Nächste Runde im Duell Clinton - Obama:
Vorwahlen in North Carolina und Indiana
- Letzte Staaten mit großem Delegiertenkontingent
- Insgesamt 187 Delegiertenstimmen zu vergeben

Die Wähler in den US-Staaten North Carolina und Indiana fällen die nächste Entscheidung im Duell der demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama und Hillary Clinton. Den Vorwahlen kommt deshalb Bedeutung zu, weil sie die letzten Abstimmungen in größeren Staaten mit nennenswertem Delegiertenkontingent für den Wahlparteitag zur endgültigen Kür eines Kandidaten im August sind. In North Carolina werden 115 Delegierte für den Wahlparteitag bestimmt, in Indiana 72 Delegierte.
Wer darf sich als Favorit fühlen?
In der Gesamtwertung führt immer noch Barack Obama, sein Vorsprung schwindet aber. Er hat bei den bisher mehr als 40 Vorwahlen mehr Siege als Clinton davongetragen und sich dadurch mehr Delegierte für den Wahlparteitag gesichert, der im August den Kandidaten küren wird. Allerdings hat Clinton Obamas Führung durch ihre jüngsten Siege in Pennsylvania, Ohio und Texas verringert. Letzte Umfragen sagen Obama einen Sieg in North Carolina voraus, während sich in Indiana ein knappes Rennen abzeichnet.
Worauf kommt es für Barack Obama an?
Nach mehreren Niederlagen gegen Clinton möchte Obama mit Siegen in Indiana und North Carolina Zweifel an seiner Zugkraft unter den demokratischen Wählern zerstreuen. In den jüngsten Vorwahlen hatten vor allem Arbeiter und Geringverdiener, eine Kernklientel der Demokraten, zu großer Mehrheit Clinton den Vorzug gegeben. Auch die Kontroverse um die umstrittenen Äußerungen seines früheren Pastors Jeremiah Wright, die viele Wähler als radikal und rassistisch empfanden, brachte Obama zuletzt in die Defensive.
Worauf kommt es für Hillary Clinton an?
Die Senatorin will durch weitere Siege ihren Anspruch untermauern, die stärkste Kandidatin für die Präsidentschaft zu sein. Ihr hart geführter Wahlkampf zielt darauf ab, Obama als unerfahren und elitär hinzustellen. Clintons Rückstand an gewählten Delegierten für den Parteitag lässt sich aber mathematisch nicht mehr aufholen. Sie hofft darauf, durch ein gutes Abschneiden am Dienstag die Zweifel an Obamas Siegeschancen zu mehren, um mit den Stimmen der sogenannten Superdelegierten, die auf dem Parteitag das Parteiestablishment repräsentieren und unabhängig von den Vorwahlergebnissen agieren können, doch noch zur Spitzenkandidatin nominiert zu werden.
Auf welche Wähler kommt es an?
Die Unterschiede zwischen Clinton und Obama liegen weniger in den politischen Positionen als in der Zusammensetzung ihrer Anhängerschaft. Beide konnten bei den bisherigen Wahlen hauptsächlich ihre Stammklientel mobilisieren - und scheiterten beim Versuch, im Wählerreservoir des Gegners zu wildern. Clinton bekam viele Stimmen von Frauen, Arbeitern, Niedrigverdienern und Latinos. Obama konnte sich auf Afroamerikaner, Besserverdiener, jüngere Wähler und parteiungebundene Wähler verlassen. Beide Kontingente halten sich bisher in etwa die Waage. Sollte es keinem der beiden gelingen, Stammwähler des anderen in großer Zahl abzuwerben, dürfte das Rennen knapp bleiben.
Wann fällt die Entscheidung?
Möglicherweise erst in einigen Wochen. Ein denkbares Szenario wäre, dass Clinton nach einer Niederlage in beiden Staaten am Dienstag ihren Verzicht erklärt und Obama das Feld überlässt. Bei einem gespaltenem Ergebnis - also etwa einem Sieg Clintons in Indiana und Obamas in North Carolina - dürfte die Senatorin wohl bis zur letzten Vorwahl am 3. Juni im Rennen bleiben, vielleicht auch bis zum Wahlparteitag Ende August in Denver. Sollte Obama in beiden Staaten verlieren, hätte er zwar immer noch einen Vorsprung in der Gesamtwertung - seine Strahlkraft würde aber weiter verblassen.
(apa/red)
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