Mittwoch, 21. Mai 2008

FORMAT: Unkündbare Festnetz-Beamte
bedrohen Gewinn der Telekom Austria

  • TA streicht rund 1.500 Stellen in der Festnetzsparte
  • Als Hoffnungsträger gilt das hauseigene "AonTV"

Ein brisantes Papier erschüttert die Festnetz-Sparte der Telekom-Austria (TA): Der verantwortliche Vorstand Rudolf Fischer präsentierte den Betriebsräten ein Effizienzprogramm, das es in sich hat. Per Ende 2009 müssen im Vergleich zum vergangenen Jahr 150 Millionen Euro eingespart sein, etwa 90 Millionen Euro davon entfallen auf Personalkosten. Geht man davon aus, dass der durchschnittliche Aufwand für einen Mitarbeiter pro Jahr rund 59.000 Euro beträgt, sind 1.500 Stellen vom Abbau bedroht. Festnetz-Vorstand Gernot Schieszler (Finanzen und Personal) sieht Investitionen als einzige Chance für den "Patient Festnetz".

Um die Sparziele zu erreichen, sollen 2008 und 2009 jeweils rund 500 - unkündbare - Beamte aus dem operativen Prozess herausgenommen werden, dazu in Summe 500 Angestellte. Zoff ist somit vorprogrammiert, wobei Schieszler betont: "Wir müssen aufhören, die Beamten als Leute darzustellen, die dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Sie sind im Schnitt seit 20 Jahren im Unternehmen und können nichts dafür, dass sie als Beamte aufgenommen wurden. Es gibt keine Probleme bezüglich Arbeitsmoral und Qualifikation. Das ändert aber nichts daran, dass wir aufgrund der Technologieentwicklung weniger Leute brauchen."

Um die Idee einer von der Staatsholding ÖIAG finanzierten Beamten-Agentur, wohin die Betroffenen verlagert werden könnten, ist bereits ein heftiger Politstreit entbrannt. Kommt ein solches Modell nicht, muss die Telekom die Kosten zur Gänze selbst tragen und dafür hohe Rückstellungen bilden. Die Gewerkschaft will einen Grundsatzbeschluss gegen die Beamten-Agentur fällen.

Investitionen als einzige Chance
Schieszler: "Unsere einzige Chance ist, jetzt zu investieren. Sonst können wir weder die Werthaltigkeit des Unternehmens sichern noch den Verlust von Festnetzanschlüssen stoppen und brauchen am Ende noch weniger Leute." Laut internen Berechnungen würde sich die Zahl der Kunden ohne Glasfaserausbau von 2,4 Millionen (2007) bis 2011 auf 1,8 Millionen weiter reduzieren. "Die Entscheidung muss schnell fallen", erklärt der Manager. Das Festnetz könne nur bestehen, wenn jedem Haushalt über einen Breitbandzugang hochwertige Dienste wie TV, Alarmanlage oder die ärztliche Betreuung älterer Menschen angeboten werden. Das hauseigene aonTV soll zum Beispiel noch heuer von 50.000 auf 150.000 Kunden gepusht werden.

Beamte trüben Gewinnaussichten
Von den aktuell 9.600 Mitarbeitern der TA sind 6.900 Beamte, weitere 1.000 Vertragsbedienstete und lediglich 1.700 Angestellte. Springt der Staat nicht ein, "dann muss ich für jeden unkündbaren Beamten, der nicht mehr beschäftigt werden kann, eine Rückstellung bilden", sagt Finanzer Schieszler. Das ist rechtlich zwingend.

Grob gerechnet würde sich der TA-Nettogewinn, beginnend mit 2008, "dank" der Rückstellungen für unkündbare Beamte vier Jahre lang um jeweils 200 Millionen verschlechtern. Gegenüber dem Konzerngewinn 2007 von knapp 500 Millionen wäre das ein Minus von 40 Prozent - mit fatalen Folgen für den bereits schwer gebeutelten Aktienkurs.

Lesen Sie den ganzen Artikel im FORMAT 19/2008!

21.5.2008 11:45