Österreich ist für China "wichtiger Partner":
Bilaterale Beziehungen seit langem sehr gut
- Regierung trägt Bedenken in Peking behutsam vor
- Beziehungen zum Reich der Mitte mit langer Tradition

·China: Verbalattacke gegen den Dalai Lama
Für "Verbrechen" in Tibet verantwortlich gemacht
Auch wenn man in Peking ob des Empfangs für den Dalai Lama durch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) im vergangenen September die Nase gerümpft haben mag, die bilateralen Beziehungen zwischen der Alpenrepublik und dem Reich der Mitte gelten als sehr gut. "Die chinesische Seite betrachtet Österreich als einen wichtigen Partner Chinas in Europa", betonte der chinesische Botschafter Wu Ken kürzlich bei einem Vortrag in Wien.
Österreichische Regierungsvertreter legen Behutsamkeit an den Tag, wenn es um die heißen Eisen im sino-europäischen Dialog wie Tibet, Todesstrafe oder Demokratie geht. Als etwa Bundespräsident Heinz Fischer jüngst in Wien zu seinem Protest gegen das Todesurteil im Fall des chinesischen Biochemiker Wo Weihan befragt wurde, klang seine Antwort fast schon entschuldigend. "Wenn der Vater von zwei österreichischen Staatsbürgern von der Todesstrafe bedroht ist, egal wo das ist, dann glaube ich, darf und soll man seine Stimme erheben", sagte Fischer. Das sei keine Einmischung, sondern Ausdruck einer Überzeugung in einer Gewissensfrage, warb er bei den Chinesen um Verständnis.
Anders als andere EU-Spitzenpolitiker rangen sich österreichische Regierungsvertreter bisher auch nicht zu einem Boykott der Olympia-Eröffnungsfeier durch. Zu stark ist die Furcht, den wichtigen Handelspartner - die österreichischen Exporte nach China stiegen im Vorjahr um ein Drittel auf 1,6 Milliarden Euro an - zu vergrämen. Außenministerin Ursula Plassnik (V) betonte jedoch, die EU dürfe sich von der chinesischen Führung "nicht als Feigenblatt missbrauchen" lassen, und protestierte bei Botschafter Wu gegen die Gewaltanwendung in Tibet.
Oppositionsparteien, Menschenrechtlern und Tibet-Aktivisten ist das zu wenig. Sie sehen "den langen Arm Chinas" längst bis nach Österreich reichen, wie die Grüne Vizechefin Madeleine Petrovic jüngst sagte. Ein plakatives Beispiel dafür ist die Weigerung der Post, eine private Sonderbriefmarke zum 70. Geburtstag des Dalai Lama im Jahr 2005 zu drucken. Das Unternehmen soll seine ursprüngliche Zusage aufgrund chinesischer Interventionen zurückgenommen haben, behaupten Tibet-Aktivisten. Die Post wollte dies weder bestätigen noch dementieren.
Häufige Kontakte auf unterschiedlichen Ebenen
Im Jahr 1993 hatte Bundeskanzler Franz Vranitzky (S) als erster österreichischer Regierungschef Peking besucht. Dass er dabei auch den Tiananmen besichtigte, war von den Grünen als "Kniefall vor den Diktatoren Chinas" kritisiert worden. Seit dem Abgang der "Hardliner" Li Peng und Jiang Zemin - er kam 1999 als erster chinesischer Präsident nach Wien - sind die Proteststürme etwas abgeebbt. So verlief der Österreich-Besuch von Li Pengs Nachfolger Zhu Rongji im September 2002 weitgehend ohne Zwischenfälle. Als bisher letzter österreichischer Regierungschef war Wolfgang Schüssel (V) im April 2005 in Peking.
China und Österreich pflegen auch auf gesellschaftlicher Ebene einen regen Austausch. Schätzungen zufolge leben mindestens 10.000 Chinesen in Österreich, knapp 1.400 chinesische Studenten studierten im vergangenen Studienjahr an österreichischen Unis, insbesondere Wirtschaftswissenschaft, Musik und Kunst. Die Zahl der österreichischen Studenten in China betrug im Jahr 2005 rund 380. Die "Kulturgroßmacht" Österreich hat auch bei chinesischen Touristen einen guten Ruf. 171.000 Chinesen besuchten im Vorjahr Österreich, während es im Jahr davor 61.500 österreichische Touristen ins Reich der Mitte zog.
Lebhafte gemeinsame Geschichte
Die österreichisch-chinesischen Beziehungen haben eine lange Tradition. Als Gesandter von Kaiser Rudolf II. bereiste bereits im Jahr 1590 der oberösterreichische Adelige Georg Christoph Fernberger zu Egenberg das Reich der Mitte. Später kamen mehrere österreichische Jesuiten nach China, nicht nur als Seelsorger, sondern auch als hohe Regierungsberater. Gegen 1900 startete Österreich-Ungarn auch ein Kolonialabenteuer in China und erhielt eine 2,5 Quadratkilometer große Landkonzession in Tianjin (Tientsin), die aber hauptsächlich Kosten verursachte.
In der Zwischenkriegszeit waren zahlreiche österreichische Bahnexperten, Ingenieure, Polizeiberater und Mediziner in China tätig, darunter der frühere sozialdemokratische Wiener Gesundheitsstadtrat Julius Tandler, der das chinesische Medizinstudium reformierte. Umgekehrt fanden etwa 5.000 österreichische Juden vor der Nazi-Verfolgung in Shanghai Zuflucht, dank des chinesischen Konsuls in Wien, Ho Feng-shan (1938-40), der entgegen den Richtlinien seiner Vorgesetzen alle Visaanträge von Juden positiv erledigte. (apa/red)
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