Schlägerhorde von Polizisten überwältigt: Einsatzkräfte probten in Wien EM-Ernstfall
- Fangruppen-Trennung, Festnahmen und Abläufe geübt
- EURO wird Reifeprüfung für gut vorbereitete Polizei
Fußballfans im Ausnahmezustand, Trennung rivalisierender Fangruppen und 35 Festnahmen: Den möglichen Alltag während der Fußballeuropameisterschaft 2008 haben Hunderte Polizisten aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland in der Bundeshauptstadt geprobt. "Ziel der Übung war, zu testen, was zu tun ist, wenn es zu Verhaftungen kommt", sagte Oberstleutnant Christian Stella vom Landespolizeikommando Wien zur APA. Außerdem sei es notwendig, den Kollegen im Vorfeld die Scheu vor einer Festnahme zu nehmen.
"Was wir bis jetzt nicht gelernt haben, können wir in zwei Wochen auch nicht mehr lernen", betonte WEGA-Kommandant Oberst Ernst Albrecht. Die Fußballeuropameisterschaft sei für die Einsatzkräfte ähnlich wie die Matura. Man sei gut vorbereitet und freue sich bereits auf die EM. "Wien ist sicher und wird auch sicher bleiben", so die Überzeugung der Beamten.
Fangruppen-Crash in der U-Bahn als Aufwärmübung
Im Übungsszenario waren bei der Anreise zum EM-Match in Wien zwei rivalisierende Fangruppen in der U-Bahn aufeinandergetroffen, diese mussten von der Polizei getrennt werden. Bei diesem ersten Teil in der U2-Station "Praterstern" waren es jedoch "brave", jubelnde Fans, derer die Kräfte Herr werden mussten. Dargestellt wurden die Fußballanhänger der gegnerischen Mannschaften "Gelb-" und "Weißland" von rund 200 Polizeischülern.
"Wir proben einen typischen Spieltag in Wien", erklärte Stella. "Die Herausforderung dabei ist, sich nicht durch die Stimmung aufheizen zu lassen." Das Kräftekalkül entspreche natürlich nicht der Realität, betonte WEGA-Kommandant Albrecht. Ziel der Übung sei es allerdings, dass möglichst viele Beamte das "finehandling" für derartige Einsätze trainieren können. Die Trennung der verfeindeten Fangruppen stellte dabei die "Aufwärmübung" dar.
Im zweiten Teil der Übung hatten die Kräfte mit einer aggressiven Schlägergruppe zu kämpfen. Mehr als 30 junge Männer und Frauen, die am Vortag eine Autobahnraststätte demoliert hatten, so das Übungsszenario, mussten aus einem Bus herausgeholt und festgenommen werden.
Umgang mit aggressiven Fans geprobt
Ein Teil der tobenden Horde kam freiwillig aus dem Bus, die restlichen Störenfriede mussten mit Polizeigewalt "festgenommen" werden. Mit Schimpftiraden begleiteten diese Fans, die sich teilweise auf den Boden legen mussten, diese Maßnahmen. Die Störenfriede wurden anschließend in das Polizeianhaltezentrum Roßauer Lände gebracht. Die Einsatzkräfte wollten damit den organisatorischen Ablauf - Datenaufnahme, Durchsuchung, Inhaftierung - üben.
"Die Übung hat wirklich sehr, sehr gut funktioniert. Dass es da und dort zu Nachbesserungen kommen wird, ist klar", sagte Stella. Etwa 700 Kräfte und ca. 300 Polizeischüler beteiligten sich an der Übung. Laut Polizei waren rund die Hälfte jener Beamten aus dem Burgenland und Niederösterreich im Einsatz, die während der EM ihren Dienst in Wien versehen werden. Eine zweite Übung mit den restlichen Einsatzkräfte aus den Bundesländern folgt.
(apa/red)
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