Opferzahlen in Burma steigen weiterhin an:
Zyklon "Nargis" forderte schon 23.000 Tote
- Einschätzung eines US-Diplomaten: 100.000 Opfer!
- Scharfe Kritik: NGOs behindert, Warnungen ignoriert
Lebensmittelpreise explodieren nach Zyklon "Nargis"

·BILDER: Zyklon fegte über die Küste Burmas
Wirbelsturm forderte tausende Todesopfer
·Hilfsgüter & Spenden dringend benötigt
INFO: Hier können Sie für Zyklon-Opfer spenden
·GRAFIK: Der Weg des Sturms durch Burma
Zyklon zog Spur der Verwüstung durch Land
·Verheerende Stürme der letzten Jahre
Immer wieder werden die Küsten heimgesucht
·Wirbelstürme: Taifun,
Zyklon und Hurrikan
Bezeichnung variiert nach
Ort, an dem sie auftreten
·Myanmar vs. Burma: Eine kurze Aufklärung
Der Namensdiktatunfug der burmesischen Junta
·GRAFIK: Der Taifun
"Nargis" in Burma
Karte von Burma mit
den betroffenen Regionen
Zyklon "Nargis", der mit 200 km/h über Burma gefegt ist und weite Teile des Landes schwer verwüstet hat, soll nach Regierungsangaben mindestens 23.000 Menschenleben gefordert haben. Nach Einschätzung eines US-Diplomaten könnten es aber auch 100.000 Tote sein. Unter den Opfern herrscht Hunger, Seuchen drohen sich auszubreiten, die Reisernte wurde vernichtet, rund eine Million Menschen sind obdachlos, Zehntausende werden vermisst. Die internationalen Hilfsorganisationen können indes nur mühsam zu den Betroffenen vordringen.
Jetzt sind auch erstmals Informationen aus dem vom Wirbelsturm besonders stark betroffenen Delta-Gebiet an die Außenwelt gedrungen. In der Stadt Labutta, wo der Zyklon mit voller Wucht auf das Land getroffen war, trafen nach Berichten eines AFP-Reporters Zehntausende Flüchtlinge aus der umliegenden Region ein. Die Stadt stand völlig unter Wasser, aufgequollene Leichname trieben in den Fluten. "Die Menschen haben völlig ausdruckslose Gesichter, sie haben so etwas noch nie erlebt", berichtete ein Zeuge. Die umliegenden Dörfer wurden von den Wassermassen völlig vernichtet.
Regierung behindert Hilfe
Internationale Hilfsorganisationen beklagten nicht nur den schlechten Zustand der Verkehrswege, die ein Vorwärtskommen erheblich erschwerte, sondern auch die Behinderungen durch die Regierung: Während das Welternährungsprogramm (WFP) Lebensmittellieferungen verteilt und Großbritannien sowie die USA finanzielle Unterstützung in Millionenhöhe zugesagt haben, scheinen die Helfer in Burma nicht immer mit offenen Armen empfangen zu werden. So kritisierte etwa der Leiter Asien des Malteser Hilfsdienstes, Roland Hansen, "die massiven Behinderungen": "Wir dürfen nicht in die am meisten betroffenen Gebiete in der Region Irrawady-Flussdelta hinein. Das wird auch von der UNO beklagt."
Lebensmittelpreise explodieren
Laut General Tha Aye, der im staatlichen Fernsehen auftrat, habe sich die Lage im Land allmählich normalisiert. Tatsächlich scheint die Lage in den Katastrophengebieten weitaus dramatischer: Auf einem Markt in Kyimyindaing, einem Vorort von Rangun waren die Lebensmittelpreise in die Höhe geschossen. In Flaschen abgefülltes Wasser wurde für umgerechnet 32 Cent verkauft, mehr als doppelt so viel wie der Normalpreis. Auch der Preis für einen Sack Reis verdoppelte sich, für Speiseöl musste ebenfalls fast doppelt so viel wie bisher bezahlt werden.
Uniformierte machen sich rar
Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren, nur Burmas gefürchtete Uniformträger scheinen sich rarzumachen. Nachdem der Zyklon die Hauptstadt Rangun in Trümmern zurückließ, schwärmen dagegen Hunderte buddhistischer Mönche aus. Mit Äxten machen sie sich an die Aufräumarbeiten, schaffen umgestürzte Bäume aus dem Weg und tragen Betonbrocken und Schutt weg. Straßenlaternen und Reklametafeln liegen in den Straßen verstreut, auch die Splitter von Scheiben, die von entwurzelten Bäumen zerschlagen wurden.
Warnungen ignoriert
Dass die verheerenden Ausmaße des Wirbelsturms verhindert werden hätte können, das bekräftigte die indische Meteorologiebehörde (IMD). Ihren Angaben zufolge hatte man die zuständigen Regierungsstellen in Burma zwei Tage vor dem Eintreffen von "Nargis" vor gewarnt. Der IMD-Abteilungsleiter für Zyklone, M. Mahapatra, sagte: "Es gab hinreichend Zeit, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Leben zu retten." Seine Behörde habe die Entwicklung des Tiefdruckgebietes in der Bucht von Bengalen seit dem 26. April beobachtet und die Berichte regelmäßig an das Nachbarland weitergegeben.
(apa/red)
