"Spielintelligenz nicht messbar": Teamarzt Schopp will die Tests nicht überbewerten
- Leistungswerte der Spieler "sind nur ein Mosaikstein"
- Teamarzt "absolvierte" bereits 138 Länderspiele

Dem Gros von Österreichs Fußball-Teamspielern steht mit der EURO auch eine vierwöchige Trainingsphase bevor. So lange wie sonst eigentlich nie kümmert sich in dieser Zeit Teamarzt Ernst Schopp um die Gesundheit und Fitness der Kicker. Teamchef Josef Hickersberger liefert er mit seinen Messungen während und nach den Trainingseinheiten zudem wichtige Erkenntnisse - die er aber nicht überbewertet wissen will.
ÖFB-Teamarzt Schopp: "Spielintelligenz nicht messbar"
Utl.: Leistungswerte der Spieler "sind nur ein Mosaikstein" -
Team-Doktor kümmert sich schon seit 138 Länderspielen um die
Spieler =
Für Schopp, der im "zivilen" Leben eine tagesklinische Ordination in Neufeld (Burgenland) betreibt, bleibt trotz der langen Vorbereitung alles beim Alten. "Da ist nichts anders", stellte der 52-Jährige lapidar fest. "Wenn wir zehn Tage zusammen sind, ist es die selbe Arbeit. Meine Aufgabe ist es, den Trainer ständig über das stattgefundene Training und die Intensität zu informieren. Er zieht dann daraus seine Schlüsse."
Während der Trainingseinheiten tragen die Spieler seit rund einem Jahr GPS-Uhren, die Pulsfrequenz, Geschwindigkeit und gelaufene Distanz messen. Schopp kann sich die Daten grafisch darstellen lassen, wertet sie mit Computerhilfe in rund zweistündiger Arbeit aus und liefert Hickersberger so die Grundlagen für dessen Training. "Ich sage dem Trainer nur, was war. Der Coach weiß dann, welcher Spieler in welchem Bereich trainieren muss. So können wir sicherstellen, dass wir die Spieler nicht unterfordern bzw. ,abstechen'". In genau diesem Zusammenspiel bestünde das zeitgemäße Coaching. "Moderne Trainer müssen deshalb auch sehr viel Know-how haben."
Keine Überraschungen bei den Werten
Überraschungen angesichts mancher Werte kommen nicht vor. "Ich kenne die Spieler schon sehr gut", sagte Schopp, der dem Team bereits von 1988 bis 2004 und wieder seit 2006 zur Verfügung steht. Die Messungen will er allerdings nicht überbewerten: "Leider wird das oft als zentral angesehen. Aber das ist nur ein Mosaikstein. Testwerte hin oder her. Spielintelligenz lässt sich nicht messen. Und ob es so, wie wir es machen, der einzig wahre Weg ist, können wir auch nicht sagen."
Rein technisch gesehen, stellte Schopp fest, hätte sich in den letzten zehn Jahren eigentlich nicht viel geändert. "Abgesehen vom GPS haben wir das auch schon 1998 bei der WM so gemacht. Der Arbeitsaufwand ist freilich wesentlich größer, aber auch unsere Erfahrung. Wir können die Messungen besser einschätzen."
Ein neues Ultraschalldiagnosegerät
Erstmals verfügt Schopp beim Team zudem über ein mobiles Ultraschalldiagnosegerät, mit dem diverse Verletzungen rasch zugeordnet werden können. "Das ist eine wesentliche Erleichterung", meinte der Unfallchirurg, der auch für die Zusammenstellung des Essens verantwortlich ist. "Ich gebe der Küche aber nur in groben Zügen vor, was auf den Tisch kommt, sage den Spielern aber ebenso, wie viel sie essen sollen - und beobachte sie auch genau."
Seine Tätigkeit mit den Teamspielern lässt Schopp, der bereits säuberlich gezählte 138 Länderspiele "absolviert" hat, jedenfalls auf seine Rechnung kommen. Von "genießen" will er aber nicht sprechen. "Ich bin hier durchgehend konzentriert, die Anspannung ist wesentlich größer als bei meiner sonstigen Tätigkeit. Aber es ist auch ein wunderschönes Gefühl, die Verantwortung zu tragen. Das ist es mir wert."
(apa/red)
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