyklon die Seuchengefahr. Weil die Militärjunta nur wenig Hilfsgüter ins Land lässt und nach Schätzungen erst ein Fünftel der mehr als 1,5 Millionen Bedürftigen versorgt ist, warnt die Hilfsorganisationen Oxfam vor einer weiteren humanitären Katastrophe. In Burma könnten mehr Menschen umkommen als bei dem verheerende Tsunami 2004, betonte die Organisation. Unterdessen erreichten einige Flüge die Hafenstadt Rangun. Darunter war auch eine Frachtmaschine der amerikanischen Luftwaffe mit 20 Tonnen Decken und Moskitonetzen.
Aus dem Irrawaddy-Delta strömen nach Angaben von Hilfsorganisationen hunderttausende Überlebende Richtung Norden in weniger zerstörte Gebiete und suchen Unterschlupf und Hilfe in Klöstern und Schulen. Die Regierung würde nur eine Tasse Reis pro Familie aushändigen. Derartig geschwächt und in Notunterkünften zusammengepfercht seien die Menschen besonders anfällig für Krankheiten, warnte Oxfam.
In der Region hat erst der Sturm die Häuser und Bäume zerstört, die nachfolgende Flutwelle hat das Flussdelta unter Wasser gesetzt, berichtete World Vision. Die Ausbreitung von Cholera und Diphtherie ist nur noch eine Frage der Zeit. Meteorologen sagten zudem für diese Woche schwere Regenfälle im Irrawaddy-Delta voraus.
"Ärzte ohne Grenzen" in Burma angekommen
Zudem landete auch die erste von drei Maschinen der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" mit insgesamt 110 Tonnen Hilfsgütern in Rangun. Die Organisation ist seit 1992 in Burma und hat 1.200 einheimische Mitarbeiter. Damit ist sie eine der wenigen, die in das Katastrophengebiet vordringen kann. Selbst die wenigen Ausländer, die nach Rangun gelangten, erhalten nach wie vor keine Reisegenehmigungen im Land.
Auch das Rote Kreuz ist mit einheimischen Mitarbeitern präsent. Ein Boot des Roten Kreuzes sank bei einem Hilfseinsatz. Die Mitarbeiter konnten sich retten, doch die Hilfsgüter für etwa 1.000 Menschen gingen verloren.
Das Österreichische Rote Kreuz schickt drei Trinkwasserspezialisten in das Katastrophengebiet. Teamleader ist der 48-jährige Tiroler Herbert Thaler. Mit ihm bleiben Barbara Rouchouze (30) aus Wien und der jährige Oberösterreicher Gottfried Staufer (46) sechs bis acht Wochen in Burma.
Hilfe für Burma aus Salzburg
Ein Salzburger Offizier des Roten Kreuzes beteiligt sich unterdessen mit seinem logistischen Know-how am Hilfseinsatz. Gregor Palfy (37) reist mit einem Kollegen des Roten Kreuzes von Wien nach Berlin-Schönefeld. Dort übergeben sie dem deutschen Roten Kreuz den zweiten Teil des Equipments für eine Trinkwasser-Aufbereitungsanlage. Der erste Teil wurde bereits mit einem Lkw nach Deutschland transportiert.
Trotz großer logistischer Probleme und Behinderungen vonseiten der Militärregierung ist Hilfe in Burma möglich. Dies betonte ein Mitarbeiter der Diakonie-Katastrophenhilfe, der sich in Rangun aufhält, in einem "Kathpress"-Gespräch. Die Helfer hätten vor allem mit gewaltigen Kommunikationsproblemen und fehlenden logistischen Möglichkeiten zu kämpfen, sagte Peter Rottach.
Allein aus der Region Bogale seien inzwischen 85.000 Todesopfer bestätigt worden, so der Diakonie-Mitarbeiter. Aus der Region rund um Labutta gebe es hingegen nach wie vor nur spärliche Nachrichten. Hunderte Dörfer seien völlig ausradiert.
"Die Lage ist noch viel dramatischer"
"Die Lage ist noch viel dramatischer, als wir bisher angenommen haben. Die Katastrophe nach der Katastrophe hat gerade erst begonnen." Das sagte Sabine Wartha, Leiterin des Krisenstabs der Caritas Österreich zur Lage. Wer verseuchtes Wasser getrunken hat, leidet an Durchfall oder Schlimmerem. Besonders das Leben der Kinder ist bedroht.
Laut UNICEF stehen viele Kinder im Katastrophengebiet unter Schock. "Die Kinder leben unter physisch wie psychisch extrem belastenden Bedingungen", warnte der örtliche UNICEF-Leiter Ramesh Shresta. Nach UN-Schätzungen sind 40 Prozent der Bevölkerung in den verwüsteten Gebieten Kinder und Jugendliche.
USA beugten sich Diktat der Junta
Die US-Regierung hatte um die Landegenehmigung für ihre Militärmaschine mit Hilfslieferungen eine Woche lang verhandelt. Sie beugte sich dem Diktat der Junta, dass Hilfsgüter abgeliefert werden müssen und von burmesischen Behörden verteilen werden.
"Wir bieten dem burmesischen Volk eine Hand der Freundschaft an", sagte US-Botschafter Eric John vor dem Abflug der Maschine vom Stützpunkt U-Tapao in Thailand. Er stellte weitere Lieferungen in Aussicht. "Vom amerikanischen Volk" stand in großen Lettern auf den Paketen. Das burmesische Militär hatte Lieferungen aus China und Thailand in der vergangenen Woche umgepackt oder mit den Namen von heimischen Generälen überstempelt um den Eindruck zu erwecken, die Hilfe stamme aus eigenen Beständen.
"Es ist unabdingbar, dass Experten ins Land gelassen werden, die den Opfern helfen können", verlangte der US-Botschafter. Auch die Vereinten Nationen warten weiter auf Einreisegenehmigungen, sagte der Sprecher des Welternährungsprogramms Marcus Prior in Bangkok.
Gegen das Recht auf Leben
"Mit ihrem Verhalten verstoßen die machthabenden Generäle gegen grundlegende Menschenrechte wie das Recht auf Leben, das Recht auf Gesundheit, Wasser, Nahrung und Wohnung", sagte der Vorstandssprecher von Amnesty International Deutschland, Stefan Keßler, in Hamburg. Die EU-Kommission hat eine Dringlichkeitssitzung der Entwicklungshilfeminister am Dienstag (13. Mai) in Brüssel einberufen.
Die Militärjunta gibt die Zahl der Toten durch den Killer-Zyklon "Nargis" inzwischen mit gut 28.000 an. Mehr als 33.000 gelten als vermisst. Die Vereinten Nationen gehen dagegen von bis zu 100.000 Toten aus. (APA/red)
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