Toller Höhepunkt der 'Reise der Harmonie': Olympisches Feuer lodert am Mount Everest
- Inszenierung am Berg als medialer Höhepunkt
- Tibeter sprechen von "Popaganda der Chinesen"
·Olympische Fackel begeistert empfangen
Laute Anfeuerungsrufe am Straßenrand in China
·Fackellauf in Macao verläuft harmonisch
Anti-chinesische Proteste bleiben diesmal völlig aus
·China: Verbalattacke gegen den Dalai Lama
Für "Verbrechen" in Tibet verantwortlich gemacht
·Jubel und Proteste bei Fackellauf in China
Läufer tragen Feuer acht Stunden durch Hongkong

Drei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking haben Fackelträger das olympische Feuer auf den höchsten Berg der Erde getragen. Chinesische und tibetische Bergsteiger erklommen mit der Fackel den Gipfel des 8.848 Meter hohen Mount Everest. Das chinesische Staatsfernsehen übertrug den Aufstieg live in alle Welt. "Lang lebe Tibet" und "Lang lebe Peking" riefen die Bergsteiger der letzten Etappe in eine Fernsehkamera. Bei Temperaturen von Minus 30 Grad und starkem Wind entrollten sie auf dem Gipfel des höchsten Berges der Welt unter anderem die chinesische Nationalflagge und die Olympische Fahne.
"Wir haben ein Versprechen an die Welt eingelöst und einen Traum aller Chinesen wahr gemacht", sagte der Chef des Basislagers, Li Zhixin, zu Journalisten. Menschenrechtsgruppen verurteilten Chinas Fackellauf zum höchsten Punkt der Erde dagegen als politisch motiviert. In Österreich betonte die Organisation "Save Tibet" in einer Aussendung, die Tibeter und deren Unterstützer betrachteten die Gipfelaktion als "Propaganda der Chinesen", die damit ihren Anspruch auf Tibet untermauern würden. Chinas "Angriff" auf den Everest und der anschließende Fackellauf durch Tibet seien in Wahrheit ein "Angriff auf Tibets Religion, Kultur und sein Volk".
In Laterne transportiert
Die Bergsteigergruppe hatte das Feuer bis kurz vor den Gipfel sechs Stunden lang in einer Laterne getragen. Erst auf den letzten Schritten wurde eine Fackel entzündet. Fünf der Kletterer reichten das Feuer wie in einem Mini-Staffellauf an den jeweils nächsten weiter. Letzte war die Tibeterin Ciren Wangmu (Cireng Wangu), die die Flamme ohne Sauerstoffgerät zur 8.848 Metern hoch gelegenen Spitze trug.
Schlechtes Wetter hatte die Aktion zuletzt verzögert: Am Wochenende verhinderten Schneefälle einen Aufstieg zum Gipfel. Die Fackelträger mussten auf etwa 6.500 Metern ausharren. Die vergangenen drei Tage hatten den Bergsteigern jedoch relativ gutes Wetter beschert.
Der Fackellauf ist in vielen Teilen der Welt von Protesten gegen Chinas Tibet- und Menschenrechtspolitik begleitet gewesen. Journalisten berichteten am Donnerstag, sie könnten sich kein eigenes Bild davon machen, ob die Fackel wirklich auf den Gipfel getragen worden sei. Sie seien ausschließlich auf Informationen der Behörden angewiesen.
Dialog mit Dalai Lama soll fortgesetzt werden
Unterdessen teilte der Gesandte des Dalai Lama mit, dass die chinesische Regierung den im Juni vergangenen Jahres abgebrochenen formellen Dialog mit dem Oberhaupt der Tibeter wieder aufnehmen wolle. Darauf hätten sich beide Seiten trotz großer Differenzen bei den informellen Gesprächen in China geeinigt, sagte der Gesandte Kasur Lodi Gyaltsen Gyari am Sitz der tibetischen Exilregierung im nordindischen Dharamsala. Ein Datum solle bald festgelegt werden.
Der Dalai-Lama-Gesandte erklärte weiters, bei den Gesprächen in China hätten beide Seiten "stark unterschiedliche Ansichten über das Wesen und die Ursachen der jüngsten tragischen Vorfälle in Tibet" offen zum Ausdruck gebracht. Die tibetische Seite habe die Vorwürfe gegen den Dalai Lama, dieser habe zu den Unruhen angestachelt, kategorisch zurückgewiesen. "Stattdessen haben wir deutlich gemacht, dass die Vorfälle in Tibet die unvermeidlichen Folgen einer falschen Politik der Behörden gegenüber den Tibetern sind, die mehrere Jahrzehnte zurückreicht."
Ebenso habe man die Anschuldigung zurückgewiesen, das Oberhaupt der Tibeter sabotiere die Olympischen Spiele. Die tibetische Seite habe verlangt, die bei en Unruhen Gefangenen freizulassen, Verletzten medizinische Versorgung zukommen zu lassen und Besuchern und Medien freien Zugang nach Tibet zu gewähren.
(APA/red)
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