Montag, 19. Mai 2008

Prozess-Beginn bei "Gift-Fall" Hirtzberger:
Angeklagter Helmut O. im Blitzlichtgewitter

  • Winzer wegen versuchten Mordes auf Anklagebank
  • Eindeutige DNA-Spur soll den 56-Jährigen überführen

Am Landesgericht Krems startet heute der Prozess im Fall Hirtzberger. Dem 56-jährigen Helmut O. wird von der Staatsanwaltschaft versuchter Mord zur Last gelegt. Er habe versucht, den Bürgermeister von Spitz an der Donau am 8. Februar dieses Jahres "vorsätzlich mit Strychnin zu töten". Für die heutige Verhandlung werde mit großem Andrang gerechnet, so Norbert Klaus, Sprecher des Landesgerichtes Krems. Bei seiner Ankunft stand der Angeklagte im Blitzlichtgewitter.

Rund 100 Personen finden im Schwurgerichtssaal Platz. Zählkarten für Besucher gebe es nicht. Verstärkt würden der Wachdienst und die Polizeipräsenz, erläuterte Klaus. O., dem im Fall eines Schuldspruchs für den angeklagten versuchten Mord zehn bis 20 Jahre oder lebenslange Haft drohen, befindet sich seit 27. Februar in Untersuchungshaft.

Ob es in dem Geschworenenprozess bereits heute ein Urteil gibt, ist noch unklar. Dies werde unter anderem von Beweisanträgen abhängen. Gebe es dafür auch die erforderliche Zustimmung seitens des Gerichtes, sei die Frage, wie lange die Erfüllung dieser in Anspruch nehme. Bei Gutachten könne dies womöglich länger dauern, erläuterte Klaus.

Blitzlichtgewitter im Kremser Landesgericht
Als Helmut O. knapp vor 9.30 Uhr in den Saal C im Kremser Landesgericht geführt wurde erwarteten ihn bereits zahlreiche Fotografen und Kameramänner, die sich im Eingangsbereich postiert hatten. "Er kummt glei! Er kummt glei!", riefen sie einander zu, als sich Justizwachebeamte mit dem 56-Jährigen näherten. Helmut O. schien Gefallen am Medienrummel zu finden. Er lächelte breit und bereitwillig in die Kameras, als er auf der Anklagebank Platz genommen hatte, sonnte er sich beinahe im Blitzlichtgewitter.

Wäre der Verteidiger Nikolas Rast nicht eingeschritten, hätte Helmut O. möglicherweise sogar Kommentare in Richtung der ihm hingereichten Mikrofone abgegeben. Der Anwalt wusste das zu verhindern, indem er kurzerhand zu seinem Mandaten eilte und diesen vor den zudringlichsten Medienvertreter abschirmte. Auf den Zuruf "Herr O.!" wandte sich der Mann, der den Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger mit einer vergifteten Praline nach dem Leben getrachtet haben soll, wiederholt lächelnd den Fotografen zu. Schließlich erhob sich der in der U-Haft sichtlich erschlankte Angeklagte und ließ sich im Stehen ablichten, wobei er sich lässig auf seinen Gehstock stütze. Nachdem die Geschworenen beeidet waren, begann Staatsanwalt Friedrich Kutschera mit seinem Eröffnungsvortrag.

Spitzer Bürgermeister mit Praline vergiftet
Der Spitzer Bürgermeister Hannes Hirtzberger hatte am 8. Februar eine Grußkarte samt vermutlich vergifteter Praline auf seinem Wagen entdeckt. Nach deren Genuss brach er am folgenden Tag auf der Fahrt nach Krems im Wagen zusammen und wurde in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus der Bezirksstadt eingeliefert und in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Nach Wochen wurde die Aufwachphase aus dem künstlichen Koma eingeleitet und der 55-Jährige zur neurologischen Rehabilitation ins Krankenhaus St. Pölten überstellt.

Die Anklage verweist vor allem auf die DNA-Spur, die O. an der Innenseite des der Praline beigelegten Grußbilletts hinterlassen habe. "Es ist auszuschließen, dass diese Spur von jemand anderem als dem Täter stammen könnte", heißt es in der Anklageschrift. Zudem habe der 56-jährige Beschuldigte versucht, bei der Abgabe seines Mundhöhlenabstrichs die Beamten zu täuschen, indem er zunächst Familienmitglieder ersuchte, in ein Marmeladeglas zu spucken.

(apa/red)

19.5.2008 10:46