Freitag, 9. Mai 2008

Aguri-Ausstieg heizt Kostendebatte neu an:
Formel 1 für immer weniger Teams leistbar

  • Derzeit bleiben zwei potenzielle Teamplätze frei
  • Budget der wettbewerbsfähigen Teams bei 400 Mio.

Der Super-Aguri-Rückzug hat die Kosten-Debatte in der Formel 1 weiter angeheizt und die Protagonisten der PS-Branche ins Grübeln gebracht. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bedauert die Entwicklung: "Ich finde es schade, dass die Ausweitung auf mehr Teams einigermaßen kläglich gescheitert ist. Die Gefahr ist auch gegeben, dass es auch noch weniger Teams geben kann."

Schon Ende des Vorjahres hatte auch Prodrive den geplanten Einstieg in die Formel 1 abgeblasen, weil es absehbare Probleme mit den sogenannten "Kundenautos" gegeben hatte. Dort wollte man mit Autos und Motoren von McLaren-Mercedes antreten. Diese Trendumkehr könnte nun auch Toro Rosso auf den Kopf fallen. Seitdem klar ist, dass diese relativ kostengünstigen "Junior-Teams" nicht mehr erwünscht sind, steht auch das Red-Bull-B-Team zum Verkauf.

Lediglich "Zirkusdirektor" Bernie Ecclestone scheint die Lücke, die das Fehlen des japanischen Privatteams in der Manege des Istanbul Speed Parks hinterlassen hat, nicht zu stören. "Das bedeutet mehr Platz. Die Teams expandieren mit ihren Hospitality-Bereichen und ihren Trucks immer mehr. Uns geht ständig der Platz aus", wurde der Brite von "motorsport-total.com" vor dem Großen Preis der Türkei zitiert.

Insgesamt zählen zu Ecclestones Wandertruppe nach dem Super-Aguri-Aus nun wieder nur zehn Rennställe mit 20 Piloten. Zwei Team-Plätze wären noch frei. Doch wegen des Aufwandes an Geld, Mensch und Material ist es fraglich, ob sich Investoren für das Wagnis finden. "Ich sehe jetzt nicht, dass morgen oder übermorgen neue Teams dazukommen so ohne weiteres", sagte Mercedes-Mann Haug.

Toro Rosso nächster Ausstiegskandidat
Im Gegenteil: In Toro Rosso gibt es schon den nächsten Ausstiegs-Kandidaten. Der Tochter-Rennstall von Red Bull muss bis Ende 2009 einen neuen Mitbesitzer finden. Energy-Drink-Vertreiber Dietrich Mateschitz will seinen 50-Prozent-Anteil verkaufen. Selbst dem österreichischen Multi-Milliardär ist ein Rennstall genug. Neben Mateschitz' Red Bull und Toro Rosso sind nur noch Force India und Williams die einzigen rein privaten Rennställe. In den vergangenen Jahren zogen sich etliche Rennställe wie Prost, Jordan, Jaguar oder Arrows zurück oder wurden übernommen.

Rund 120 Millionen Dollar kostet es derzeit, um sich im teuersten Kreisverkehr der Welt einfädeln zu können. Wer vorne mitfahren will, muss 400 Millionen Dollar berappen - eine Summe, die sich in erster Linie die großen Automobil-Hersteller wie BMW, Mercedes, Toyota, Honda, Renault und Ferrari leisten können. Wenn von 2010 an auch die bisher noch mit Kundenautos versorgten Privatteams die Wagen selber bauen müssen, wird es noch teurer.

Diskussionen über Kostenreduzierungen
Die Kostenexplosion ist nicht neu. Immer wieder wird in der Schein-Welt mit einem jährlichen Umsatz von vier Milliarden Dollar über Reduzierungen diskutiert. Eine Idee sind Budgetobergrenzen.

Der Vorschlag des Internationalen Automobil-Verbandes FIA sieht laut dem Fachmagazin "auto, motor und sport" vor, dass ab 2009 jedes Team nur noch 150 Millionen Euro (230 Millionen Dollar), ein Jahr später 130 Millionen Euro (200 Millionen) und die Saison darauf nur noch 110 Millionen Euro (170 Millionen) aufwenden darf. Ausgenommen sind die Kosten für Motoren und die Fahrergehälter. "Natürlich kann man nicht über Nacht alles ändern, aber meiner Meinung nach sollten wir in zwei Jahren bei Beträgen sein, die auch für unabhängige Teams leistbar sind", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen.
(apa/red)

9.5.2008 13:22
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