Samstag, 10. Mai 2008

Schiitische Miliz für Waffenruhe in Sadr City: "Der Staat wird nicht kollabieren!"

  • Libanesischer Premier bleibt dennoch weiter versteckt
  • Gefechte forderten bislang 13 Tote und 77 Verletzte

Die Miliz des radikalen schiitischen Predigers Muktada al-Sadr hat sich zu einer Waffenruhe im umkämpften Bagdader Stadtteil Sadr City bereit erklärt. Die Waffenruhe trete am Sonntag in Kraft, erklärte ein Sprecher. Ob dadurch die Kämpfe in Sadr City, der Hochburg der Al-Sadr-Anhänger, tatsächlich aufhören, ist noch unklar. Bisher kamen bei den Gefechten allein seit Freitag 19 Menschen ums Leben.

Allein elf Extremisten wurden demnach getötet, als sie in Sadr City eine US-Einheit angriffen. Acht weitere Aufständische seien bei anderen Gefechten in überwiegend von Schiiten bewohnten Vierteln erschossen worden. Krankenhausmitarbeiter in Sadr City sprachen von mindestens 13 Toten und 77 Verletzten, darunter Frauen und Kindern.

Die Gefechte dauerten an. Auch US-Kampfflugzeuge kamen zum Einsatz. In dem nordöstlichen Stadtteil kämpfen irakische Truppe mit Hilfe der US-Armee seit Ende März gegen die Mahdi-Miliz des Schiitenpredigers Al Sadr.

Libanesischer Premier: "Der Staat wird nicht kollabieren"
Nach der erfolgreichen schiitischen Offensive in Beirut hat sich der libanesische Ministerpräsident Fouad Siniora in einer Fernsehrede an die Bevölkerung seines Landes gewandt. Siniora, der sich unter dem Schutz der Armee in seinem Amtssitz verschanzt hat, versicherte, dass der Staat "nicht kollabieren" werde unter den "Schlägen", die ihm gegenwärtig zugefügt würden. Schiitische Milizionäre der oppositionellen Bewegungen Hisbollah und Amal hatten am Vortag die Kontrolle über das Zentrum der libanesischen Hauptstadt übernommen. Die Schiiten, die zahlenmäßig größte Bevölkerungsgruppe des Landes, sind in der pro-westlichen Regierung nicht vertreten, wodurch diese nicht verfassungskonform ist. (APA/red)

10.5.2008 14:11