Dienstag, 13. Mai 2008

Kanzler Gusenbauer auf Besuch in Brasilien:
Engere Kooperation mit Österreich geplant

  • 'In multipolarer Welt Zusammenarbeit am wichtigsten'
  • Brasilien strebt fixen Sitz im UNO-Sicherheitsrat an

Österreich und Brasilien wollen den kommenden EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfel (EULAC) in Lima dazu nützen, die Beziehungen zwischen den beiden Regionen zu stärken. Das erklärten der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer anlässlich eines Mittagessen nach einem Treffen in Brasilia.

Beim Gipfel in Lima sollten Gespräche zwischen der EU und dem Mercosur ein Beitrag dazu sein, die Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika auf eine neue Ebene zu bekommen. "In einer multipolaren Welt ist Zusammenarbeit am wichtigsten", meinte Gusenbauer. Die südamerikanische Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur wurde 1991 von Argentinien, Brasilien, Paraguay, und Uruguay gegründet. Chile und Bolivien traten fünf Jahre später bei.

Österreich betrachte die Entwicklung und die wachsende Bedeutung Brasiliens mit Interesse, erklärte der Bundeskanzler in der Hauptstadt Brasilia und erinnerte daran, dass der heutige Präsident Lula Da Silva 1984 in Wien den "Bruno-Kreisky-Preis" für Menschenrechte bekommen habe. "Damals war in Brasilien noch eine Militärdiktatur", so Gusenbauer, der nach eigenen Angaben bei der Preisverleihung vor 24 Jahren als Chef der Sozialistischen Jugend dabei gewesen war. Nunmehr habe Brasilien aber eine nachhaltige wirtschaftliche Dynamik entwickelt. Lula habe zudem die soziale Ungleichheit reduziert, lobte Gusenbauer. In Österreich sei man der Meinung, dass die die soziale Entwicklung auch für die demokratische wichtig sei. "Nur ist das nicht immer so leicht umzusetzen."

Lula da Silva erwähnte das gemeinsame Interesse beider Länder an der Förderung von erneuerbarer Energie. Brasilien habe dafür ein "Riesenpotenzial", ergänzte Gusenbauer, der auch die Schaffung einer internationalen Finanzorganisation nach dem Schema der Welthandelsorganisation (WTO) einforderte. Es müsse einen internationalen Koordinator geben. Es könne nicht angehen, dass auf dem Finanzmarkt weiterhin allein das Recht des Stärkeren oder Schnelleren zähle.

Fixer Sitz im UNO-Sicherheitsrat angestrebt
Der brasilianische Präsident kam in seiner Tischrede auch auf den Wunsch nach einer "Demokratisierung der UNO" zu sprechen. Notwendig sei eine "Umgestaltung des Sicherheitsrats". Brasilien strebt einen permanenten Sitz im UNO-Sicherheitsrat an und erhofft sich dafür die Unterstützung Österreichs. Da sich Wien wiederum um einen nicht-ständigen Sitz für die Periode 2009/10 bewirbt, könnte es sich um eine Art Gegengeschäft handeln. (apa/red)

13.5.2008 21:46