Freitag, 9. Mai 2008

Ökologische Bauweise treibt Kosten in die Höhe: Innung warnt vor Anstieg des Pfuschs

  • FORMAT: Mit neuen Gesetzen gegen Schwarzarbeit
  • Bessere Zusammenarbeit der Behörden notwendig

Mit den ersten Sommertagen beginnt auf Österreichs Baustellen die Saison. Auch Herwig Heller hat dann um einiges mehr zu tun. Der Chef der Kontrollstelle illegaler Ausländerbeschäftigung (Kiab) bereitet derzeit Kontrollen auf mehreren Großbaustellen vor. Zwanzig Mann schickt er dann los. Pro Baustelle müssen bis zu dreihundert Arbeiter und oft vierzig Firmen, viele davon Subunternehmer der fünften und sechsten Ebene, überprüft werden. "Eine schwierige Sache, die lange vorbereitet werden muss", sagt Heller.

Tatsächlich ist die Schwarzarbeit am Bau - ebenso wie die Schattenwirtschaft insgesamt - österreichweit leicht rückläufig. Nach Schätzungen des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider erreichte 2007 die Schwarzarbeit im Baugewerbe 7,6 Milliarden Euro.

Nun aber warnt die Bundesinnung Bau der Wirtschaftskammer, dass mit der zunehmenden ökologischen Bauweise die Baukosten explodieren könnten, und damit auch die illegale Beschäftigung. Die Branchenvertreter legen jetzt ein Zehn-Punkte-Programm vor, wie sie die Schattenwirtschaft eindämmen wollen. "Die Betrügerei schadet unseren Unternehmen und dem Wettbewerb", begrün- det Innungsmeister Johannes Lahofer.

Innung fordert mehr Geld
Die Innung rechnet vor, dass mit den technischen Mehranforderungen für Niedrig- und Passivenergiestandard die Baukosten um 15 bis 20 Prozent steigen. Darüber hinaus müssten 1,5 Millionen bestehende Wohnungen thermisch saniert werden, will die Regierung die Klimaschutzziele erreichen. Zusätzlich zu den bestehenden rund 2,9 Milliarden Euro Wohnbauförderung verlangen die Bauunternehmer nun mindestens eine Milliarde Euro mehr in Form von Anreizen.

Beispiel: Die Mehrwertsteuer könnte auf zehn Prozent für die Renovierung von privatem Wohnraum gesenkt werden. "In vielen EU-Ländern hat sich diese Maßnahme gegen die Schwarzarbeit bestens bewährt. Hausbauer würden nämlich stärker gewerbliche Bauunternehmer beauftragen, wenn dies eine Steuerersparnis nach sich ziehen würde", ergänzt Innungs-Geschäftsführer Manfred Katzenschlager.

Zusätzlich verlangt die Bundesinnung vor allem abends stärkere Kontrollen auf den Baustellen, die Zusammenarbeit der Behörden, etwa der Sozialversicherung und der Gewerbebehörde, sowie eine stärkere Liberalisierung des Arbeitsmarkts.

Die Forderungen der Standesvertreter fallen zeitlich mit mehreren gesetzlichen Neuerungen zusammen. Seit Anfang des Jahres sind Baufirmen verpflichtet, ihre Mitarbeiter den Behörden vor Arbeitsbeginn zu melden. Außerdem wird derzeit von der Regierung eine Generalunternehmerhaftung vorbereitet. Diese Schritte seien zwar richtig, argumentiert die Wirtschaftskammer, aber zu wenig.

Weitere Informationen finden Sie im aktuellen FORMAT 19/2008.

(apa/red)

9.5.2008 15:40