9.5.2008 12:54

Mit dem Ball per Sie, mit der UEFA per
Du: ÖFB-Boss Friedrich Stickler im Porträt

  • Spielte als "passiver Fußballer" nie bei einem Verein
  • Seine Karriere in der UEFA soll nach EM weitergehen

Die Liebe zum Fußball kann nicht nur am Platz ausgelebt werden. Bestes Beispiel dafür ist Österreichs oberster Fußball-Funktionär Friedrich Stickler. "Ich war zwar sehr schnell, aber nicht sehr erfolgreich mit dem Ball", erinnert sich der ÖFB-Präsident, der in Schulmannschaften als linker Flügel spielte.

In seiner Jugend betätigte sich Stickler als Leichtathlet, bei einem Fußball-Verein war er nie engagiert. "Aber ich war immer leidenschaftlicher passiver Fußballer", betont der 59-Jährige. Als sein persönliches "Initiations-Erlebnis" bezeichnet der Wiener den Besuch eines in den 1950er-Jahren traditionellen Osterturniers, an dem Wiener und Budapester Spitzenclubs teilnahmen. Die Atmosphäre im mit rund 80.000 Zuschauern gefüllten Prater-Stadion sei für ihn als kleinen Buben dermaßen beeindruckend gewesen, dass er sich der wichtigsten Sportart der Welt fortan tief verbunden fühlte.

Lotterien als Sprungbrett zur UEFA
Diese Verbundenheit zeigte sich ab den 1980er-Jahren auf organisatorischer Ebene. Stickler saß damals aufgrund seiner Tätigkeit bei den Österreichischen Lotterien in der BNZ-Kommission. Parallel dazu machte der Diplom-Ingenieur auch erstmals Bekanntschaft mit der UEFA und verhandelte für die europäischen Lotterien mit der europäischen Fußball-Union über den Intertoto-Cup.

Schon wenig später wechselte er die Seiten und übernahm den Vorsitz der UI-Cup-Kommission der UEFA, in der er langsam Fuß fasste. Richtig ins Rollen kam seine Fußball-Funktionärs-Karriere im April 2002, als er Beppo Mauhart als ÖFB-Präsident beerbte. Wenig später kürte ihn die UEFA zum Vorsitzenden der Clubbewerbs-Kommission, die er zumindest bis 2011 leitet.

Kritik an Führungsstil
Ungern erinnert er sich an die Turbulenzen rund um einige schlechte Auftritte des ÖFB-Teams in EM-Vorbereitungsspielen zurück. "Es hat natürlich Phasen gegeben, in denen es gar nicht lustig war."

Als die Rekrutierung Steffen Hofmanns für das österreichische Nationalteam misslang und der ÖFB-Boss im Jahr 2005 einen Tag vor dem Champions-League-Spiel von Rapid Wien gegen Juventus Turin die Ablösung des Teamchefs Hans Krankl durch Noch-Rapid-Betreuer Josef Hickersberger ankündigte, wurde Kritik an Sticklers Führungsstil laut, der sich von jenem seines oft polternden Vorgängers Mauhart stark unterscheidet.

Dem Wiener wird unter anderem vorgehalten, oft zu zögerlich zu agieren, was beim ÖFB-Chef allerdings auf Unverständnis stößt. "Ich habe einen Management-Stil, den ich bei den Lotterien seit 20 Jahren wie ich glaube erfolgreich umsetze. Man muss nicht immer poltern und schreien, um seinen Willen zu artikulieren. Ich weiß sehr genau, was ich will und wo ich hinwill, und ich glaube, ich setze mich durch."

Nächstes Ziel: UEFA-Exekutivkomitee
Sticklers Ausdauerfähigkeit wird in den kommenden Monaten nicht nur aufgrund der Heim-EM gefragt sein. Der 59-Jährige muss in naher Zukunft auch seine guten Beziehungen spielen lassen, um das großes Ziel - einen Platz im UEFA-Exekutivkomitee - zu erreichen. Aufgrund der EURO sitzt der ÖFB-Präsident schon seit dem Vorjahr als kooptiertes, aber nicht stimmberechtigtes Mitglied im höchsten UEFA-Gremium, dem er nach den Wahlen im Herbst fix angehören will.
(apa/red)

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9.5.2008 12:54
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