Freitag, 16. Mai 2008

EU-Lateinamerika-Gipfel: Gusenbauer und Plassnik sind Österreichs Vertreter in Peru

  • Letzter Stopp auf Lateinamerika-Tour des Kanzlers
  • Plus: Leitet die Arbeitsgruppe zu Klima und Energie

Heute und morgen findet in der peruanischen Hauptstadt Lima das 5. Gipfeltreffen der EU mit Lateinamerika (EULAC) statt. Zentrale Themen werden Fragen der sozialen Gerechtigkeit und des Zusammenhalts sein, aber auch Fragen zur nachhaltigen Entwicklung, zum Klimawandel sowie zur Energiesicherheit sollen diskutiert werden. Österreichs Vertreter beim Gipfeltreffen sind Bundeskanzler Alfred Gusenbauer und Außenministerin Ursula Plassnik.

Regierungschef Gusenbauer wird dabei eine Arbeitsgruppe zum Thema "Klimaschutz und Energie" leiten und über die Ergebnisse im Plenum referieren. Als Co-Vorsitzender des Gipfels will die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft Slowenien vor allem den Kampf gegen die Armut und Klimafragen in den Mittelpunkt stellen.

Schwere "Brocken" am Themenplan
Im Vorfeld des Lima-Gipfels fand vergangenen September in Santiago de Chile bereits ein Forum über "Soziale Kohäsion" statt, auf dem Fachleute und Politiker aus beiden Regionen die Themenfelder erörterten: Die intensive Suche nach Strategien, um sozial besonders benachteiligte Gruppen wie ethnische Minderheiten, indigene Völker, Frauen und Kinder zu fördern; die Verbesserung von Erziehung und Bildung auf allen Bildungsniveaus; die Unterstützung kleiner und mittlerer Betriebe mit dem Ziel, die Schattenwirtschaft zurückzudrängen und für beide Seiten faire Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Weiters sollen auch die Verbesserung staatlicher Sozialsysteme diskutiert werden, möglicherweise finanziert durch eine gerechtere Steuern.

Der zweite große "Brocken" des Gipfels ist eine Herausforderung, der sich sowohl Europa als auch Lateinamerika stellen müssen: Der Klimawandel und damit verbunden die Frage nach den zukünftigen Energiekonzepten. Bei einem Treffen Anfang März in Brüssel stimmten alle Umweltminister aus dem lateinamerikanisch-karibischen Raum mit ihren Amtskollegen aus Europa überein, dass der weltweite Schadstoffausstoß erheblich reduziert werden müsse. Nur so könnten die UNO-Klimaziele erreicht werden.

Für eine Reihe von Staaten in Mittelamerika und der Karibik erscheint dies besonders wichtig. Laut UN leiden sie besonders stark unter den globalen Klimaveränderungen. Deswegen sollte die Bevölkerung besser über die klimatischen Zusammenhänge informiert werden, forderte die UNO. Die Länder müssten ihre Mess- und Kontrollsysteme verbessern und den politischen, rechtlichen und institutionellen Rahmen schaffen, um schnell und effektiv reagieren zu können. Aus diesem Grund sind neue Finanzmechanismen geplant, die auch finanziell schwächeren Staaten in der Region den Zugang zu modernen Technologien ermöglichen sollen.

Noch viel Biosprit-Potenzial in Lateinmerika
Gerade bei emissionsarmen Energieträgern hat Lateinamerika aber viel ungenutztes Potenzial. Obwohl auf diesem Kontinent Wasser, Winde und Sonne in schierem Überfluss vorhanden sind, verlassen sich fast alle Staaten bisher fast ausschließlich auf Erdöl und Erdgas. Daher werde das Thema nachhaltige Entwicklung laut Experten auf der europäisch-lateinamerikanischen Agenda immer bedeutsamer.

Das beweisen auch die Beispiele Brasilien und Kolumbien. Brasilien und auch Argentinien haben sich zum weltweiten Pionier für Bio-Kraftstoffe entwickelt. Die meisten neuen Autos in dem größten Land der Region tanken jetzt schadstoffarmes Ethanol, das zumeist aus Zuckerrohr destilliert wird. Allerdings ist der Biosprit in jüngster Zeit auch in Kritik geraten.

Aus mehrere Gründen: Der Biosprit-Boom in den USA verschärft die globale Nahrungskrise, weil die immer mehr Mais und Sojabohnen anbauen, die sich hoch profitabel zu Treibstoff verarbeiten lassen. Weltweit wird nun das Getreide knapp. In Südamerika suchen viele Kleinbauern nach neuem Land für Zuckerrohrplantagen und roden den tropischen Regenwald. Dieser ist allerdings als "grüne Lunge" der Erde ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den Klimawandel.

(apa/red)

16.5.2008 11:11