Mittwoch, 7. Mai 2008

Obama kommt Weißen Haus immer näher:
Nach Sieg in North Carolina kaum einholbar

  • Vorsprung auf Erzrivalin Clinton weiter ausgebaut
  • Totaler Absturz der Ex-First Lady knapp verhindert

Barack Obama nimmt Kurs auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Bei zwei wichtigen Vorwahlen gelang ihm ein großer Schritt auf dem Weg zur Nominierung. In North Carolina deklassierte er seine Kontrahentin Hillary Clinton mit einem klaren Sieg. Die frühere First Lady konnte einen totalen Absturz nur mit einem denkbar knappen Sieg in Indiana verhindern. In den bis Anfang Juni verbleibenden sechs Vorwahlen kann sie Obama aber kaum mehr einholen.

Der 46-Jährige baute mit den beiden Abstimmungen seinen Vorsprung bei den Delegiertenstimmen auf 1.836 zu 1.681 aus. Clinton verpasste bei den beiden Vorwahlen die Chance, sich mit zumindest einem souveränen Sieg den dringend erhofften psychologischen Vorteil im Ringen um die Gunst der knapp 800 ungebundenen Superdelegierten zu verschaffen. Diese werden wegen des knappen Rennens mit ihrem Votum letztendlich den Ausschlag geben, wer für die Demokraten im November in die Präsidentschaftswahl zieht. 2.025 der 4.049 Delegiertenstimmen sind für die Nominierung erforderlich. Mit 72 bzw. 115 Delegiertenstimmen waren Indiana und North Carolina die beiden letzten großen Staaten, in denen Vorwahlen abgehalten wurden. In den ausstehenden Vorwahlen sind nur noch 217 Delegierte zu vergeben.

Clinton mit Kampfansage
Clintons hauchdünner Sieg in Indiana stand erst Stunden nach Schließung der Wahllokale fest. Sie kam dort auf 51 Prozent, Obama auf 49. In North Carolina landete Clinton mit 42 Prozent volle 14 Punkte hinter ihrem Rivalen. Dennoch beteuerte sie, an ihrer Bewerbung festzuhalten. "Jetzt geht es mit Volldampf zum Weißen Haus", rief sie ihren Anhängern in Indianapolis zu. Die Mittelklasse in Amerika benötige einen Sachwalter ihrer Interessen im Weißen Haus. "Ich werde nie aufhören, für Euch zu kämpfen", versprach die Senatorin. Eindringlich bat die New Yorker Senatorin um Spenden, um im innerparteilichen Wettstreit mit Obama "wettbewerbsfähig" bleiben zu können. Ihr Konkurrent konnte bisher erheblich mehr Spenden sammeln als sie.

"Heute Abend sind wir nur noch weniger als 200 Delegiertenstimmen von der sicheren Nominierung entfernt", rief Obama vor begeisterten Anhängern in Raleigh in North Carolina. Die Wähler hätten sich für "ehrliche Antworten" auf die Herausforderungen Amerikas entschieden. "Wir haben gesehen, dass es möglich ist, die Politik des Spaltens und des Ablenkens zu überwinden, dass es möglich ist, die üblichen alten, negativen Angriffe zu überwinden", sagte der Kandidat sichtlich erleichtert. Die vergangenen Wochen waren nicht leicht für den 46-Jährigen, der der erste schwarze Präsident der USA werden könnte. Vor allem die umstrittenen Äußerungen seines früheren Pastors Jeremiah Wright, die als rassistisch und amerikafeindlich eingestuft wurden, machten ihm zu schaffen. Obama wirkte deshalb zeitweise müde und gelegentlich auch gereizt.

McCain im Visier
Nach seinem Triumph in North Carolina, wo überdurchschnittlich viele schwarze Wähler leben, nahm Obama selbstbewusst McCain ins Visier. Der 71-Jährige steht seit Wochen als Kandidat der Republikaner fest. Auf keinen Fall dürfe McCain ins Weiße Haus einziehen und dort "die dritte Amtszeit von George Bush absolvieren", forderte Obama. "Wir brauchen einen Wechsel in Amerika, und deswegen werden wir im November vereint antreten", schwor er die Demokraten auf sich ein. Die Partei fürchtet, aus dem ungewöhnlich langen und inzwischen mit harten Bandagen geführten Vorwahlkampf zerstritten und geschwächt hervorzugehen, bevor die eigentliche Schlacht um die Präsidentschaft überhaupt beginnt.

Im Kreis der Demokratischen Partei wurden deshalb Stimmen laut, die Clinton einen Rückzug nahelegten. Die Frage sei aber, wann die 60-Jährige willens sei, Obamas Überlegenheit einzugestehen, sagte der Partei-Stratege Jim Duffy. Clinton klammert sich auf ihre hohen Zustimmungswerte unter den Arbeitern, ohne deren Stimmen McCain nur schwer zu besiegen sein wird. Bereits nach den beiden Vorwahlen traf Clinton in West Virginia ein, wo die nächsten Vorwahlen stattfinden werden. Derzeit kann sie dort laut Umfragen noch auf einen Sieg hoffen. Doch die Luft ist merklich dünner für sie geworden. (apa/red)

7.5.2008 15:34