Sonntag, 25. Mai 2008

Das österreichische Gesundheitssystem:
Krankenkassen bieten umfassenden Schutz

  • 37.000 Ärzte und 260 Krankenhäuser in Österreich
  • Krankenversicherung wird durch Beiträge finanziert

Österreichs Gesundheitssystem fußt auf der gesetzlichen Krankenversicherung. Rund 8,2 Millionen Österreicher genossen 2007 deren Schutz. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 98,7 Prozent, geht aus dem Handbuch der österreichischen Sozialversicherung 2008 des Hauptverbands hervor.

Insgesamt existieren hierzulande 22 Krankenkassen, deren Dachorganisation der Hauptverband der Sozialversicherungsträger ist. Das Gesundheitswesen gliedert sich in den sogenannten Niedergelassenen Bereich und die Spitäler. Für ersteren kommen die Sozialversicherung und Private auf, bei den Krankenhäusern zahlen auch Bund, Länder und Gemeinden dazu.

Bei den Sozialversicherungsträgern - neben Krankenkassen auch Pensions- und Unfallversicherungsanstalten - handelt es sich um selbstverwaltete Körperschaften, die regional (wie die Gebietskrankenkassen) oder nach Berufsgruppen (wie die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter) organisiert sind.

Finanzierung durch Versicherungsbeträge
Finanziert wird die Krankenversicherung in erster Linie durch die Versicherungsbeiträge. Diese betrugen im Jahr 2007 34,833 Mrd. Euro. Der Bund schießt unter bestimmten Bedingungen zu. Weitere Mittel werden durch Kostenbeteiligungen der Versicherten - die Selbstbehalte - lukriert. Insgesamt lagen die Einnahmen der Kassen 2007 bei 12,823 Mrd. Euro, die Ausgaben bei 13,178 Mrd. Euro. Rund zwei Millionen Österreicher sind übrigens als Angehörige ohne eigenen Beitrag mitversichert.

Insgesamt gab es 2007 37.643 Ärzte in Österreich. Davon waren 20.537 ausschließlich angestellt. 15.341 waren in einer Praxis tätig, rund die Hälfte von ihnen hatten ein Vertragsverhältnis mit der Krankenkasse und wären somit von der neuen Regelung betroffen.

Für den niedergelassenen Bereich handeln die Sozialversicherungsträger mit der Ärztekammer einen Kollektivvertrag aus, der die Anzahl der Kassenverträge einer Region, Öffnungszeiten und die Höhe der Leistungszahlungen festlegt. Kommt es zu keiner Einigung, tritt der sogenannte "vertragslose Zustand" ein. Für diesen Fall sollen laut dem Reformpapier der Bundesregierung in Zukunft auch Einzelverträge möglich sein, was bei den Ärzten für heftige Kritik sorgt.

Nur wenige Krankenanstalten in öffentlicher Hand
Insgesamt waren in Österreich 2006 264 Krankenanstalten mit 63.354 Betten in Betrieb. 121 davon stehen im Besitz von Bund, Ländern und Gemeinden, 51 werden von Privatpersonen und -gesellschaften finanziert, 42 gehören geistlichen Orden. Die Pensions- und Unfallversicherungen betreiben 33 Einrichtungen, zehn Anstalten werden von Vereinen und Stiftungen geführt, sieben von Krankenkassen selbst.

Medikamente werden einerseits in einer der 1.202 Apotheken öffentlichen Apotheken, andererseits bei den 963 hausapothekenführenden Ärzten abgegeben (Zahlen aus 2007). Für 4.226 Präparate übernahmen die Kassen 2007 die Kosten. Der Patient hat die Rezeptgebühr in der Höhe von 4,80 Euro zu entrichten.

Die Gesundheitsausgaben in Österreich beliefen sich 2006 insgesamt auf 26,1 Mrd. Euro. Das entspricht rund einem Zehntel des Bruttoinlandsprodukts.
(apa/red)

25.5.2008 13:49