Donnerstag, 15. Mai 2008

"Kein Problem für mich": Dalai Lama nimmt Ablehnung von Köhler & Steinmeier gelassen

  • Kein Empfang bei Bundespräsident & Außenminister
  • Exil-Oberhaupt "will keine Unannehmlichkeiten"

Der Dalai Lama ist zu Beginn seines Deutschland-Besuches in Bochum mit dem deutschen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert zusammengetroffen. Beide zeigten sich wegen der Lage in Tibet besorgt. Zuvor hatten es Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier abgelehnt, den Dalai Lama zu empfangen.

Bundestagspräsident Lammert sagte nach der Begegnung mit dem tibetischen Exil-Oberhaupt, Tibet habe sich zu einer sehr grundsätzlichen Frage entwickelt. Dabei gehe es nicht um Sonderrechte oder Unabhängigkeit, sondern um Menschenrechte. Dieser Anspruch sei in Tibet genauso gerechtfertigt wie anderswo. Der Dalai Lama betonte seinerseits, er fühle sich der Demokratie absolut verpflichtet.

Anschließend fand ein Treffen des Dalai Lama mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers statt. Unmittelbar nach seiner Ankunft hatte der Friedensnobelpreisträger ein Gespräch mit dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch geführt, der ihn am Frankfurter Flughafen willkommen geheißen hatte.

Ablehnung ist "kein Problem"
Verständnis hat der Dalai Lama dafür gezeigt, dass Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier ihn nicht empfangen. Dies sei "kein Problem" für ihn. Wo immer er zu Besuch sei, wolle er keine Unannehmlichkeiten bereiten. Deshalb habe er Verständnis für diejenigen, die bei einem Treffen "Unannehmlichkeiten befürchten". Er lobte die Haltung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Tibet-Frage. Es sei sehr couragiert von der Kanzlerin gewesen, ihn im vergangenen September offiziell im Bundeskanzleramt in Berlin zu empfangen. Er habe sehr wohl zur Kenntnis genommen, dass sich aus dem Treffen für die Kanzlerin "danach einige Komplikationen" ergeben hätten. "Das tut mir leid", sagte der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso.

Seine aktuelle Reise sei "zu allererst nicht politischer Natur". Viel wichtiger als die Begegnungen mit Regierungen sei es, ein öffentliches Forum zu finden, um für menschliche Werte zu werben. "Es bedeutet mir sehr viel, wie überall in der Welt die Vorgänge in Tibet mit Sorge verfolgt werden." Besonders in Deutschland zeigten die Menschen wahrhaftige Sympathie für die Tibeter. "Was ich all unseren Unterstützern dabei immer wieder klarmache: Ihr seid nicht Pro-Tibet. Ihr seid für Gerechtigkeit." Es gehe nicht um eine anti-chinesische Haltung. Am Montag wird der Dalai Lama als einziges Mitglied der deutschen Bundesregierung Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Berlin treffen.

(apa/red)

15.5.2008 17:15