Beppo Mauhart als wichtiger Faktor für den Erfolg: So holte er die EM nach Österreich
- ÖFB Präsidium - lange Zeit gegen zweite Bewerbung
- Unterstützung vom ehemaligen UEFA-Generalsekretär
12. Dezember 2002, Genf, Hotel Intercontinental: Die ÖFB-Delegation mit Präsident Friedrich Stickler an der Spitze jubelt, Österreich hatte soeben freudige Kunde erhalten von der Entscheidung der in Nyon tagenden UEFA-Exekutive. Mit der Ausrichtung der 13. Fußball-Europameisterschaft 2008 wurden Österreich und die Schweiz betraut. Dass die ÖFB-Auswahl als Gastgeber erstmals an einer EM-Endrunde teilnehmen darf, ist das Verdienst von Stickler-Vorgänger Josef "Beppo" Mauhart.
Der "EM-Vater" weilte damals nicht in der noblen Westschweiz, sondern erfuhr von dem UEFA-Votum in einem kleinen Gasthaus in Maria Enzersdorf (NÖ), das er erstmals mit WFV-Präsident Kurt Ehrenberger und Ex-Bundesliga-Chef Hans Reitinger besucht hatte. "Ich habe das Lokal in der Meinung gewählt, dass mich dort keiner kennt." Doch der Wirt machte die Rechnung mit Beppo. Als aus dem Radio der "EM-Sieg" verbreitet wurde, marschierte das Küchenpersonal spontan mit einer Torte auf und gratulierte dem prominenten Gast. Die Wirtsleute wussten eben, wem der ganze Dank gebührt.
Endrunden-Premiere nach zweimaligem Scheitern
Mauhart kommentierte den Zuschlag damals mit Ruhe und Diplomatie, zwei Tugenden, die ihn während seiner Amtszeit als am längsten nach 1945 diendenden ÖFB-Chef in 17 Jahren, neun Monaten und zehn Tagen (von Juni 1984 bis April 2002) stets begleitet hatten. "Das Ergebnis zählte, ich habe das ja nicht zu meinem Privatvergnügen gemacht", sagte er damals. Nach dem Solo für 1996, das schon im Vorfeld wegen mangelnder Unterstützung zum Scheitern verurteilt war, und der Doppel-Bewerbung 2004 mit den überforderten Ungarn, hatte Österreich endlich seine Fußball-Premiere.
"Ich bin noch heute überzeugt davon, dass die Grundlage dieses Erfolgs die 2004-Bewerbung, die Projektleiter Heinz Palme konzipiert hatte, war. Das hat in der UEFA nachhaltig Anerkennung gefunden", betont Mauhart. Der frühere Generaldirektor der Austria Tabakwerke (AT) ist ein Mann, der seine Ziele verfolgt, den Sport, nicht seine Person in den Mittelpunkt stellt und daher auch die EM und Österreich nie aus seinen Augen verlor. Obwohl er anfänglich scheinbar gegen Windmühlen kämpfte, ein halbes Jahr die Politik von seiner Idee abermals "präparieren" musste, blieb er seiner Linie treu und warb im ganzen Land für die neuerliche EM-Kandidatur.
Mauhart: "Ich ließ gar nicht mehr abstimmen"
Auch das Präsidium des ÖFB war lange Zeit gegen eine zweite Bewerbung gewesen. Aber Mauhart trickste seine Kollegen im ÖFB-Gremium gekonnt aus. "Ich ließ gar nicht mehr abstimmen, weil ich von der Sache ohnehin so überzeugt war", verrät der heute 74-Jährige. Die Niederlage im Rennen um die EM 2004, die Österreich 1999 in Aachen gegen Portugal erlitten hatte, machte Mauhart noch stärker. Gerhard Aigner, der frühere UEFA-"General", hatte dem gebürtigen Ennser in der Stunde der Enttäuschung außerdem zusätzlichen Mut verliehen: "Ich würde ihnen empfehlen, sich wieder zu bewerben. Es war schon diesmal eine sehr gute Bewerbung."
Statt es mit Mauhart neuerlich zu versuchen und ihn eine siebente Periode an den ÖFB-Hebeln zu belassen, räumte der stets dem Fußball dienende Kapitän im April 2002 nicht ganz freiwillig seinen Posten und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt. Die neue Generation wollte eben die EM-Saat selbst ernten. "Frank Stronach sollte es werden. Ich habe den Vorschlag gemacht, wenn er auf den Sessel verzichtet, dann tue ich das auch. Und so einigte sich das Wahlkomitee auf Stickler", erklärt Mauhart.
Diese Phase der Enttäuschung war jedoch bald verflogen unter dem Motto "Das kann doch einen Mauhart nicht umhauen", 2006 wurde der Ex-ÖFB-Boss "Vize" der EM-Initiative "2008 - Österreich am Ball", tingelt als solcher emsig die Lande auf und ab und rührt für sein "Kind" die Werbetrommel.
Veränderungen und sportlicher Erfolg prägen Mauharts Ära
Beppo Mauhart war, ist und bleibt ein wesentliches Stück ÖFB-Geschichte. Eine fast radikal zu nennende Modernisierung des ÖFB mit der Übersiedlung von der Mariahilfer Straße ins damalige Prater-Stadion stand am Beginn seiner Ära, in der Pressesprecher Alfred Ludwig zum Generalsekretär avancierte.
Rückkehr zur Zehnliga, Eigenständigkeit der Bundesliga, Gründung des "Club der Freunde der Nationalmannschaft", Verbesserung der Trainerausbildung, Liberalisierung der Übertrittsbestimmung für Nachwuchsspieler und bessere Vermarktung des Verbandes waren weitere Meilensteine unter Mauhart. Auch die Bilanz im sportlichen Bereich kann sich sehen lassen. Unter seine Präsidentschaft fielen zwei WM-Teilnahmen (1990 in Italien, 1998 in Frankreich) und Verträge mit acht Teamchefs (Branko Elsner, Josef Hickersberger/WM 1990, Alfred Riedl, Dietmar Constantini, Ernst Happel, Herbert Prohaska/WM 1998, Otto Baric und Hans Krankl).
"Wenn wir gewonnen haben, war er nicht zu sehen, bei Niederlagen stärkte er mir den Rücken", erzählt Prohaska über seinen Ex-Chef, der sich selbst nach der Schmach gegen die Färöer (0:1 am 12.9.1990 in Landskrona/SWE) während dessen erster ÖFB-Ära als Teamchef zu Hickersberger bekannte: "Ich hätte ihn damals gehalten, wenn er nicht selbst demissioniert hätte."
(apa/red)
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