Sonntag, 11. Mai 2008

In Burma beginnt Wettlauf gegen die Zeit:
1,5 Mio. Menschen durch Seuchen bedroht

  • Erste Hilfslieferungen des Roten Kreuzes eingetroffen
  • Bisherige Pakete nur Tropfen auf dem heißem Stein

Nach dem verheerenden Zyklon "Nargis" hat in Burma laut World Vision Australien ein "Wettlauf gegen die Zeit" begonnen. Der britischen Hilfsorganisation Oxfam zufolge ist das Leben von bis zu 1,5 Mio. Menschen akut durch Seuchen gefährdet. Erste Hilfslieferungen des Roten Kreuzes sind unterdessen im Gebiet eingetroffen. Durch ein Schiffsunglück erlitt die Hilfsorganisation jedoch einen Rückschlag.

Das erste Rote-Kreuz-Boot mit Gütern für mehr als 1.000 Menschen sank kurz bevor es sein Ziel im schwer verwüsteten Irrawaddy-Delta erreichte. Das Frachtboot hatte offenbar einen unter Wasser liegenden Baumstamm gerammt. Die Mannschaft und die vier burmesischen Rotkreuz-Mitarbeiter konnten sich in Sicherheit bringen, das Schiff ging unter. An Bord waren unter anderem Reis, Trinkwasser, Tabletten zur Wasseraufbereitung, Benzinkanister, Tragen, Kleidung, Gummihandschuhe und Seife.

Katastrophale Opferbilanz
Unterdessen hob Burmas Regierung die offizielle Zahl der Wirbelsturm-Toten auf mehr als 28.000 an. Internationale Beobachter gehen aber davon aus, dass mindestens 100.000 Menschen ums Leben kamen. Wegen der schlechten Versorgungslage könne die Opferzahl sogar um das Fünfzehnfache steigen, erklärte die Hilfsorganisation Oxfam.

Schon bald werden nach Angaben des Roten Kreuzes drei Österreicher ins Katastrophengebiet fliegen. Ihre Aufgabe wird es sein, gemeinsam mit deutschen Kollegen mobile Trinkwasseranlagen aufzubauen.

Die bisher in Burma eingetroffenen Hilfsgüter bezeichnete World Vision als Tropfen auf den heißen Stein. Zwar hätten Tausende Menschen inzwischen Hilfe erhalten, aber "es gibt Zehntausende, die noch nicht erreicht wurden", hieß es. In der Millionenmetropole Rangun gingen bereits die Vorräte aus.

Lage außer Kontrolle
Das Irrawaddy-Delta an der Südküste gleiche einem riesigen Ödland aus Schlamm, berichtete ein BBC-Reporter, der sich mit Kamera eingeschlichen hatte. "Die Situation ist völlig außer Kontrolle", sagte der Arzt Saw Simon Tha in einem Krankenhaus, das ohne Strom und Wasser versucht, tausenden Verzweifelten zu helfen. Hunderte lagen dort dicht gedrängt und oft nur noch halb bei Bewusstsein auf dem Boden. Viele Menschen kommen mit gebrochenen Knochen und inzwischen schwer entzündeten Wunden. "Wir haben unzählig viele Patienten und keine Medikamente."

Überlebenden Wind und Wetter ausgesetzt
Die Überlebenden seien Wind und Wetter ausgesetzt, berichtete Tim Costello, der Präsident von World Vision Australien, telefonisch aus Rangun. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge leiden einige Kinder bereits an Atemwegserkrankungen, dem Kinderhilfswerk UNICEF zufolge sind in einigen Gebieten bis zu 20 Prozent der Kinder an Durchfall erkrankt.

Etikettenschwindel
Es gab Berichte, dass auf Kisten mit Hilfsmaterial die Namen führender Generäle geschrieben wurden - ein offenkundiger Versuch, aus der internationalen Hilfe propagandistisches Kapital zu schlagen. So zeigte das Staatsfernsehen Bilder, wie Generäle, darunter auch der Chef der Militärjunta, General Than Shwe, Kisten an Überlebende der Sturmkatastrophe verteilten. Auf einer Kiste war beispielsweise der Name von Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift überdeckte den kleineren Aufdruck "Hilfe aus dem Königreich Thailand".

(APA/red)

11.5.2008 22:33