Montag, 5. Mai 2008

Neue Pläne für Stromgewinnung: Großes Ausbaupotenzial bei unserer Wasserkraft

  • "Masterplan Wasserkraft": Bis zu 13 TWh zusätzlich
  • Vorgehen zukünftig nur im Dialog mit Naturschützern

Österreich sollte die Wasserkraft zur Stromerzeugung zügig ausbauen. Das verlangten Wirtschaftsminister Bartenstein und der Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ). In einem ersten Schritt könnten bis zum Jahr 2020 um 8,4 Milliarden Euro etwa sieben Terawattstunden (TWh) realisiert werden. Das gesamte technisch-wirtschaftliche Potenzial wird auf rund 13 TWh geschätzt.

"Wer Ja zum Klimaschutz in Österreich sagt, muss auch Ja zur Wasserkraft sagen", betonte der Wirtschaftsminister wiederholt in Richtung von Umwelt- und Naturschützern. Allein mit Energiesparen und mehr Energieeffizienz könne der jährlich um zwei bis drei Prozent wachsende Stromverbrauch nicht ausgeglichen werden. Ja, natürlich werde es da und dort gegen Kraftwerksstandorte auch Widerstände und Einsprüche geben, so Bartenstein. Mit der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gebe es aber etablierte Verfahrensmaßnahmen.

"Ein Drüberfahren wird es in Zukunft nicht geben können", man werde "nur im Dialog" vorgehen, bekräftige VEÖ-Präsident Leo Windtner. So hätten etwa in Oberösterreich alle Seiten aus den seinerzeitigen Auseinandersetzungen um seit 2000 in Betrieb befindliche Kraftwerk Lambach der Energie AG gelernt. Klar sei aber, so Windtner: "Wir müssen auch in Großkraftwerke investieren." Dazu müssten auch die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden.

Löwenanteil in Tirol
Welche bisher unbekannten Kraftwerksstandorte dem "Masterplan Wasserkraft" noch zugrunde liegen, wollten Bartenstein und Windtner noch nicht verraten. Fest steht jedoch, dass vom technisch-wirtschaftlichen Potenzial von insgesamt 13 TWh der Löwenanteil von 5,3 TWh (5.300 GWh) in Tirol liegt, gefolgt von der Steiermark (2,1 TWh), Salzburg (1,6 TWh) und Vorarlberg (1,2 TWh); in Ober- und Niederösterreich wurden 800 bzw. 600 GWh geortet.

Verantwortung der Bundesländer
Für einen beschleunigten Ausbau der Wasserkraft in Österreich, der auch aus Gründen des Klimaschutzes geboten sei, müssten die Bundesländer ebenfalls Verantwortung übernehmen, forderte Bartenstein: "Die Länder werden an Bord kommen, da bin ich mir sicher. Ich möchte wieder einen Vorrang für Wasserkraft."

Keine öffentliche Förderung für Großkraftwerke
Auch sollte die EU-Wasserrahmen-Richtlinie in Österreich so umgesetzt werden, dass sie nicht auf Kosten der Wasserkraft gehe. Über die EU-Vorgaben sollte hier nicht hinausgegangen werden, betonte der Minister. Ansonsten drohe hier ein Verlust von 2 TWh. Für Großkraftwerke sei keine öffentliche Förderung nötig, sagte der Minister auf eine entsprechend Frage; mittlere Anlagen würden bis zu 10 Prozent gefördert, kleine bis zu 20 Prozent.

VEÖ-Präsident Energie-AG-OÖ-Chef Leo Windtner forderte, der Wasserkraft-Schulterschluss Bund-Länder-E-Wirtschaft sollte "umgehend" erfolgen, damit in Sachen Ausbau rasch zur Tat geschritten werden könne. Bei den passenden Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen müsse, gehe es vor allem um eine wesentliche Beschleunigung der Genehmigungsverfahren. Dies sei auch eine Frage der Investitionssicherheit für die E-Wirtschaft.

Vom theoretischen Gesamtpotenzial an Wasserkraft in Österreich von 56 TWh (56 Mrd. GWh) seien 38 TWh bereits ausgebaut, erinnerte Bartenstein. Von den restlichen 18 TWh könnten - ohne Antasten von Nationalparks oder Weltkulturerbe - 13 TWh wirtschaftlich sinnvoll realisiert werden, davon 7 TWh bis zum Jahr 2020. Dies entspreche von der Größenordnung etwa sieben mal dem Kraftwerk Wien-Freudenau. Faktisch dürften aber nur rund drei Viertel auf Großkraftwerke entfallen, etwa ein Viertel auf Kleinkraftwerke.

Ausbau Kaunertal und Kaprun
Die vorgelegten Auszüge aus dem "Masterplan Wasserkraft" enthalten als größte Projekte den laut Tiwag-Optionenbericht bis 2015/2020 geplanten Ausbau Kaunertal durch Zubau Taschachtal-Gepatsch (505 MW Leistungssteigerung bzw. 635 GWh Erzeugungssteigerung) sowie die drei ebenfalls schon bekannten Pumpspeicher-Vorhaben Kaprun Limberg II von Verbund AHP (480 MW für 400 Mio. Euro bis 2012), Kopswerk II von Illwerken/VKW mit 450 MW Leistung sowie Reißeck II von Verbund AHP In Kärnten (430 MW für 450 Mio. Euro bis 2014).

Nur noch drei weitere Vorhaben, die unter den bis zum Jahr 2020 realisierbaren Wasserkraft-Projekten genannt werden, haben eine Dimension von 100 MW oder mehr (Sellrain-Silz-Ausbau durch Tiwag mit 190 MW, 224 GWh), Obervermunt II von Illwerken/VKW in Vorarlberg (160 MW) sowie Pumpspeicher Tauernmoos durch ÖBB Infrastruktur Bau (100 MW). Das heißt, ein erheblicher Teil der möglichen Großkraftwerke ist der Öffentlichkeit noch unbekannt.

Reaktion der WKÖ
Während die Wirtschaftskammer weitere Wasserkraftwerke in Österreich begrüßte, kritisierten Umweltverbände den vom Verband der Elektrizitätsunternehmen (VEÖ) und Minister Martin Bartenstein präsentierten Ausbauplan. Der Umweltdachverband bezeichnete die Wasserkraft-Potenzialstudie als "wertlos", da die Ökologie unberücksichtigt bleibe. Die Grünen bezeichneten Großwasserkraftwerke als "falsche Lösung".
(apa/red)

5.5.2008 13:44