Samstag, 10. Mai 2008

Etikettenschwindel in Burma: Junta verteilt internationale Pakete unter eigenem Namen

  • Regime schlägt aus Notsituation politisches Kapital
  • 18 Tonnen Zelte & Plastikplanen im Land eingetroffen

Zwei Lastwagen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) haben Burma erstmals auf dem Landweg erreicht. Sie brächten 18 Tonnen mit Zelten und Plastikplanen für rund 10.000 Menschen in das Katastrophengebiet, sagte UNHCR-Sprecher Raymond Hall in Thailand. Die Militärjunta beschlagnahmte die Hilfspakete und etikettierte diese neu um. - Ein Versuch aus der internationalen Unterstützung politisches Kapital zu schlagen und sich selbst als Samariter in der Bevölkerung darzustellen.

Rund eine Million Menschen sind seit dem verheerenden Zyklon "Nargis" obdachlos. "Dieser Konvoi ist der erste positive Schritt", sagte Hall mit Bezug auf die zahlreichen Hürden, mit denen das Regime in Burma bislang eine umfassende internationale Hilfe verhindert hat.

Das UNHCR hoffe, dass nun schnell mehr Hilfe in das Land gelangen könne. Die Organisation begann damit, rund 100 Tonnen an Hilfsgütern aus einem Lager in Dubai nach Thailand zu fliegen. Wie eine Sprecherin des UN-Büros zur Koordination von Hilfseinsätzen, Elisabeth Byrs, mitteilte, sind derzeit 23 internationale Organisationen in Burma aktiv. Viele Organisationen warten aber noch auf Einreisegenehmigungen, vor allem für weitere Mitarbeiter und für Transporte.

Politisches Kapital
Das Militärregime in Burma begann mit der Verteilung internationaler Hilfsgüter an die notleidende Bevölkerung. Auf die Kisten wurden aber die Namen führender Generäle geschrieben - ein offenkundiger Versuch, aus der internationalen Hilfe propagandistisches Kapital zu schlagen. Das Staatsfernsehen zeigte ständig Bilder, wie Generäle, darunter auch der Chef der Militärjunta, General Than Shwe, Kisten an Überlebende der Sturmkatastrophe verteilten. Auf einer Kiste war beispielsweise der Name von Generalleutnant Myint Swe zu lesen. Die dicke Aufschrift überdeckte den kleineren Aufdruck "Hilfe aus dem Königreich Thailand".

Menschen verhungern & verdursten
Unterdessen berichteten Mitarbeiter der Hilfsorganisation Humedica aus Rangun, die Lage in der zerstörten Stadt sei an Dramatik und Traurigkeit kaum zu überbieten: "Es gibt keine Nahrungsmittel und kein sauberes Trinkwasser mehr. Die physisch und psychisch angeschlagenen Menschen verhungern und verdursten. Mit jeder Minute, die ohne internationale Hilfe vergeht, sterben Menschen, die gerettet werden könnten."

Hilfe vom Roten Kreuz
Das Internationale Rote Kreuz schickte bereits von Genf aus erste Hilfsgüter nach Burma. Das Flugzeug war mit Pumpen, Generatoren, Wassertanks und Wasseraufbereitungsmaterial beladen. Damit solle vor allem den Insassen von Gefängnissen und Arbeitslagern geholfen werden, hieß es.

(APA/red)

10.5.2008 22:28