Reinhard S. nach schrecklichen Axtmorden:
Von der Richtigkeit seiner Taten überzeugt
- Wollte Familie Schande wegen Schulden ersparen
- Fühlte sich nach den Taten "erschöpft und erleichtert"

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Der mutmaßliche Fünffachmörder von Wien und Oberösterreich, Reinhard St., hat seit Ende April mit dem Gedanken gespielt, seine Familie zu töten. Das berichteten die Ermittler bei einer Pressekonferenz in Wien. Den Entschluss dazu fasste Reinhard St. am 9. Mai. Als Motiv für die Taten gab der Verdächtige weiterhin Schulden an: Rund 300.000 Euro von sich und seiner Frau soll er mit Aktien und Optionsscheinen verspekuliert haben. Bei den Einvernahmen von Reinhard S. soll er weiter von der Richtigkeit seiner Taten überzeugt gewesen sein.
Am Freitag, als er den Entschluss fasste, seinen Plan in die Tat umzusetzen, suchte er in einem Wiener Werkzeuggeschäft nach der geeigneten Tatwaffe. Seine Wahl zwischen einem Messer und einer rund 40 Zentimeter langen Axt fiel auf Letztere, weil sie das "massivere Werkzeug" sei, so berichtete Oberstleutnant Thomas Stecher von der Kriminaldirektion 1. An diesem Tag mietete er sich auch ein Leihauto, wie Stecher berichtete. Das habe er des Öfteren getan, um seine Verwandten in Oberösterreich zu besuchen, weil er selbst kein Fahrzeug besaß.
"Günstige" Gelegenheit
Dann verbrachte Reinhard St. noch ein letztes gemeinsames Wochenende mit seiner Familie, bevor ihm Dienstag früh die Gelegenheit "günstig" erschien: Gegen 7.30 Uhr tötete er seine Frau mit mehreren Schlägen gegen den Kopf, als diese ins Badezimmer ging; danach auf die gleiche Weise seine siebenjährige Tochter. Diese dürfte vom Vorfall zwischen Vater und Mutter nichts mitbekommen haben. Danach meldete er seine Frau bei ihrer Arbeitsstelle krank und verlängerte den Vertrag für das Leihauto um einen Tag.
Nach den Morden zog sich Reinhard St. an, säuberte die Axt und fuhr nach Ansfelden, wo er seine Eltern erschlug. Danach schrieb er drei Briefe mit Erklärungen und Entschuldigungen: einen an seine Geschwister, einen an seine Opfer und einen laut Stecher "nebulösen an eine Behörde" und fuhr dann nach Linz. Dort angekommen, machte er laut Stecher einen Spaziergang, weil sein Schwiegervater noch nicht zu Hause war.
Als der 80-Jährige heim kam, unterhielten sich die beiden noch in der Küche, bevor Reinhard St. schließlich wieder zur Axt griff, berichtete Stecher. Der Verdächtige verfasste noch einen vierten Brief an den Sohn seines Schwiegervaters und fuhr nach Wien zurück. Dort machte er erneut einen Spaziergang, bevor er sich stellte.
"Aus Pietätsgründen"
Von den Taten dürfte niemand etwas bemerkt haben, weil sich der Mann jedes Mal umgezogen hatte - dafür hatte er Kleidung mitgenommen bzw. sich aus den Schränken seiner Opfer bedient. Die Axt hatte er jedes Mal gesäubert und in einem Rucksack transportiert. Seine Opfer hatte der mutmaßliche Täter "aus Pietätsgründen" mit Lein- und Handtüchern zugedeckt. Seine Schwester und seinen Bruder hatte er verschont, weil sie nicht zu seiner unmittelbaren Familie gehörten und selbst welche hätten.
Bei den Einvernahmen wirkte Reinhard S. "sehr souverän und sachlich", erklärte Stecher. "Er ist nach wie vor der Meinung, richtig gehandelt zu haben. Nach den Taten habe er sich erschöpft und erleichtert gefühlt." Zum eigentlichen Plan hätte auch Selbstmord gehört: Reinhard St. gab an, zwar immer wieder mit dem Gedanken gespielt, aber nicht die Kraft dafür gehabt zu haben. Er soll seit "zig Jahren" mit Aktien spekulieren; in der letzten Zeit allerdings nur noch Verluste eingefahren haben - laut den Ermittlern soll niemand davon gewusst haben. Die Erhebungen seien noch nicht abgeschlossen, der Täter werde weiter einvernommen, so Stecher. Der mutmaßliche Fünffachmörder wird als Selbstmordgefährdeter behandelt, sagte Stecher. (apa/red)
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